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Kino auf ARTE - 01/12/11

Auf der anderen Seite des Ozeans

(Après l'océan)
Spielfilm, Frankreich/Elfenbeinküste 2005, ARTE F
Regie: Eliane de Latour; Buch: Eliane de Latour; Kamera: Renaud Chassaing; Schnitt: Nelly Quettier; Musik: Tiken Jah Fakoly; Produzent: Pascal Judelewicz, Christopher Simon, Cat Villiers, Emma Hayter; Produktion: ARTE France Cinéma, CNRS Images, Kings Road Picture Company, Autonomous, Cognition
Mit: Fraser James - (Shad), Djédjé Apali - (Otho), Marie-Josée Croze - (Tango), Sara Martins - (Olga), Lucien Jean-Baptiste - (Tetanos), Tella Kpomahou - (Pelagie), Malik Zidi - (Bruno), Kad Merad - (Tangos Onkel)

Shad und Otho, zwei junge Afrikaner ohne Aufenthaltserlaubnis, wollen den Traum vom Reichtum in Europa leben, doch werden sie bei einer Razzia von der spanischen Polizei aufgegriffen. Während Otho schnell an die Elfenbeinküste abgeschoben wird, kann Shad untertauchen und lernt eine junge Französin kennen, die ihm dabei hilft, sich langsam eine Existenz aufzubauen. Monat für Monat sendet Shad sein mühsam erarbeitetes Geld an Otho, damit der es an seinen alten Vater und seine Verlobte Pelagie verteilen kann. Doch Otho, nach seiner erfolglosen Rückkehr von Freunden und Familie ausgegrenzt, hat seine eigenen Pläne.



Shad und Otho sind "sans papiers": Von der Elfenbeinküste heimlich nach Spanien eingereist, leben sie von halbseidenen kleinen Geschäften, immer auf der Hut vor der Polizei. Deutsche Autos, französische Edelmarken - die Erwartungen, womit sie in die Heimat zurückkehren wollen, sind hoch gesteckt.
Doch bei einer Razzia werden die beiden Freunde getrennt: Shad kann nach England fliehen und dort untertauchen, Otho, der sich nie etwas zuschulden kommen lassen wollte, wird wieder nach Abidjan abgeschoben. Und da er mit leeren Händen zurückkehrt, wird er in der Heimat schnell zum Ausgestoßenen. Nur seine Schwester Pelagie, die mit Shad verlobt ist und sehnsüchtig auf ihn wartet, hält zu Otho.
Shad kämpft weiter für den Traum vom großen Geld. Er lernt Tango kennen, eine junge Französin mit einem Faible für Afrika und jeder Menge Probleme mit ihrer Familie. Plötzlich scheint ein europäischer Pass, die endgültige Sicherheit, nicht mehr abgeschoben zu werden, zum Greifen nah, denn die lesbische Tango bietet Shad die Zweckheirat an. Doch Tangos Familie findet diesen Plan alles andere als gut ...
Und während Shad sich mit afrikanischen Banden, den europäischen Behörden und vor allem Tangos eifersüchtigem Cousin herumschlagen muss, benutzt der gescheiterte Otho das Geld, das Shad für seinen Vater und Pelagie schickt, für seine Zwecke ...

Aus der Sicht der Einwanderer erzählt, erweist sich "Vögel des Himmels" als eine Bestandsaufnahme der Migration. Vom nach Ansehen und Reichtum strebenden Aufsteiger, über die selbstgerechte Entwicklungshelferin bis zum Geschäftsmann, der findet, Afrikaner seien schon in Ordnung aber sollten lieber unter sich bleiben - solcherlei Typen verschiedenster Menschen, deren Leben unmittelbar von den Grenzziehungen Europas betroffen ist, vereint der Film, frei von Klischees.
Das Diktiergerät, mit dem Shad immer wieder Nachrichten für Otho aufnimmt, wird zum zentralen Motiv für die Sehnsüchte und falschen Heilsversprechungen, die jährlich Tausende von afrikanischen Männern ins verheißungsvolle Europa aufbrechen lassen. "Ein junger Mann von der Elfenbeinküste ist [...] in alltäglichen Szenen zu sehen, die er selbst kommentiert. Dabei spielt der Einfluss des Westens auf die afrikanische Lebensweise eine wesentliche Rolle, zum ersten Mal wird dieser aus afrikanischer Perspektive reflektiert. Irgendwann in Paris vertraut Shad seinem Diktiergerät einmal die Wahrheit an: dass sein europäisches Leben weder helden- noch traumhaft ist. Dann wirft er den Recorder in den nächsten Müllcontainer." (film-dienst, 7/2008)
Regisseurin Eliane de Latour arbeitete mehrere Jahre als Anthropologien in Westafrika. Seit 1982 dreht sie Dokumentarfilme, im Jahr 2000 folgte ihr erster Spielfilm "Bronx-Barbès" (ARTE-Sendung vom 27.11.2002), der in den Ghettos von Abidjan spielt. "Vögel des Himmels" ist als zweiter Spielfilm auch die thematische Fortsetzung ihres Debüts. Der Film lief in der Sektion "Panorama" der Berlinale 2006.

Auf der anderen Seite des Ozeans
Montag 12. Dezember 2011 um 02.45 Uhr
Keine Wiederholungen
(Frankreich, Cote D'Ivoire, 2005, 108mn)
ARTE F

Erstellt: 01-12-11
Letzte Änderung: 01-12-11