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08/10/08

Ars Electronica 2008

Vom 04. bis zum 09. September 2008


Die Ars Electronica im österreichischen Linz ist international das renommierteste Festival für Medienkunst: Hier hinterfragen Künstler, Technologiebastler, Theoretiker, Wissenschafts- sowie Wirtschaftsexperten und andere kreative Geister, wie sich Wissenschaft und neue Technologien in vielfältigster Weise auf die Gesellschaft auswirken.

Die Reportage von ARTE Kultur

Unter dem Festival-Titel "A new cultural economy – wenn Eigentum an seine Grenzen stößt" geht es in diesem Jahr um das problematische Spannungsverhältnis von Informationsfreiheit auf der einen Seite, und Urheberrechten auf der anderen. "Das Zeitalter von Copyright und geistigem Eigentum ist abgelaufen", so die provokante Kernbehauptung der Ars Electronica. Wenn sich Privat-Rechte am geistigen Eigentum insbesondere wegen ihres wirtschaftlichen Nutzens für den Einzelnen 'eingebürgert' haben, wie sieht es damit aus in einer breit vernetzten Wissensgesellschaft, in der es gerade die zunehmende Vernetzung ist, welche Kreativität und Innovation stimuliert? Im vom Joichi Ito kuratierten Symposium geht es nicht nur um Netzpiraten oder das Gratis-Downloaden von Videoclips und MP3-Musiktiteln. Denn hinter jener Frage verbirgt sich die gerade in der Medienkunst so oft gefeierte "Gift Economy", eine neue Ökonomie des Teilens und des offenen Zugangs im Internetzeitalter. Sind diese Trends tatsächlich das neue Kapital der postindustriellen Gesellschaft, oder werden sie lediglich von ihren Hauptnutzniessern geschaffen?


Die unterschiedlichen Ausstellungen der Ars Electronica präsentieren zeitgenössche Entwicklungen und Nischenthemen einer Kunst, in der die digitalen Medien nicht mehr die einzigen "neuen Medien" sind.


Die Preisträger des begehrten Prix Ars sind im Offenen Kulturhaus Oberösterreich "OK" zu sehen. So beschäftigt sich das Pariser Künstlerkollektif HeHe mit der ästhetischen Nutzung von 'Menschen-gemachten Wolken' – sie haben die Golden Nica in der neu geschaffenen Kategorie Hybrid Art gewonnen. Und der Performer Yann Marussich, ebenfalls Preisträger, zeigt mit "Bleu Remix" eine verstörende Nutzung biomedizinischer Verfahren für seine bewegende Zurschaustellung von Immobilität.


Dauerbrenner ist die Beschäftigung mit dem Paradigma Interaktivität. Als Schlüsselbegriff der Informationsgesellschaft geniesst er seit Jahren große Popularität. Doch wie interaktiv sind heutige Arbeiten der Medienkunst überhaupt? Reicht das Dogma des beteiligten Zuschauers als ästhetische Wunderwaffe? Oder versteckt sich dahinter eine verklärte Illusion von Basisdemokratie und Konsumentenfreiheit? Der diesjährige Preisträger der Kategorie Interactive Art, Julius von Bismarck, löst das Problem auf genialische Weise: Bei seinem "Fulgurator" ist das Publikum entscheidender Auslöser… nur weiss es nichts davon…


Und: Rätselhaftes Slowenien! Ein Land, in dem Künstler an der Gründung einer nationalen Raumfahrtagentur mitwirken, und wie die Kapelica Galerie in Ljubljana den Ruf geniesst, der extremste Ort für körperbezogene Experimentalkunst in Europa zu sein. Mit der Ausstellung "Ecology of the Techno Mind" stellt sie sich auf der Ars Electronica als "Featured Art Scene " vor - mit Projekten, die sich mit den Herausforderungen der neuen Medien, Biotechnologie, der Erforschung des Weltraums und dem Einsatz von Computern in der Medizin auseinandersetzen.


Theorie und Praxis liegen bei der Ars Electronica stets nahe beieinander, unbeschwerliches Techno-Basteln und kritsche Medienanalyse sollen sich hier nicht als harte Gegensätz begegnen. So stellen in der Kunstakademie Studenten der Universität Tokyo in der Ausstellung "Hybrid Ego" interaktive Arbeiten vor, die sich gar nicht um einen Kunst-Kanon bemühen – auf der anderen Seite verleiht die Ars Electronica in Zusammenarbeit mit dem Ludwig Boltzmann Institut einen "Media.Art.Research Award", den der niederländische Autor Arjen Mulder für seinen Sammelband "Interact or Die!"
 erhält.

Erstellt: 01-09-08
Letzte Änderung: 08-10-08