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06/03/2007 - Jazz - 28/08/08

Anat Fort

« A Long Story » 


„A Long Story” hat Anat Fort ihr Album genannt. Zu Recht, denn dahinter verbirgt sich eine lange Entstehungsgeschichte, aber vor allem ein Traum, der nun tatsächlich in Erfüllung ging.

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Bereits in jungen Jahren erhält Anat Fort klassischen Klavierunterricht, sie fängt früh an zu komponieren und allmählich wächst ihr Interesse für Improvisation. Schließlich entschließt sich die israelische Pianistin in die USA zu gehen, um in New Jersey Jazz zu studieren. „Die Uni war gut, aber nicht perfekt. Ich hatte bei Lehrern wie Rufus Reid und Harold Mabern studiert, war aber von freieren, von europäischen und weltmusikalischen Klängen angetan, nicht zuletzt von ECM-Musik.“

Denn zu ihren prägendsten musikalischen Inspirationsquellen gehört auch heute noch die Musik von Bill Evans und Keith Jarrett. Daher rührt auch ihr größter Wunsch, auf dem ECM-Label ein Album zu veröffentlichen sowie mit dem langjährigen Partner der beiden Pianisten zu spielen, der lebenden Schlagzeuglegende Paul Motian. Als die junge Absolventin in der alternativen Jazzszene New Yorks auf den Bassisten Ed Schuller trifft, kommt der Stein plötzlich ins Rollen. Forts Kompositionen überzeugen Schuller sofort und er erklärt sich bereit, mit ihr ins Studio zu gehen. Durch ihn entsteht der Kontakt zu dem Klarinettisten Perry Robinson und da sie bereits mit Motian in wechselnden Besetzungen gespielt hatten, gesellt sich der Schlagzeuger schließlich auch dazu.

© Arne Reimer / ECM Records
Welche Anspannung herrschte wohl in der jungen Fort, als sie sich plötzlich mit Legenden des Jazz im Studio befand, die sowohl mit ihren persönlichen Vorbildern als auch mit Dave Brubeck, Archie Shepp, Thelonious Monk und Paul Desmond gespielt hatten? Auch wenn sie angespannt gewesen sein sollte, so ist es ihrem fein nuancierten Pianospiel überhaupt nicht anzumerken. Denn Fort fasziniert durch ihre ambivalenten Texturen, die sie sowohl kraftvoll und dominant als auch filigran und schlicht zu platzieren weiß. Darüber hinaus spiegeln sich in ihren Kompositionen kaleidoskopartig musikalische Elemente des Jazz und der Klassik, aber auch des Orients und Osteuropas wider. Sie selbst führt dies auf ihre musikalische Prägung zurück: „Je länger ich von Israel weg bin, desto mehr tauchen diese Einflüsse auf.“ So ist zum Beispiel „As Two“ in Reaktion auf die israelischen-palästinensischen Eskalationen entstanden, indem sie zwei gegenläufige Melodien aufeinanderprallen lässt, die dann im Chaos ihre Rollen tauschen.

Anat Fort ist mit „A Long Story“ ein äußerst bemerkenswertes internationales Debüt gelungen. Beim Hören vergisst man sofort, dass hier zwei Musikergenerationen aufeinandertreffen, eine „Debütantin“ und drei alte Hasen, so gleichwertig und synergetisch harmonieren sie in ihrem Spiel. Es ist als ob es Anat Fort bereits in jungen Jahren intuitiv gespürt hatte, dass zwischen ihr und Robinson, Weller und Motian eine sehr außergewöhnliche musikalische Verbundenheit besteht.


Matthias Schneider


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Anat Fort
« A Long Story »
Enja / Universal France

Ecmrecords
Jazzecho



Erstellt: 01-03-07
Letzte Änderung: 28-08-08


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