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Kino-News

Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Kinostart 28. Oktober 2004 - 26/10/04

American Splendor

Annäherung an einen real existierenden Comic-Helden


Ein Film von Shari Springer Berman und Robert Pulcini
 
Synopsis: Die beiden Filmemacher haben ein sehr innovatives Projekt gewagt: Aus Harvey  Pekars Leben wird ein Comic, und sein Comic erwacht zum Leben – als Film. AMERICAN SPLENDOR ist eine wilde Mischung aus Dokumentarfilm, Biotopic, animiertem Film und Archivmaterial – nach Methode zusammengefügt.
 
Kritik: Harvey Pekar ist Berufspessimist. Er besitzt eine ausgeprägte Sammelleidenschaft für Comics und Jazzplatten und seine zweite Frau hat ihn soeben verlassen, weil sie das alles zu „plebejisch“ findet. Auf einem Flomarkt lernt er den Comic-Zeichner Robert Crumb kennen. Pekar hat eine Idee, eine geniale Idee. Er lässt den begabten Zeichner Geschichten seines eigenen Alltags aufs Papier bringen, und veröffentlicht das erste Ergebnis ihrer Zusammenarbeit 1976 unter dem Namen ‚American Splendor’. Die Menschen mögen den neuartigen Comic, und Harvey Pekar weiß endlich, wo er seinen ständigen Pessimismus effektiv loswerden kann - in seinen Geschichten.
 
Der Produzent Ted Hope ist seit Jahrzehnten ein großer Fan von ‚American Splendor’. Seit seiner Kindheit verschlingt er neugierig jede Nummer. Hope hat seit Jahren ein hervorragendes Gespür für gute Kinostoffe, er hat den in der vorigen Woche an dieser Stelle besprochenen THE DOOR IN THE FLOOR, oder Filme von Ang Lee,  z.B. DER EISSTURM und DAS HOCHZEITSBANKETT produziert. Er war es, der die Filmrechte gekauft hat, nachdem sie (wahrscheinlich wegen Unverfilmbarkeit) wieder frei geworden sind. Er war es auch, der das Regisseursehepaar Shari Springer Berman und Robert Pulcini fragte, die Regie zu übernehmen - bislang realisierten die beiden Dokumentarfilme. Eine gute Wahl, denn dem Regiepaar gelingt es, sich dem Paar Harvey Pekar/Joyce Brabner völlig selbstverständlich zu nähern.
 
In Szenen des Films treten die beiden in Erscheinung, aber sie werden ebenfalls in Spielszenen von Schauspielern dargestellt: Paul Giametti verkörpert Harvey Pekar, und er spielt den komischen Sonderling so gut, dass er manchmal „echter“ als der echte Pekar erscheint. Bis hin zum seltsamen Augenfehler stimmt alles an ihm. Hope Davis – die in ABOUT SCHMIDT Jack Nicholsons Tochter darstellte – ist ebenso verblüffend. Hinter einer großen Brille spielt sie mit nahezu stoischem Gesicht Joyce Brabner, Comicbuchhändlerin und Harveys dritte Lebensabschnittspartnerin. Gut ist, dass der Film sich nie über seine skurrilen Figuren lustig macht, sondern immer mit ihnen lacht. Toleranz wird hier ganz groß geschrieben, genau  wie in der Beziehung zwischen Harvey und Joyce. Eine geniale Nebenfigur ist Harveys Krankenhauskollege Toby Radloff – ein echter Nerd. Genial verkörpert wird er von Judah Friedlander, der dafür einen Oscar für die Beste Nebenrolle verdient hätte. Der über 30-jährige Toby, der immer noch bei seiner Oma wohnt, scheut sich nicht, für seinen Lieblingsfilm THE REVENGE OF THE NERDS, Hunderte von Kilometern zu fahren, obwohl er ihn schon mehrere Dutzend Male gesehen hat.
 
Shari Springer Berman und Robert Pulcini ist ein innovativer Film gelungen, der nicht zufällig in Sundance den Hauptpreis gewonnen hat. Ihr sehenswertes Porträt eines ungewöhnlichen und dabei doch völlig normalen Menschen ist die Ausnahme der Regel oder wie Joyce zu Pekar sagt: „Normalerweise dient jemand wie Du nicht gerade als amerikanischer Exportschlager.“ 
 
Nana A.T. Rebhan

 
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American Splendor
USA 2003, 101 Min.
Buch und Regie: Shari Springer Berman und Robert Pulcini
Mit Paul Giamatti, Harvey Pekar, Hope Davies, Joyce Brabner, Judah Friedlander

Erstellt: 26-10-04
Letzte Änderung: 26-10-04