Kritik: Alter, Tod, Rückblick auf das eigene Leben, das sind Themen, die bei einem deutschen Film sofort an ein tiefernstes Drama mit bedeutungsschweren Dialogen denken lassen. Doch der in Karlsbad geborene, seit Jahrzehnten in Deutschland lebende Michael Klier ist ein Filmemacher, der sich eher von der Melancholie und Leichtigkeit der Nouvelle Vague inspirieren lässt. Das stellte er bereits bei HEIDI M. (2001) unter Beweis, in dem er das simple Leben der Endvierzigerin Heidi M. (großartig dargestellt von Katrin Saß) ausgiebig beobachtete und dabei besonders den kleinen Details viel Aufmerksamkeit schenkte. Dort wie hier findet die französische Kamerafrau Sophie Maintigneux wunderschön ruhige Bilder, unaufdringliche Tableaus, in denen genug Raum ist für viele kleine Momente, die zwischen den Protagonisten stattfinden.
In ALTER UND SCHÖNHEIT lässt er vier Freunde nach etlichen Jahren erstmals wieder zusammenkommen und beschreibt seismographisch genau, was dabei mit und in den Menschen passiert. Nach anfänglichem Fremdeln pendelt sich das Quartett erneut auf gemeinsame Schwingungen ein. Die großzügig geschnittene 60er Jahre Villa Mannis tut ihr übriges dazu. Es ist ein Ort zum Wohlfühlen und in ihr sind etliche Schätze der Vergangenheit geborgen. Gemeinsam gehörte Jazz-Musik aus alten Tagen erinnert an ausschweifende Nächte mit viel Alkohol, Drogen und Frauen. Besonders eine – die besagte Rosi - spielte damals eine große Rolle, und zwar nicht nur im Leben Mannis, wie sich nach und nach herausstellt...

Deutschland 2008, 94 Min.
Regie: Michael Klier
Mit Henry Hübchen, Burghart Klaußner, Armin Rohde, Peter Lohmeyer, Sibylle Canonica
ARTE-Koproduktion

Seine porträtierten Männer - alle Jahrgang 49 und damit so alt wie die Bundesrepublik - haben mehr oder weniger Probleme mit ihrer Emotionalität und dadurch auch mit ihren Frauen. Manni findet, dass "unglücklich sterben scheiße ist", und will sich deshalb mit seiner großen Liebe Rosi wieder versöhnen. Irgendwas ist passiert zwischen ihnen, was dazu führte, dass Rosi nun gar nicht mehr gut auf ihren einstigen Manni zu sprechen ist. Was das ist, darüber schweigt der Film, und das ist gut so, denn die elliptische Erzählform ist die interessantere. Den Part der Rosi spielt Sibylle Canonica, mit vielen Nuancen. Von der recht verlebt wirkenden, übernächtigten Zicke mit tiefen Augenringen wandelt sich Sybille Canonica zur beschwingt tänzelnden Verführerin, die sie wohl stets gewesen ist.
Schließlich gelingt es allen Fünfen, sich mit ihrer komplexen und mehr oder weniger aufregenden Vergangenheit und all ihren Wunden zu versöhnen und voller Hoffnung in die Zukunft zu sehen. Manni darf sich ganz stilgerecht verabschieden: im Kreise seiner Lieben und dem Ferrari - umringt vom überschaubaren Land Brandenburgs. ALTER UND SCHÖNHEIT ist ein kluger und gleichzeitig witziger Film, der einem trotz bisweilen wehmütigen Blicks zurück die Angst vor dem Altwerden nimmt, denn es ist nie zu spät, sein eigenes Leben neu zu erfinden.
Nana A.T. Rebhan






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