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Leben im Mittelalter

ARTE widmet der mythischen Epoche einen Schwerpunkt mit Spielfilmen, Dokumentationen und zwei Themenabenden vom 2.2.2009 bis 15.2.2009

> Alltag auf der Burg

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ARTE widmet der mythischen Epoche einen Schwerpunkt mit Spielfilmen, Dokumentationen und zwei Themenabenden vom 2.2.2009 bis 15.2.2009

Leben im  Mittelalter

Leben im Mittelalter - 04/02/09

Alltag auf der Burg im Späten Mittelalter

Die Burgen des Spätmittelalters waren wahrhaftig kein ruhiger und beschaulicher Ort, das Leben war hart und laut. Sie beherbergten oft nicht mehr als »eine Handvoll Burgbewohner, eine Handvoll Bedienstete, ein paar Pferde und Esel, Katzen, Hunde, Hühner, Schafe, Ziegen und Schweine, alles auf engstem Raum untergebracht«. Boris Bigott und Jochen W. Wagner schildern den Burgalltag am südlichen Oberrhein.

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Eine großer Burgenreichtum prägt das Gebiet am südlichen Oberrhein. Zum einen sind es die unterschiedlichsten Landschaftsformen, die vom Schwarzwald bis zu den Niederungen der Rheinebene reichen, zum anderen die vielfältigen Herrschaftsverhältnisse in diesem Raum, die zu einer weiten Palette unterschiedlicher Burgentypen beitragen. Burgherren waren nicht nur mächtige Geschlechter wie die Habsburger und die Markgrafen von Baden, sondern auch die Bischöfe von Straßburg und Basel sowie der zahlreiche Niederadel, der sich aus unabhängigen Rittern und Vasallen mächtiger Adelsgeschlechter zusammensetzte.

Der Bau einer Burg musste vom König explizit genehmigt werden, doch wurde dieses königliche Recht schon im Laufe des 14. Jahrhunderts immer weniger beachtet. Seine Blütezeit erlebte der Burgenbau im 13. Jahrhundert, in dem weit über die Hälfte der Burgen entstanden. Untersuchungen über den württembergischen Raum, die Verallgemeinerungen zulassen, belegen, dass schon zu dieser Zeit zwei Drittel der Burgen vom Niederadel errichtet wurden. Das Spätmittelalter ist eher von der Erweiterung bereits bestehender Bauten geprägt.

Mit Kriegsführung hatten Burgen weniger zu tun

Weitverbreitet ist die Meinung, Burgen hätten überwiegend militärische Bedeutung besessen. Doch die Realität sah ganz anders aus: Burgen galten zuallererst den zivilen Aufgaben der Wirtschaft und Administration und weniger der Kriegsführung. »Würde man die Lebenszeit einer Burg von der Errichtung bis zu ihrem Ende als Wehr- und Wohnsitz gleich 100 % setzen, dann läge der Zeitanteil der gewaltsamen Auseinandersetzungen in fast allen Fällen bei deutlich unter 1 %.« (1)
Natürlich wurde die Burg zur Sicherung und Überwachung des zur Versorgung notwendigen Umlands bzw. des eigenen Lehens erbaut, sie spielte dabei aber eine rein defensive Rolle. Je nach Lage der Burg kam noch die Überwachung von Handelswegen und Flüssen hinzu, die dem Burgherren Einkünfte aus Zöllen bescherte. Ihre wichtigste Rolle aber besaß die Burg als Zentrum eines Wirtschaftssystems, denn es waren hauptsächlich die administrativen und wirtschaftlichen Tätigkeiten, die langfristig das Überleben und Einkommen des Burgherren sicherten. Unter diese Tätigkeiten fallen sowohl die Erhebung und Eintreibung von Steuern und Abgaben der Untertanen als auch die Verwaltung der Frondienste.

Die Burg war auch Ort der Rechtsprechung.

Je nach gesellschaftlicher Stellung und Besitz des Adligen variierte dessen richterliche Kompetenz recht stark. Die Mehrheit des ländlichen Niederadels begnügte sich mit der Bewirtschaftung eigener Ländereien zur Selbstversorgung, manchmal sogar dem Verkauf von Überschüssen bzw. dem Handel mit den im Spätmittelalter wachsenden Städten.
Deren gesteigerte Bedeutung war es auch, die viele Niederadlige im Verlauf des 15. Jahrhunderts aus Bequemlichkeit in die Städte ziehen ließ.

Die Burgen des Spätmittelalters waren wahrhaftig kein ruhiger und beschaulicher Ort, das Leben war hart und laut. Sie beherbergten oft nicht mehr als »eine Handvoll Burgbewohner, eine Handvoll Bedienstete, ein paar Pferde und Esel, Katzen, Hunde, Hühner, Schafe, Ziegen und Schweine, alles auf engstem Raum untergebracht«. (2)

Viehhaltung zur Deckung des Eigenbedarfs wurde im Verlauf des 15. Jahrhunderts für die Burgbewohner immer wichtiger. Aufgrund der Klimaverschlechterung im 14. Jahrhundert – man spricht von der sogenannten kleinen Eiszeit, verschärft durch das verheerende Erdbeben von 1356 und die Pestepidemien in der Mitte des 14. Jahrhunderts – reduzierten sich die Ernteerträge der Bauern und damit »die vorwiegend aus Abgaben von landwirtschaftlichen Erzeugnissen der Bauern bestehenden Einnahmen der Burgherren“. Gleichzeitig aber „nahmen die Standesausgaben an Waffen, Kleidung und Pferden einen immer größer werdenden Teil ihres Einkommens in Anspruch« (3): ein aufwendiger Lebensstil drückte immer mehr den sozialen Stand aus.

Programmschwerpunkt Mittelalter

2.2.09 um 21.00
Die Ritter der Tafelrunde (Spielfilm)

4.2.09 um 23.10
Beowulf und Grendel (Spielfilm)

7.2.09 um 21.00
Sphinx: Der Kreuzzug in die Hölle - Die Templer (Dokumentation)

7.2.09 um 21.50
Terra X: Im Bann des Priesterkönigs - Die Templer (Dokumentation)

8.2.09 um 20.45
Geduldet - verdächtigt - verfolgt. Die Juden im europäischen Mittelalter (Themenabend)

15.2.09 um 20.15
König Artus - Englands keltischer König (Themenabend)

Die Grundausstattung einer Burg

Neben den Viehställen waren auch kleinere Handwerksbetriebe, meist Bäckereien, Fleischereien oder Schmiedewerkstätten auf dem Burggelände zu finden, welche die Autarkie der Burg garantieren sollten. Ein Kräutergärtchen, dessen Aufsicht der Burgherrin oblag, fand sich oft in einer lichten Nische des Burginnenhofes. Unabhängig von der Größe der Burg gehörten zwei Bauten zur unbedingten Grundausstattung: der Brunnen und die Kapelle. Übliche Brunnentiefen lagen bei 20 bis 40 Metern, wobei auf Höhenburgen tiefer gebohrt werden musste und Tiefen von 100 Metern keine Seltenheit waren. Die Burgkapelle, Oratorium genannt, war ein wichtiger Bestandteil des höfischen Lebens, denn das ritterliche Ideal verpflichtete unter anderem auch zum täglichen Gottesdienst und Gebet. Die Kapelle wurde stets mit prachtvollem Bauschmuck an Wänden und Türen versehen. Zwar konnte sie in Einzelfällen frei oder sogar außerhalb der Burganlage stehen, doch war sie meist in der Nähe oder direkt an den Palas, das Wohnhaus, angebaut oder in andere Gebäude integriert.

Das Wohnhaus (der Palas)

Jede Burg besaß an der sichersten Stelle ihrer Anlage ein großes Wohnhaus, in dem der Burgherr mit seiner Familie wohnte. Dort spielte sich ein Großteil des gesellschaftlichen Lebens ab. War es auf der Burg in den wärmeren Monaten noch recht erträglich, so wurde es im Winter recht beschwerlich, wenn die Steinmauern auskühlten und die Milchglasfenster - soweit die Fensterbögen nicht mit Teppichen und Brettern abgedichtet wurden - nur spärlich Licht durchließen. Der Kachelofen, der erst im 12. Jahrhundert aufkam, vermochte nur ein größeres Zimmer mit Wärme zu versorgen und befand sich stets im größten Raum des Palas. Dieser beheizbare Große Saal bildete den Mittelpunkt des Alltagslebens: Hier wurde gegessen, gearbeitet, gefeiert und geschlafen. Er diente repräsentativen Zwecken. Vielfach war er weiß getüncht und mit kostbaren Wandteppichen behangen. Wegen der Enge wurde jeder geeignete Raum als Schlafraum genutzt, in machen Fällen sogar die Küche. Aufgrund der verschiedenartigen Nutzung der Räume musste auch die Einrichtung zweckdienlich sein.
Stühle, Hocker oder Sitzkissen waren selten, man saß auf hölzernen Bänken an langen Tischen, die oftmals nur aus einem großen Brett bestanden, das über zwei Holzbänke gelegt wurde. Auch Betten, soweit vorhanden, und Truhen dienten als Sitzgelegenheit. Wandschränke und kleinere Nischenregale waren selten und für kostbare Gegenstände reserviert. Viele Ausstattungsstücke waren so wertvoll, dass sie bei Übergabe oder Verpfändung einer Burg explizit in den Inventarlisten erwähnt wurden, vor allem Stoffe und metallenes Geschirr treten hierbei häufig in Erscheinung.

Die Küche

Da im Mittelalter äußerst lang und reichlich gegessen wurde - meist drei bis vier Mahlzeiten zu mehreren Gängen - besaß die Küche eine wichtige Stellung im Alltagsleben. Schwein und Rind aus eigener Zucht gehörten zu den beliebtesten Fleischsorten. Wild hingegen spielte erstaunlicherweise eine recht geringe Rolle. Die Jagd, wenngleich Privileg des Adels, diente wohl eher dem vergnüglichen Zeitvertreib und der Eindämmung von Schadwild als der Ernährung. Für den Adel war Wein, der auch außerhalb der Mahlzeiten getrunken wurde, das bevorzugte Getränk. Der mittelalterliche Wein wurde mit allerlei Kräutern versetzt, unter anderem mit Wermut, Salbei und Minze. Schon damals waren die Weine der oberrheinischen Anbaugebiete Breisgau und mehr noch des Elsass für ihre gute Qualität über die Landesgrenzen hinaus bekannt.

Dr. Boris Bigott unterrichtet als Historiker an der Universität Freiburg. Seine Arbeitsschwerpunkte sind früh- und hochmittelalterliche Reichskirchengeschichte, karolingische Reichsgeschichte, südwestdeutsche Landesgeschichte in Mittelalter und früher Neuzeit, Burgen im mittelalterlichen Breisgau.

Freizeitvergnügen

Neben ihren täglichen Pflichten gingen die Burgbewohner auch zahlreichen Freizeitvergnügungen nach, vor allem im Winter waren Karten- und Brettspiele sehr beliebt. Mühle, Dame und Trictrac, das heutige Backgammon, waren schon bekannt. Schach galt in Adelskreisen als das Gesellschaftsspiel schlechthin. Tanzen, Spiele mit Murmeln, Würfeln und Domino zählten genauso zu den Vergnügungen der Erwachsenen, wie Drachensteigen, Seilspringen oder das Antreiben von Kreiseln mit kleinen Peitschen zu denen der Kinder.

Niedergang des Rittertums

Seit dem Hochmittelalter trat zunehmend eine neue Form des Burgenbesitzes in den Vordergrund, welche den Alltag auf der Burg nachhaltig prägte: Die sogenannte Ganerbenburg hatte oftmals infolge von Erbteilungen mehrere Burgherren. Eine Burg konnte auch durch einen aus Kostengründen erfolgten gemeinschaftlichen Bau, Eroberung oder einfach durch die Geldbedürftigkeit der Burgherren, in den Besitz mehrerer Herren gelangen. Um das Zusammenleben zu erleichtern, wurde zwischen den Besitzern ein sogenannter Burgfriede geschlossen. Die zahlreichen überlieferten Urkunden zum Burgfrieden lassen darauf schließen, dass am Ende des Spätmittelalters «ein Ritter, ein Freiherr oder ein Graf nur noch selten alleiniger Besitzer einer Burg gewesen sein dürfte» (4). Für den Alltag der Burgbewohner aber bedeutete dies, dass nur noch die wenigsten Adligen von den Erträgen bzw. den Anteilen einer Burg leben konnten.

Der überwiegende Teil des landsässigen Niederadels geriet im Verlauf des Spätmittelalters in eine finanzielle Krise, was in der Verarmung bzw. dem sozialen Niedergang vieler Adelsgeschlechter und dem zeitweiligen Aufkommen des sogenannten Raubrittertums deutlich wird. Die Raubritter deuteten die Fehde, ehemals ein Instrument der Rechtsfindung, in ein willkürliches Recht um. Opfer waren zumeist die Städte, insbesondere deren Kaufleute und Patrizier. Doch wurde das Raubrittertum nur von wenigen Adligen ausgeübt und fand rasch sein Ende, als die reichen Städte mit Söldnerheeren gegen die Raubritterburgen vorgingen und diese zerstörten.

Von Boris Bigott und Jochen W. Wagner

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(1) Malte BISCHOFF, Die Burg als repräsentativer Wohnsitz, in: Burgen in Mitteleuropa, Bd. 2, Stuttgart 1999, S. 52.
(2) Joachim ZEUNE, Burgen – Symbole der Macht. Ein neues Bild der mittelalterlichen Burg, Regensburg 1996, S. 171.
(3) ANZELEWSKY (wie Anm. 2), S. 135.
(4) Karl-Heinz SPIESS, Burgfrieden als Quellen für die politische und soziale Lage des spätmittelalterlichen Adels, im: EHMER (wie Anm.10), S. 186

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Erstellt: 30-01-09
Letzte Änderung: 04-02-09