Kritik: Dass sie am Leben geblieben sind, ist ein Wunder – der ehemalige Leibarzt Salvador Allendes, ein Leibwächter sowie ein ihm loyal verbundener Polizei-Kommandant. Mit ca. 40 weiteren Getreuen befanden sie sich in der „Moneda“, dem Präsidentenpalast, als am 11. September 1973 das Militär unter General Pinochet den Palast aus der Luft bombardieren und mit Panzern beschießen ließ. Der tragische Höhepunkt einer dreijährigen Zuspitzung des Konflikts zwischen der links gerichteten Regierung unter dem Volkspräsidenten Salvador Allende und konservativ bis faschistischen Kräften, hinter denen die Großgrundbesitzer und amerikanische Wirtschaftsinteressen sowie der CIA standen.Zu bedrohlich war ihnen der charismatische Redner geworden, der den Chilenen die Nationalisierung ihrer Schlüsselindustrien, Schulbildung für alle und andere epochale Sozialreformen versprochen hatte. Doch von den Hintergründen des Putschs erzählt der Film wenig. Er collagiert die sentimentalen Impressionen einiger Veteranen mit Original-Filmausschnitten – die meisten davon Auszüge aus Reden von Salvador Allende, der seine berühmteste und ergreifendste Ansprache aus dem Stegreif über einen Telefonhörer an eine Radiostation übermittelte, wenige Minuten vor seinem freiwilligen Ableben. Doch wie auch an anderen Stellen geht Autor Trabitzsch recht schlampig mit seinem Quellenmaterial um – an entscheidender Stelle wird die Rede grob gekürzt, die wichtigsten Passagen fehlen. Andere Allende Reden werden gar überhaupt nicht gekennzeichnet, was ihren Anlass und ihren Zeitpunkt betrifft.
Dass der Funke Allendes 30 Jahre nach seinem Tod nicht mehr überspringt, die Begeisterung der Chilenen nicht mehr fassbar scheint, liegt auch an einer Montagetechnik, die das Gestern und Heute eher fahrig und unfokussiert gegenüberstellt, ohne zwingenden Erzählansatz . Es fehlt eine ordnende Struktur, die das zusammengetragene Material in einen größeren Kontext stellt und Erklärungsversuche anbietet. Wie kam es dazu, dass die Chilenen Allende an die Spitze ihres Landes wählten, wofür stand seine Politik und wieso konnte seine Wahl bei seinen Gegnern so viel Hass evozieren? Welche Rolle spielten die USA in Chiles Politik und wie sah die Opposition im Innern des Landes aus. Michael Trabitzsch liefert eine spannende Rekonstruktion der letzten Stunden vor dem Putsch, doch eine Antwort auf die Frage, inwiefern sein Film das Thema ‚Allende’ um ein hintergründiges Geschichtskapitel bereichern sollte, bleibt er schuldig.
Martin Rosefeldt
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Allende - Der letzte Tag des Salvador Allende
Regie: Michael Trabitzsch
Deutschland/Chile 2004, 80’






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