Sendung vom 2. November 2008 - 02/11/08
das Porträt: der Schornsteinfeger
In Deutschland wird gerade ein Gesetz verabschiedet, das das Monopol der Schornsteinfeger kippen soll. Höchste Zeit also, dass uns Hajo Kruse diese Institution vorstellt: den deutschen Schornsteinfeger.
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Wer in Deutschland lebt, hat’s gut. Denn dort gibt es ein Gesetz, das vorschreibt, daß "Glücksbringer" in regelmäßigen Abständen in jedes deutsche Haus kommen müssen. Und so sieht er aus, der staatlich autorisierte Glücksbringer: schwarzer Zylinderhut oder Steigerkappe, schwarze Hose, schwarze Jacke, Schultereisen, Besen und Leiter. Natürlich, der Schornsteinfeger. Denn Schornsteinfeger bringen in Deutschland Glück: auf Postkarten, als Gipsfigur, als Pfeifenputzerpüppchen oder als Schlüsselanhänger. Eigentlich logisch: regelmässiges Schorsteinfegen verhindert Kaminbrände! Garantiert Glück hat man allerdings nur, wenn man einem Schornsteinfeger in Fleisch und Blut begegnet. Dann muss man ihn schnell an der Jacke berühren und sich dabei selbst ein bißchen schwarz machen.
Der französische Schornsteinfeger ist seltsamerweise kein Glücksbringer. Er hat auch keine schwarze Arbeitskluft und keinen Zylinder, außer vielleicht im Elsaß. Der grundlegende Unterschied zu seinem deutschen Kollegen ist allerdings der: Wenn in Deutschland der Schornsteinfeger vor der Tür steht, ist man gesetzlich verpflichtet, ihm "zum Zwecke des Kehrens und der Überprüfung der kehr-und überprüfungspflichtigen Anlagen Zutritt zu den Grundstücken und Räumen zu gestatten". Der deutsche Schornsteinfeger wird nämlich vom Staat geschickt.
Damit auch alles schön überschaubar bleibt, ist Deutschland in achttausend Kehrbezirke aufgeteilt. In jedem Kehrbezirk gibt es einen einzigen Bezirksschornsteinfegermeister, der dort das Kehrmonopol hat. In einem Kehrbezirk dürfen also nur der Bezirksschornsteinfegermeister und seine Angestellten den Kamin fegen. Die Tarife sind gesetzlich vorgeschrieben, und auch die Anzahl der jährlichen Besuche, bei denen übrigens nicht nur die Schornsteine gefegt, sondern auch die Heizungsanlagen überprüft werden. Wenn etwas nicht stimmt, kannn der Schornsteinfeger dann ein Reparatur vorschreiben. Das Schornsteinfegermonopol erinnert manche an die mittelalterlichen Zünfte und ist in Deutschland schon seit längerem umstritten. Das ändert aber nichts daran, dass die deutschen Schorsteinfeger weiterhin als Glücksbringer gehandelt werden und eine gewisse seriöse Ausstrahlung haben, die den französischen Schornsteinfegern leider völlig abgeht.
Auf Frankreichs Dächern herrscht nämlich freie Marktwirtschaft. Zwar muss man auch hier seinen Schornstein regelmäßig fegen lassen, aber Frankreich, ist nicht in Kehrbezirke aufgeteilt und niemand prüft auch nur im Geringsten nach, ob man der Vorschrift nachkommt oder nicht. Die zahlreichen französischen Kaminfeger machen sich heftig Konkurrenz, hinterlassen Zettel in den Briefkästen und klopfen bisweilen auch ganz ohne Ankündigung an die Wohnungstüren. Meistens macht man dann gar nicht erst auf, denn wie soll man schnell nachprüfen, ob der angebliche "ramoneur" sein Handwerk überhaupt gelernt hat, ob seine Preise nicht viel zu hoch sind und ob es seine Firma wirklich gibt? Diese "ramoneurs" haben in Frankreich keinen guten Ruf: weder als Schornsteinfeger noch als Glücksbringer. In Frankreich sollte man lieber einen "fumiste" für seinen Schornstein bestellen. Dort sind nämlich die "fumistes-ramoneurs" die einzigen Schornsteinfeger mit Diplom.
Das ist bemerkenswert, denn wenn die Franzosen über jemanden sagen "das ist ein echter fumiste", meinen sie damit, die Person sei unseriös, obwohl in Wirklichkeit doch die fumistes die wahren Schornsteinfeger sind, und die selbsternannten ramoneurs dagegen wahre fumistes. Alles klar?
Text: Hajo Kruse
Bild: Dagmar Weiss
das Porträt: der Schornsteinfeger finden Sie auf der
DVD 7
Erstellt: 31-10-08
Letzte Änderung: 16-05-12