Ein lasterhafter Privatdetektiv, zwielichtige Gestalten, dunkle Gassen und eine begehrenswerte Femme fatale - das klingt nach den typischen Zutaten eines Film Noir. Der Ursprung dieses Kinophänomens liegt in der amerikanischen Kriminalliteratur. Autoren wie Raymond Chandler, Dashiell Hammett und Graham Greene prägten die sogenannten "hard-boiled novels", in der zumeist ein Privatdetektiv und seine Ermittlungen im Mittelpunkt stehen.
Die darin beschriebenen düsteren Großstädte, rauen Sitten und ambivalenten Charaktere, wurden zum maßgeblichen Vorbild für die Filme, wie sie vermehrt ab den 40er Jahren entstanden. Von Anfang an zeichneten sich diese durch eine ästhetisch neuartige Gestaltung aus: Starke Lichtkontraste, Häuserschluchten und dunkle Straßen wurden zum Merkmal der Filmästhetik. Ganz nach Tradition der amerikanischen Kriminalliteratur steht im Zentrum der Handlung oft ein Privatdetektiv, der gegen den Widerstand von Polizei und Ganoven in einem Fall ermittelt und dabei seine eigenen Vorstellungen von Moral verfolgt.
Die Figur des melancholischen und abgebrühten Antihelden, wie ihn Humphrey Bogart ("Die Spur des Falken") par excellence verkörpert, machte den Schauspieler zum Star und diente zahlreichen Nachfolgefilmen als Vorbild. Ebenso neu war auch die emanzipierte Frauenfigur der schönen Femme fatale, die den Protagonisten verführt.
Der italienische Filmkritiker Nino Frank fasste schließlich 1946 als Erster die Filme mit diesem neuen Stil unter der Bezeichnung "Film Noir" zusammen. Seitdem ist dieser Begriff nicht mehr aus der Filmgeschichte wegzudenken. Regisseure wie Billy Wilder, Otto Preminger, Alfred Hitchcock und John Huston setzen in ihren Filmen sowohl inhaltliche als auch stilistische Standards, die Hollywood und das europäische Kino grundlegend beeinflussten und bis heute immer wieder aufgegriffen werden.
ARTE widmet dem Film Noir einen Schwerpunkt mit insgesamt sechs Filmen. "Frau ohne Gewissen" von Billy Wilder (1944) "Die Killer" von Robert Siodmak (1946) und "Die Lady von Shanghai" von Orson Welles (1947) gehören zu den Filmen, die den Mythos des Film Noir begründet haben. Roman Polanski mit "Chinatown" (1974) und Curtis Hanson mit "L.A. Confidential", erwiesen sich als ihre würdigen Erben, wenngleich sie die Tradition des Film Noir in Farbe fortschrieben. Wim Wenders Biopic "Hammett" ist eine Hommage an den hard-boiled-Autor Dashiell Hammett und den von ihm geschaffenen Antihelden Sam Spade, der meistens von Humphrey Bogart verkörpert wurde. Er ist der Schauspieler des Film Noir schlechthin.





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