
Franz Schubert: SchwanengesangWerner Güra, Tenor. Christoph Berner, Klavier.
Als Begleitmusik für Ihre Weihnachtsgans eignet sich Schuberts Schwanengesang wohl kaum, aber auf dem Gabentisch wird diese herausragende Einspielung wahre Freudenstürme auslösen.
Werner Güra lässt sich bei seiner Interpretation des Schwanengesangs von einem relativ einfachen Grundgedanken leiten: Ausgehend vom lyrischen Gehalt der Texte entwickelt er einen kohärenten und einfühlsamen musikalischen Diskurs. Alle großen Interpretationen dieses Werks, allen voran die von Dietrich Fischer-Dieskau, zeichneten sich durch dieses Herangehen aus, doch ist es bei weitem nicht die Regel. Daher freut es umso mehr, nun diesen lyrischen deutschen Tenor mit einer so nuancenreichen Interpretation zu hören. Eine in jeder Hinsicht unverzichtbare Einspielung.
Romantik

Felix Mendelssohn-Bartholdy: Lieder ohne Worte op. 19, 30, 62 und 67Patricia Pagny (Klavier)
Eine lebendige Musik, hervorragend interpretiert von Patricia Pagny – Mendelssohns Lieder ohne Worte sind Romantik für lange Winterabende.
Wer dieser Einspielung aufmerksam lauscht, wird feststellen, wie wichtig die Ausdruckskraft des Interpreten ist, um diesen Zyklus mit dem ganz besonderen Quäntchen Seele und Sinn zu bereichern. Patricia Pagny gelingt dies hervorragend. Ihr Stil, ja ihre Präsenz allein machen die Lieder ohne Worte zu bewegenden Momenten.
Romantik

Franz Liszt: Harmonies Poétiques et ReligieusesPascal Amoyel (Klavier)
Allen, die der Mitternachtsmesse fern geblieben sind und auch ihren Gedichtband verbummelt haben, bietet die neue CD von Pascal Amoyel eine wunderbare Tröstung. Es handelt sich schlicht und einfach um eine der schönsten Interpretationen von Liszts Harmonies Poétiques et Religieuses.
Pascal Amoyel gehört zu den wenigen Pianisten, die verstanden haben, welch hohe Bedeutung der Diktion in diesem sehr deklamatorischen Werk beizumessen ist. Doch letztlich lässt sich die große Intensität seines Spiels in wenigen Worten zusammenfassen: einzigartige Präsenz, faszinierende Klarheit und die außergewöhnliche Fähigkeit zur Durchdringung einer musikalischen Form, die nach nichts anderem als Transzendenz strebt.
Klassik

Wolfgang Amadeus Mozart: Don GiovanniBekommen Sie keinen Schreck, falls zwischen Bescherung und Weihnachtsgans der „Commandatore“ an ihre Tür klopfen sollte. Es liegt einfach am intensiven Genuss der wunderbaren Einspielung des Don Giovanni. Ein oder zwei Gläschen Festtagswein mögen natürlich mit daran Schuld sein …
In seiner Auslegung des Don Giovanni hält sich René Jacobs sehr getreu an die Vorlage. Die daraus erwachsende neue Dramaturgie nimmt sich der musikalischen Frage ebenso an wie der Auslegung des Werkes. Die herausragend dirigierte und gesungene Neueinspielung des Don Giovanni zählt zu den ganz großen Interpretationen dieser überaus häufig aufgezeichneten Oper. Unverzichtbar!
Barock

Johann Sebastian Bach Viktoria Mullova (violon) Ottavio Dantone (clavecin & orgue) Vittorio Ghielmi (viole de gambe)* Luca Pianca (lute)*
Um Ihren lauten Nachbarn bei der Silvesterfeier musikalisch Paroli zu bieten, ist Bach wohl kaum der Richtige. Sehr gut eignet er sich dagegen, wenn Sie sich nach drei Tagen ununterbrochenen Hip-Hop-Gedröhns wieder mit der Musik versöhnen wollen. Noch dazu mit dieser hervorragenden Einspielung von Viktoria Mullova, der besten ihrer bisherigen Laufbahn.
In diesem an Bach-Ehrungen reichen Jahr ist die CD von Viktoria Mullova und Ottavio Dantone zweifelsohne die beste. Den beiden Musikern gelang es, eine ganz essentielle Seite dieser Bach-Sonaten zum Geltung zu bringen: die Bewegung der Musik und ihr subtiles Verhältnis zur Bach’schen Rhetorik. Eine Kostbarkeit.
Mathias Heizmann
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