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Kino auf ARTE - 19/03/12

All or Nothing

Spielfilm, Großbritannien, Frankreich, 2002, ARD, 123 Min.
Regie: Mike Leigh, Drehbuch: Mike Leigh, Kamera: Dick Pope, Musik: Andrew Dickson, Schnitt: Lesley Walker, Produktion: Les Films Alain Sarde, StudioCanal, Thin Man Films, Produzent: Simon Channing Williams, Alain Sarde
Mit: Timothy Spall (Phil), Lesley Manville (Penny), Alison Garland (Rachel), James Corden (Rory), Ruth Sheen (Maureen), Paul Jesson (Ron)


Der Taxifahrer Phil und die Kassiererin Penny leben mit ihren beiden Kindern in einer heruntergekommenen Hochhaussiedlung am Londoner Stadtrand. Von einer glücklichen Familie kann jedoch keine Rede sein: Die Eltern leben nebeneinander her und haben sich nichts mehr zu sagen. Auch mit den Kindern wird in erster Linie gestritten. Erst als bei dem arbeitslosen Sohn Rory eine unheilbare Krankheit diagnostiziert wird, scheinen die vereisten Gefühle aufzubrechen.



Eine triste Hochhaussiedlung im Südosten von London. Hier lebt die Supermarktkassiererin Penny mit ihrem Lebensgefährten Phil und ihren erwachsenen Kindern Rory und Rachel in ärmlichen Verhältnissen. Während Rachel als Putzfrau in einem Altersheim jobbt und ihren Lebensfrust im wahrsten Wortsinn in sich hineinfrisst, hockt der ebenfalls übergewichtige, arbeitslose Sohn Rory den ganzen Tag vor dem Fernseher. Seine aufgestauten Aggressionen lässt er an den schwächeren Jungs des Viertels aus.
Von Familienleben kann schon lange nicht mehr die Rede sein. Die Gespräche beschränken sich auf das Nötigste, und die Liebe zwischen Penny und Phil ist schon lange zu einer Fratze aus enttäuschten Träumen und unausgesprochenen Vorwürfen erstarrt. Mit ihren Versuchen, Rory wenigstens zum gemeinsamen Abendessen von der Glotze wegzubewegen, erntet Penny lediglich üble Beschimpfungen.
Eines Tages unternimmt Phil eine kleine Flucht aus dieser deprimierenden Umgebung. Er schaltet den Funk seines Taxis aus und fährt ans Meer. Für ein paar Momente kann er hier die Aussichtslosigkeit seines Lebens vergessen. Zur selben Zeit bricht Rory zu Hause bewusstlos zusammen. Im Krankenhaus diagnostizieren die Ärzte einen angeborenen, inoperablen Herzfehler. Zwar besteht keine Gefahr für Rorys Leben - aber der Junge muss seine Essgewohnheiten drastisch umstellen, wenn er sein Leiden nicht verschlimmern will.
Dieser Schicksalsschlag scheint Penny und Phil endlich aus ihrer Lethargie aufzurütteln. Zum ersten Mal seit langer Zeit gelingt es ihnen, miteinander über ihre Gefühle, Unsicherheiten und seelischen Verletzungen zu reden. Und am Ende scheint es fast so, als könnten Phil, Rory, Rachel und Penny doch wieder zu einer Familie zusammenwachsen.

Mit dem in Cannes gefeierten Familiendrama "All or Nothing" hat Meisterregisseur Mike Leigh ("Lügen und Geheimnisse") eine berührende Milieustudie inszeniert. Mit außerordentlichem Gespür für soziale Kontexte und gesellschaftliche Missstände erzählt Leigh die Geschichte einer zerrütteten Familie, ohne jedoch in Hoffnungslosigkeit oder gar Zynismus zu verfallen. "All or Nothing" war 2002 in Cannes gleich in vier Kategorien nominiert: "Goldene Palme", "Großer Preis der Jury", "Preis der Jury" und "Beste Regie". In den Hauptrollen beeindrucken Timothy Spall ("Intimacy") und Lesley Manville ("Vera Drake"). In weiteren Rollen sind Ruth Sheen ("Vanity Fair") und Helen Coker ("Nicholas Nickleby") zu sehen.

All or Nothing
Samstag 21. April 2012 um 01.50 Uhr
Keine Wiederholungen
(Großbritannien, Frankreich, 2002, 123mn)
ARD

Erstellt: Mon Mar 19 12:23:47 CET 2012
Letzte Änderung: Mon Mar 19 12:23:47 CET 2012