Ich habe die Dinge immer genommen, wie sie kamen, mit einem Hang zum Fatalismus. Das ist die Kristallkugel, die ich ihm auf den Schreibtisch gestellt hatte.
Der Tod kennt keinen Sommer: Pierre-André Boutang starb gestern völlig unerwartet. Es bleibt ein bitteres Gefühl von Verlust, aber auch die Erinnerung an große Augenblicke des französischen Fernsehens. Als Fernsehmacher, Dokumentarfilmer, vor allem aber unvergleichlicher Gesprächspartner, hat Pierre André die größten Künstler und Schriftsteller des 20. Jahrhunderts interviewt und gefilmt.
Seine tiefe Stimme fragt, befragt, fördert zu Tage; seine Porträts faszinieren, weil er dem Wort des anderen Raum lässt: Duras, Godard, Paul Morand, Jeanne Moreau, um nur sie zu nennen.
Pierre-André Boutang : „Für mich war es eine reine Lust, alle diese Filme zu machen. Drehen macht einfach mehr Spaß als in einem Büro zu sitzen. Es sei denn, man will wirklich Karriere machen und weiß Gott was werden, Kulturminister oder so was.“
Sein Interview mit dem Philosophen Gilles Deleuze hat Kultstatus: 52 alphabetische Stichworte, 52 spontane Reaktionen. Von den 60er-Jahren bis in die Gegenwart als ARTE-Mitarbeiter setzte er Meilensteine in der oft geistlosen Fernsehlandschaft, mit Dokumentarfilmen und beispielhaften Kulturmagazinen wie Océaniques oder Metropolis.
Pierre-André Boutang : „Ob das nun ein Glück ist oder nicht, ich habe mein Leben lang Fernsehen gemacht, mit Ausnahme von vier oder fünf Jahren, wo ich mit einem Filmproduzenten gearbeitet habe. Ich habe die Dinge immer genommen, wie sie kamen, mit einem Hang zum Fatalismus. Das ist die Kristallkugel, die ich ihm auf den Schreibtisch gestellt hatte.“
Seine Leidenschaft für Literatur liegt wohl in der Familie. Sein Vater war Philosoph und Romancier, seine Mutter Literaturprofessorin. Pierre-André gibt sein Studium an einer Elite-Hochschule auf, um beim Fernsehen zu arbeiten. Er verschreibt sich dem Bild, bewahrt sich aber den Willen zum Erzählen. Sein Wermutstropfen: dass er sich nie am Spielfilm versucht hat.
Pierre-André Boutang : „Was hätte ich Lust, ein Regisseur zu sein wie, na sagen wir mal, Bresson oder Tarkowski! Es wurmt mich, dass ich nie überprüft habe, ob ich ein Bresson oder Tarkowski bin.“
Man mag nach Erklärungen suchen, das Unverständliche wird bleiben. Es war ein schöner Sommertag im korsischen Ajaccio, Pierre-André Boutang war schwimmen gegangen. Der Tod kennt keinen Sommer.






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