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24/09/07

Achilleomantie

Achilleomantie
Weissagung aus den Stängeln der Schafgarbe (Achillea) anhand von Trigrammen (drei parallelen Linien). Eine durchgehende Linie verkörpert das Yang, eine unterbrochene Linie das Yin. Aus acht Grundfiguren von Trigrammen werden 64 Hexagramme gebildet. Zur Weissagung der Zukunft benötigt man 50 Stängel oder Stäbchen. Diese im I Ging beschriebene Methode ist die populärste. Im 11. Jahrhundert v. Chr. war mit der Weissagung aus dem Fallen der Stäbchen eine ganze Armada von Beamten beschäftigt.
Weissagung aus den Gestirnen
Die Vorstellung von einem direkten Einfluss der Planeten auf die Geschicke der Menschen war zunächst nicht geläufig, und somit war diese Methode auch nicht verbreitet. Sima Qian, der erste chinesische Historiker und Astrologe, stellt eine Beziehung zwischen fünf Planeten und dem Wesen der fünf Elemente auf. Der älteste Text, in dem eine Weissagung aus den Gestirnen erwähnt wird, geht auf die Zeit der Streitenden Königreiche zurück. Diese Astrologie beruht auf einer lunisolaren Theorie. Sie versteht die Unsterblichen als Emanationen der Gestirne. Den Menschen bietet sie Ratschläge und Orientierungshilfen entsprechend den Konstellationen der 28 Häuser. Im Mittelpunkt stehen dabei immer Geld, Feinde, die es zu besiegen gilt, Reisen und Hochzeiten. Ausgehend vom Geburtszeitpunkt erstellt man einem Kind ein Horoskop, um seine Chancen im zukünftigen Leben zu beurteilen. Fällt es ungünstig aus, kann es sein, dass die Familie das Kind aussetzt. Die Geburt wird erst nach einem Monat gefeiert. Dem Kind wird der Schädel rasiert, und es erhält Schutzamulette aus Jade zum Geschenk. Man legt ihm verschiedene Gegenstände zu Füßen. Ergreift es den Pinsel, wird es ein Gelehrter. Im Alter von zwanzig Jahren erhält es einen Gesellschaftsnamen und damit das Recht zu heiraten. Für die Wahl der richtigen Partnerin zieht man einen Astrologen zu Rate. „Um die Hand anhalten“ ist im Chinesischen gleichbedeutend mit „Das Ming Shu ermitteln“. Die Verlobten sehen sich am Tag der Eheschließung zum ersten Mal. Erweisen sich ihre Horoskope als miteinander unvereinbar, trennt man sich ohne jede Bitterkeit.
Zu jedem Neujahrstag kommen über eine Million Almanache in den Handel, die den Chinesen Ratschläge für die alltäglichen Verrichtungen des kommenden Jahres geben. Diese reichen vom richtigen Zeitpunkt für Reparaturen am Haus bis hin zu den günstigen Tagen für eine Beerdigung, von der bestgeeigneten Zeit für einen Haarschnitt bis zum idealen Moment für das Geschirrspülen. Und man glaube ja nicht, dass diese Anweisungen nicht ernst genommen würden!

Geomantie
Die chinesische Geomantie, auch als Feng Shui („der Weg des Windes und des Wassers“) bekannt, leitet sich direkt vom System der Zahlensymbolik ab und ist die taoistische Wissenschaft vom Leben in Harmonie mit der Umgebung und den Himmelskräften. Praktisch jeder in China nimmt die Dienste eines Feng Shui-Beraters in Anspruch. Er sorgt für das Wohlbefinden, indem er die Kräfte der Natur lenkt und sie nötigenfalls entsprechend dem im Buch der Wandlungen beschriebenen Yin-Yang-Prinzip ausgleicht. Das Qi (auch Chi), die elementare Lebensenergie, unterliegt zyklischen Schwankungen; nichts existiert ohne sein Gegenteil (voll – leer). Hieraus ergibt sich die Vorstellung von den miteinander in Wechselwirkung stehenden Kräften Yin und Yang. Den permanenten Zustand von Veränderung und Gleichgewicht dieser Kräfte bezeichnet man als Tao (Weg). Das weibliche Prinzip Yin hat seine Entsprechungen in der Erde, dem Norden, der Kälte, der Schattenseite der Berge, dem Inneren und dem Feuchten; das Yang als männliches Prinzip korrespondiert mit Licht, Trockenheit und dem Äußeren.
Der Geomantiker ist Astrologe, Orakeldeuter und Meister in der Auslegung des Li Shu (Buch der Riten). Die Ermittlung des geeigneten Standortes für ein Hauses in einem Dorf nimmt mehrere Tage in Anspruch. Soll es außerhalb des Dorfes gebaut werden, dauert es noch länger. Der Feng Shui-Meister legt auch den richtigen Ort für die Gründung einer Stadt fest. Um die Kräfte in ein harmonisches Gleichgewicht zu bringen, erhöht er beispielsweise die Yin-Energie durch Anlegen eines künstlichen Sees, wenn der Ort zu viel Yang hat, oder er pflanzt Bäume zum Schutz gegen den Nordwind oder lässt eine Steinmauer errichten. Pagoden werden häufig an den ungünstigsten Stellen errichtet, um schlechte Einflüsse abzuwehren. Der Luo Pan, ein geomantische Kompass, ist ein äußerst kompliziertes Instrument, dessen Handhabung vom Feng Shui-Meister großes astronomisches und astrologisches Wissen verlangt. Zur Schaffung der Harmonie zwischen Mensch und Natur stützt er sich also auf die Beobachtung der Gegebenheiten des Ortes, der Himmelsrichtungen und des Wassers. Ist aber schon ungewollt Schaden angerichtet worden, so wird er vielleicht ein Fenster anbringen lassen, andere Farben verwenden oder die Inneneinrichtung des Hauses verändern. In jedem einzelnen Fall ist es an ihm, die richtige Lösung sowohl für die Lebenden als auch für die Verstorbenen zu finden. Gewöhnlich richtet man Häuser in China nach Süden aus. Nach Norden haben diese so gut wie nie Öffnungen. Die nordwestliche Himmelsrichtung gilt als die günstigste, daher befindet sich hier meist die Küche, während der Südwesten als ungünstigste Himmelsrichtung den Toiletten vorbehalten bleibt.
Physiognomonie, Chiromantie und die Bagua-Methode („Windrose“) sind weitere Hilfsmittel der taoistischen Deutungskunst. Daneben wird auch als einfache Methode das Werfen einer Münze praktiziert: Kopf bedeutet Glück, Zahl bedeutet Unglück; zweimal Kopf, einmal Zahl: wenig Glück; zweimal Zahl, einmal Kopf: Verlust. Wer denkt schon im Westen an solche Implikationen, wenn er dieses Spiel spielt!

Erstellt: 24-09-07
Letzte Änderung: 24-09-07