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Das ARTE Magazin - 21/08/08

ABBA-MANIE

SUMMER OF THE 70s


ABBA – SUPER TROUPERS
Dienstag • 19. August • 21.00
ARTE DOKUMENTATION

Ein ABBA-Musical, ein ABBA-Museum und jetzt sogar ein ABBA-Film: Die Popularität der vier Schweden ist auch 26 Jahre nach ihrer Trennung ungebrochen. Über eine einzigartige Erfolgsmarke.

Silberne Plateaustiefel und Glitzerkostüme, ein Dirigent im Napoleon-Outfit und der mitreißende Song „Waterloo“ schlugen ein wie eine Granate. Der unver-gessliche Auftritt von Agnetha Fältskog, Björn Ulvaeus, Benny Andersson und Anni-Frid Lyngstad beim Schlager-Grand Prix 1974 im britischen Brighton gilt seither als Urknall der beispiellosen Karriere von ABBA. In nur zwei Minuten und 46 Sekunden eroberten sie Millionen Fernsehzuschauer. Der Song erreichte die Spitzen der europäischen Hitparaden und die Top Ten der US-Billboard-Charts. Von da an führten ABBA im Laufe ihrer Karriere in 140 Ländern die Charts an.

Was wie ein Märchen klingt, war dabei weit mehr als eine zufällige Symbiose aus Glück, Talent und dem richtigen Zeitpunkt. Mit ihrem unverwechselbaren Sound, der Pärchenkonstellation und nicht zuletzt dem fantasievollen Look trafen ABBA genau den Zeitgeist der 70er. Die stundenlangen Fotosessions in „befremdlichen Outfits“ konnten laut Björn Ulvaeus zwar „nervig“ sein, waren aber für das Image der vier überaus wichtig. ABBA war schon damals klar: Das Auge hört mit! Die extravagante Optik allein machte das Phänomen ABBA jedoch noch nicht aus. Die vier Schweden waren zudem stets Vorreiter neuer Medientrends und produzierten als eine der ersten Popgruppen Musikvideos: Weil sie die vielen Anfragen von TV-Shows aus aller Welt nicht mehr bewältigen konnten, ihre Platten aber trotzdem vermarkten wollten, wurden Videoclips verschickt und damit eine weltweite Medienpräsenz erzeugt. 1982 läuteten ABBA gar ein neues Medien-Zeitalter ein, als sie mit „The Visitors“ die erste Audio-CD veröffentlichten.

Ein gewaltiger Anteil am Erfolg von ABBA ist zweifelsohne ihrem Manager Stig Anderson zuzuschreiben. Schon früh hat er die Vermarktung von ABBA professionalisiert. Die Teilnahme am Grand Prix, die Outfits, die Tourneen, das Marketing – nichts wurde dem Zufall überlassen. Persönlich klapperte er sämtliche europäische Radiostationen und DJs ab, um sie mit Kassetten und Werbematerial zu versorgen. Mit solchen raffinierten Werbestrategien und einem weltweiten Merchandising führte Anderson das Unternehmen ABBA international zum Erfolg. Um gigantische Steuerzahlungen zu umgehen, investierten ABBA die Einnahmen in verschiedene Geschäftsfelder – von Immobilien bis hin zu Anteilen an ihrer Plattenfirma. Im Laufe der Jahre hatte Stig Anderson ein undurchschaubares Firmenimperium aufgebaut, das in den 1980ern nach Fehlspekulationen, Steuernachforderungen und nicht zuletzt durch Missmanagement zusammenbrach. Diese Krise sowie vertragliche Unstimmigkeiten führten Mitte der 80er Jahre zur Trennung der ABBA-Mitglieder von Anderson. Doch schon zuvor waren auch die Ehen der beiden Paare zerbrochen, und bereits Ende 1982 kündigte die Gruppe eine Pause an. Seitdem konnte sie selbst das Angebot eines Konzert-Impresarios von einer Milliarde US-Dollar nicht zu einer Reunion bewegen.

Nach der Auflösung konzentrierten sich Björn und Benny auf ihr Musical „Chess“, das jedoch als Bühnenfassung am Broadway floppte. Auch die Solo-Alben von Agnetha und Frida konnten nicht an die ABBA-Erfolge anknüpfen. Um die einstigen Superstars wurde es still. Erst Anfang der 90er wurden ABBA wiederentdeckt: Zahlreiche Cover-Versionen eroberten die Charts. Rockmusiker wie Bono von U2 oder Pete Townsend von The Who outeten sich als Fans. Und das 1992 veröffentlichte Best-of-Album „ABBA GOLD“ avancierte zu einer der bestverkauften CDs aller Zeiten.

Am 6. April 1999 – genau 25 Jahre nach ihrem Grand Prix-Sieg – feierten ABBA mit „Mamma Mia!“, einem Musical, das sich aus ABBA-Songs zusammensetzt, ein grandioses Comeback. Seit der Premiere in London sahen es rund 30 Millionen Zuschauer weltweit in über 170 Städten. Damit ist „Mamma Mia!“ die erfolgreichste Bühnenshow der Welt.

Und ein Ende der ABBA-Manie ist nicht abzusehen: Seit Juli 2008 läuft „Mamma Mia! Der Film“ im Kino und pünktlich zum 35-jährigen „Waterloo“-Jubiläum eröffnet im Juni 2009 in Stockholm ein ABBA-Museum. ABBA ist und bleibt ein zeitloses Phänomen.

ARTE-GASTAUTORIN SABINE THOMAS IST MUSIKREDAKTEURIN UND AUTORIN DES BILDBANDES „ABBA“


ARTE PLUS

STIG ANDERSON: Der ABBA-Manager (1931-1997) gründet nach kleinen Erfolgen mit seinem ersten Label Sweden Music 1963 die Polar Record Company und nimmt die Hootenanny Singers unter Vertrag, denen Björn Ulvaeus angehört – der Grundstein für ABBA, für die Anderson zunächst einige Hits komponiert, bevor er sich ganz ihrem Management verschreibt. 1990 verkauft er die Firma samt Lizenzrechten an Polygram.

BUCHTIPP: Wolfgang „Bubi“ Heilemann & Sabine Thomas: ABBA. Fotografien 1974-1980, Schwarzkopf & Schwarzkopf 2004

LINK: www.arte.tv/summer

Erstellt: 21-08-08
Letzte Änderung: 21-08-08