Darsteller: Woody Harrelson, Tommy Lee Jones, Garrison Keillor, Kevin Kline, Virginia Madsen, John C. Reilly, Meryl Streep, Lil y Tomlin
Synopsis: Basierend auf der in Amerika und im Ausland beliebten Radioshow „A Prarie Home Companion“ erzählen Altman und Radioshow-Gründer Garrison Keillor von einer fiktiven lokalen Live-Radioshow, deren Mitglieder eines Abends erfahren, dass sie am heutigen Abend zum letzten Mal auftreten sollen. Doch ein Engel (Virginia Madsen) kommt ihnen zu Hilfe.
Biografie: Geboren am 20.2.1925 in Kansas City, Missouri. Drehte Werbe- sowie Industriefilme und nach einem ersten Spielfilm. 1957-65 zahlreiche Folgen für TV-Serien. 1963 Gründung der Produktion „Lions Gate“, Entwicklung eines 8-Spur-Tonsystems. 1970 internationaler Erfolg mit der vielprämierten Kriegssatire M*A*S*H*. Berühmt vor allem für seine Gesellschaftsporträts (NASHVILLE, SHORT CUTS, PRET-A-PORTER). 2002 Goldener Bär für das Lebenswerk. 2006 Ehren-Oscar.Kritik: Der eigentliche Star von „A Prarie Home Companion“ ist nicht der mittlerweile 81-jährige Regie-Veteran Robert Altman, sondern ein Mann aus dem Mittleren Westen: Garrison Keillor, Autor von Essays, Kurzgeschichten und Romanen und Moderator der von ihm 1974 erfundenen gleichnamigen Liveshow, die 1980 erstmals im Radio ausgestrahlt wurde und Woche für Woche allein in den USA 4 Millionen treue Hörer hat. Garrison Keillor – er spielt im Film sich selbst, den Frontman der Show – sieht ein bisschen aus wie David Letterman, nur dass er größer ist, seine Tränensäcke unter den Augen ausladender und seine Brille altmodischer. Garrison Keillor verkörpert nicht nur die Tugenden des Mittleren Westens – distanzierte Höflichkeit, guter Wille und schlichter, bodenständiger Humor – er steht bei Altman auch für ein anderes, „sein“ Amerika, in dem der Humor, die Menschlichkeit und die Improvisations- und Erfindungsgabe seiner Landsleute größer geschrieben werden, als die unselige Kombination aus missionarischem Puritanismus und Kapitalismus à la George Bush.
Von diesen eigenwilligen, schrulligen und liebenswerten amerikanischen Provinzkünstlern tummelt sich in „A Prairie Home Companion“ gleich eine ganze Horde. Da ist zunächst mal Guy Noir – eigentlich eine Sketchfigur aus der wirklichen Show, im Film aber der von Kevin Kline gespielte Sicherheitschef des Theaters. Dieser Guy Noir mimt den coolen, wenn auch arbeitslosen Film-Noir-Privatdetektiv und Weiberhelden, doch dafür ist er viel zu langsam im Kopf und zu tollpatschig. Kevin Kline spielt ihn ganz in der Tradition von ‚Pink Panther’ Peter Sellers und sorgt mit seinem reduziert-dämlichen Spiel für gewaltige Lachsalven. Aber Altmans Film besteht nicht nur aus Sketchen, sondern vor allem aus Musik. Zur hervorragenden musikalischen Begleitung durch Keillors Hausband singen Meryl Streep und Lily Tomlin als tingelnde Musik-Schwestern Folk-Klassiker, John C. Reilly und Woody Harrelson Countryballaden oder der Chef selbst seine von ihm selbst vertonten fiktiven Werbespots, die mit wahnwitzigen Umschreibungen absurde Produkte wie etwa Isolierband oder Fleischkäse bewerben. Dennoch ist Altmans Film nicht nur eine Nummernrevue. Hinter den Kulissen erzählt er augenzwinkernd von den menschlichen Verwicklungen einer Truppe, die die längste Zeit ihres Berufslebens zusammen verbracht hat und nun erfährt, dass ihr Ensemble aufgrund finanzieller Unrentabilität geschlossen werden soll. Parallel erscheint eine in einen weißen Trenchcoat gewandete rätselhafte ‚Femme Fatale’, ein Engel, wie sich später herausstellt, die einst ein Fan der Show war und nun ein starkes Bedürfnis empfindet, unter den Menschen zu sein, die sie als Hörerin vor ihrem Tod geliebt hat. Kurz bevor im Theater für immer die Scheinwerfer ausgehen und der Mann mit der Axt aus Texas (Tommy Lee Jones als konservativer Republikaner) den Konkurs besiegelt, lässt Altmann seine Darstellerin Meryl Streep noch einmal über das Leben sinnieren: „Warum arbeiten wir so hart für die Dinge, die wir nicht wollen?“ Und: „Ohne die Summe meiner Erfahrungen, die guten wie die schlechten, wäre ich niemals derjenige, der ich geworden bin.“ Diese entspannte Haltung zu seinem Beruf, zum Geschichtenerzählen beweist Altmeister Altman auch bei der Inszenierung Radioshow. Ein eleganter Ensemblefilm, in dem Altman sich von der Improvisationsfreude und der Lebenslust seiner Mitwirkenden inspirieren lässt. Falls dies seiner letzter Film gewesen sein sollte – manch einer mag im Bühnentod eines der Ensemblemitglieder einen Fingerzeig sehen – dann wird „A Prairie Home Companion“ jedenfalls als einer von Altmans optimistischsten Filmen in die Analen der Filmgeschichte eingehen.
Martin Rosefeldt






per E-Mail verschicken
Der Mikrokosmos einer „live“ auftretenden Radioshow und das Beziehungswirrwarr seiner Mitwirkenden stellt Altmeister Robert Altman in seinem neuesten Ensemblefilm in den Mittelpunkt.
Facebook
Twitter
RSS

