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16/05/06

Homöopathie in Europa

Über kaum eine alternative Heilmethode wird so heftig gestritten wie über die Homöopathie, und doch findet sie immer mehr Anhänger. Während die Kritiker ihre Erfolge auf den Placeboeffekt zurückführen, hält sie mehr und mehr Einzug in Universitätskliniken und wird wissenschaftlich untersucht – mit überraschend positiven Ergebnissen.

Ärzte des Sozialmedizinischen Instituts der Berliner Charité führten zwei Jahre lang eine bundesweite Studie mit 500 Patienten und deren Ärzten durch. Das Resultat: Im Vergleich zur Schulmedizin schnitt die Homöopathie mindestens gleich gut ab, teils sogar besser. Bei über der Hälfte der Befragten besserten sich die Beschwerden durch die homöopathischen Mittel.

Insgesamt belegen über 60 % der bisher weltweit durchgeführten klinischen Studien, dass homöopathische Tropfen und Globuli besonders bei chronischen Erkrankungen helfen – unter anderem bei Allergien, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Kopfschmerzen und Hautkrankheiten wie Neurodermitis. Sogar bei Krebskranken konnten die Mediziner erste Erfolge erzielen. Zum Beispiel an der Homöopathischen Krebsklinik in Bad Imnau.

Homöopathie - Methode und Historie

Der Geburtstag von Samuel Hahnemann, dem Begründer der Homöopathie, jährt sich am 10. April bereits zum 250sten Mal, und noch heute arbeiten die klassischen Homöopathen streng nach den Vorgaben des Arztes und Apothekers aus dem 18ten Jahrhundert. Auch die homöopathischen Medikamente werden noch immer nach seinen Maximen produziert.
Hahnemann entwickelte die Methode, nachdem er schon während seines Medizinstudiums mit den etablierten Heilmethoden seiner Zeit unzufrieden war. Nach seinem Studienabschluss begann er zu forschen und formulierte schließlich nach einer Reihe von Selbstexperimenten und Versuchsreihen mit Probanden das bekannte Ähnlichkeitsprinzip: "Similia Similibus Currentur", Ähnliches mit Ähnlichem heilen. Anstatt eines "Gegenmittels" wird nach seiner Methode ein Mittel verordnet, das ein ähnliches Leiden hervorrufen kann wie das zu heilende. So sollen beispielsweise Ursubstanzen wie die Chinarinde in hochverdünnter Form gegen Fieber helfen.
Das Geheimnis der homöopathischen Heilung: Die Krankheitssymptome werden als Abwehrmechanismen gedeutet, die der Körper selbst mobilisiert, um mit einer Störung fertig zu werden. Der Homöopath will den Selbstheilungsprozess unterstützen, anstatt nur die Symptome zu bekämpfen.
Hahnemanns Experimente mit Chinarinde bildeten das Fundament der Homöopathie. In langen Versuchsreihen setzte er die Dosis seines Medikaments herunter, bis der Ausgangsstoff gegen Null ging. Je geringer die Dosis der Ausgangssubstanz, so Hahnemann, desto größer ihre heilende Wirkung. Die Ausgangsbasis vieler homöopathischer Medikamente sind somit die krankmachenden Substanzen selbst, sogar Gifte wie das der Tollkirsche, der Kreuzotter oder Arsen, jedoch in extrem stark verdünnten Konzentrationen, sogenannten Potenzen. Dabei ist das spätere Mittel so extrem stark verdünnt, dass nichts mehr von der Ausgangssubstanz nachzuweisen ist. Die verdünnte Lösung ist somit nicht mehr giftig, aber genau deshalb konnte auch kein Wissenschaftler in homöopathischen Lösungen und Milchzuckerkügelchen bisher auch nur ein wirksames Molekül finden. Kritiker meinen: Wo nichts ist, kann auch nichts wirken.


Homöopathie an der Münchner Universitäts-Kinderklinik
Trotzdem schwören immer mehr Ärzte und Patienten auf die alternative Heilmethode. So auch Sigrid Kruse, homöopathische Ärztin an der Universitäts-Kinderklinik München. Vor zehn Jahren startete sie hier ein Modellprojekt zur Homöopathie. – Für Eltern, Kinder und Ärzte zunächst ein Experiment – doch in den letzten Jahren ließen sich viele darauf ein. Sogar in besonders ernsten Notfällen - auf der Intensivstation der Kinderklinik - arbeitet das Krankenhaus inzwischen komplementär mit beiden Methoden. Schulmedizin und Homöopathie schließen sich nicht aus, sondern ergänzen sich.

Homöopathie in Europa
Derzeit ist die Homöopathie die beliebteste Alternativtherapie in Deutschland – noch vor der Akupunktur, dabei werden die Kosten der Behandlung hier meist nur von privaten Krankenkassen übernommen. 4500 deutsche Mediziner haben sich zu Homöopathen ausbilden lassen, doch auch in anderen europäischen Ländern wächst die Verbreitung der sanften Heilmethode. In Großbritannien übernimmt die öffentliche Gesundheitsversorgung 100 % der Kosten, dort gibt es inzwischen fünf auf Homöopathie spezialisierte Kliniken, in Frankreich hat sich seit Jahrzehnten mit der sogenannten "homéopathie clinique" ein eigener Zweig der Homöopathie entwickelt. Lange Zeit wurden in Frankreich 85 % der Arzneikosten erstattet, Anfang vergangenen Jahres wurde der Satz allerdings auf 35 % gesenkt. Belgische Patienten bekommen zwischen 25 und 100% der Kosten erstattet, abhängig von der Wahl ihrer Krankenkasse.
Unabhängig davon ist allen Ländern das ausführliche Anamnesegespräch ein zentraler und unverzichtbarer Bestandteil der Homöopathie. Meist erhebt der Homöopath bis zu zwei Stunden lang eine sehr zeitaufwendige Anamnese, bei der es nicht nur um die Beschwerden, sondern um das Individuum als Ganzes geht. So erklärt sich, dass zwei Menschen mit der gleichen schulmedizinischen Diagnose trotzdem oft unterschiedlich behandelt werden.
Im Gegensatz zu Frankreich/Belgien dürfen z.B. in England und Deutschland auch "Nicht-Ärzte" homöopathisch behandeln. In Deutschland waren es die Heilpraktiker, die über lange Zeit alleine dafür sorgten, dass die Methoden der Homöopathie nicht in Vergessenheit gerieten.

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HIPPOKRATES - Gesundheitsmagazin
Dienstag, 23. Mai um 14.00 Uhr

Wiederholung vom 12. April 2005
Redaktion: Heidemarie Petters Koproduktion ZDF -ARTE G.E.I.E.

Erstellt: 11-04-05
Letzte Änderung: 16-05-06