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27.02.05 UM 19.00 UHR - 11/08/08

Richard Strauss: Salome

Dresden live 2005


Seit ihrer Uraufführung vor hundert Jahren an der Dresdner Hofoper gehört die Oper "Salome" von Richard Strauss zu den Publikumsfavoriten der großen Opernhäuser in aller Welt. Anlässlich dieses Jubiläums überträgt ARTE die aktuelle Premiere von "Salome" live aus der Semperoper Dresden. Der musikalische Leiter der Inszenierung von Peter Mussbach ist der Star-Dirigent Kent Nagano. ARTE zeigt diese Sendung innerhalb eines Programmschwerpunktes im Gedenken an die Zerstörung Dresdens vor 60 Jahren.

"Es tut mir leid, dass Strauss diese 'Salome' komponiert hat, ich habe ihn sonst sehr gern, aber er wird sich damit furchtbar schaden", befand Wilhelm II. nach der Uraufführung der Oper an der Dresdner Hofoper am 9. Dezember 1905. Wenn das Schlagwort "Skandalerfolg" auf ein Werk zutrifft, dann auf die "Salome". Allein das Libretto nach dem gleichnamigen Stück von Oscar Wilde war zu Beginn des letzten Jahrhunderts nicht nur im wilhelminischen Deutschland eine Provokation: Salome, Stieftochter des Herodes, verzehrt sich im Verlangen nach dem Propheten Jochanaan, der im Kerker des Schlosses gefangen gehalten wird. Als Jochanaan auf ihre Verführungsversuche nicht reagiert, rächt sich Salome: Sie tanzt für Herodes den Tanz der Sieben Schleier und fordert als Lohn den Kopf Jochanaans auf einem silbernen Tablett. Der Wunsch wird ihr gewährt, nun kann sie ihr Verlangen stillen und den Mund des Propheten küssen. Eine Version der begehrenden und zerstörenden Liebe, die - nach Wilde - größer ist als das Geheimnis des Todes.
Strauss verwendet für diese Oper ein Orchester von über hundert Mann. Stärker jedoch als die Orchestermassen treten die äußerst nuancierten Klangfarben hervor. Sie schaffen auf faszinierende Weise eine exotische Atmosphäre, ohne in billige Orientalismen abzugleiten. Über allem jedoch steht die subtile Charakterzeichnung: In dieser Oper gibt es kein Gut und Böse - Salome ist nicht nur Zerstörerin, sondern auch Getriebene und unglücklich Liebende.
Kein Wunder, dass dieser Opernstoff als Angriff auf die Moral gesehen wurde und bald in aller Munde war. Die Kritiker verrissen das Werk einhellig. Wer es jedoch liebte, war das Publikum, und das trotz der musikalisch anspruchsvollen Passagen. Also rissen sich die Opernhäuser der Welt um das "Skandalstück", und Strauss trug keinen Schaden davon, wie der Kaiser befürchtete, sondern konnte mit den Tantiemen den Bau seiner Villa in Garmisch finanzieren.
Zum hundersten Mal jährt sich 2005 die Uraufführung der Oper "Salome" von Richard Strauss in Dresden. Anlass für die Dresdner Semperoper, dieses Werk in einer neuen Inszenierung von Peter Mussbach dem Publikum zu präsentieren. Mussbach setzt die Oper als Kammerstück um, in der jeder Figur eine bestimmte Rolle zukommt: Salome, die erotisch-laszive Kindfrau, symbolisiert das Neue, das Anderssein mit anderen Werten und anderem Verhalten; Jochanaan ist der Katalysator, der den Umwälzungsprozess in Gang bringt; Herodes begreift zwar innerlich diese Entwicklung, bleibt aber nach Außen hin bewusst dem Alten verhaftet. Peter Mussbach sieht in der Oper durchaus aktuelle Bezüge zur heutigen Zeit, die ebenfalls eine Zeit der gesellschaftlichen Umbrüche ist, die zur Auseinandersetzung mit anderen Kulturen auffordert, zur Toleranz und zur Orientierung an neuen Werten.

Die Titelpartie der "Salome" wird von der Sopranistin Evelyn Herlitzius gesungen, die seit 1997 ein festes Engagement an der Dresdner Semperoper hat. Die vor allem als Wagner-Interpretin bekannte Herlitzius gab ihr Operndebüt 1993 als Elisabeth in Wagners "Tannhäuser" am Landestheater Flensburg. Seitdem hat sie sowohl das Publikum, als auch die Kritiker auf zahlreichen deutschsprachigen Opernbühnen überzeugt, unter anderem in den Rollen der Leonore ("Fidelio"), Kundry ("Parsifal"), Sieglinde/ Brünnhilde ("Ring"), Ortrud ("Lohengrin") und Salome. Mit der Brünnhilde des "Ring"-Zyklusses erhielt sie 2002 schließlich Einzug in den Olymp der Opernwelt, ins Festspielhaus von Bayreuth, wo sie 2003 und 2004 diese Partie ebenfalls mit großem Erfolg sang. 1999 erhielt Evelyn Herlitzius den Christel-Goltz-Preis der Stiftung zur Förderung der Semperoper und wurde 2002 durch den Staatsminister für Wissenschaft und Kunst des Landes Sachsen zur Kammersängerin ernannt.

In der Rolle des Herodes ist Wolfgang Schmidt (Tenor) zu sehen, der seit 1992 Mitglied der Bayreuther Festspiele ist.
Die Tschechin Dagmar Peckova (Mezzosopran) ist als Herodias besetzt. Der aus New York stammende Bariton Alan Titus singt den Jochanaan. Die Sächsische Staatskapelle Dresden spielt unter der Leitung von Kent Nagano.


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Sonntag, den 27.Februar 2005 um 19.00 Uhr
Richard Strauss: Salome

Dresden live 2005
Kostüme: Andrea Schmidt-Futterer; Ausstattung: Peter Mussbach; Fernsehregie: Georg Wübbolt;
Inszenierung: Peter Mussbach; Dirigent: Kent Nagano
Mit: Evelyne Herlitzius - (Salome), Wolfgang Schmidt - (Herodes), Dagmar Peckova - (Herodias),
Alan Titus - (Jochanaan), Martin Homrich - (Narraboth)
Oper, Deutschland 2005, MDR, Erstausstrahlung
110 Min.

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Erstellt: 11-02-05
Letzte Änderung: 11-08-08