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ARTE Journal - 05/11/12

US-Wahlsystem: Swing States und Wahlmänner

Er gilt als der mächtigste Mann der Welt: der Präsident der Vereinigten Staaten. Am 6. November werden die Amerikaner zur Präsidentschaftswahl an die Urnen gebeten. Aber: Sie geben ihrem Kandidaten nur indirekt ihre Stimme, indem sie ein Wahlmännergremium bestimmen. Dieses "electoral college" besteht aus 538 Wahlmännern, die anschließend stellvertretend für das Volk den Präsidenten wählen. Das führt dazu, dass letztlich die Wähler in einigen Staaten, den "Swing States", stärker umkämpft sind.

Die "Swing States" werden von den Präsidentschaftskandidaten besonders umworben (gelb). Die "Blue States" sind traditionell in demokratischer Hand, die "Red States" in republikanischer.

Bundesstaaten und ihre Wahlmänner
Wie viele Wahlmänner der jeweilige US-Bundesstaat entsendet, hängt von seiner Bevölkerungszahl ab. So stellen dünnbesiedelte Staaten wie Alaska oder Delaware nur drei Vertreter, das bevölkerungsstarke Kalifornien hat dagegen mit 55 erhebliches Gewicht. Um ins Weiße Haus einzuziehen, benötigt ein Kandidat eine Mehrheit von mindestens 270 Wahlmännern. Hierbei ist interessant, dass der Kandidat mit den meisten Stimmen am Ende alle Wahlmänner aus dem jeweiligen Bundesstaat zugesprochen bekommt ("The winner takes it all") . Und das, egal wie knapp die Mehrheit ausfällt. Andere Stimmen fallen dabei unter den Tisch, auch wenn sie einen beträchtlichen Teil ausmachen. Bis auf Nebraska und Maine gilt diese Regelung überall. George W. Bush gewann die Wahl im Jahr 2000 mit genau 271 dieser "electoral votes", Barack Obama konnte 2008 insgesamt 365 Stimmen sammeln.

Nicht immer nach dem Willen des Wählers
Wahlmänner sind Vertreter der Partei, die in ihrem Bundesstaat gewonnen hat. (Das können übrigens auch Frauen sein.) Mit dem Vertrauen der Bevölkerung ausgestattet, kommen die Wahlmänner am 17. Dezember in den Hauptstädten der 50 Bundesstaaten zusammen, um den Präsidenten zu wählen. Grundsätzlich ist jeder Wahlmann einem Kandidaten zugeordnet. Dennoch haben sie Entscheidungsfreiheit, was mitunter zu unvorhergesehenen Mehrheiten führen kann. So kann ein Präsident gekürt werden, der eigentlich landesweit in der Wählergunst unterlegen ist. Ausgezählt werden ihre Wahlzettel in einer Sitzung des Kongresses am 6. Januar. Falls keiner der beiden Kandidaten die erforderlichen 270 Wahlmänner-Stimmen erhält, entscheidet das Repräsentantenhaus mit einfacher Mehrheit darüber, welcher der Anwärter Präsident wird.

Swing States
Die Folge dieses Wahlsystems ist, dass es letztendlich meist nur auf wenige Bundesstaaten ankommt. Diese sogenannten "Swing States", in denen sich Mehrheiten für Demokraten und Republikaner traditionell abwechseln, sind hart umkämpft. Der Sieg hier kann wahlentscheidend sein. Eine klare Mehrheit für den republikanischen oder den demokratischen Kandidaten ist in diesen Schlüsselstaaten schwer vorauszusagen. Kritiker bemängeln immer wieder, dass den "Swing States" ein unverhältnismäßig großes Gewicht zukommt. Solche Staaten sind etwa Florida oder Nevada. Hier werden Dutzende Wahlhelfer eingesetzt, um die Bevölkerung auf ihren Kandidaten einzuschwören. Vor allem aber Ohio hat den Ruf, das Zünglein an der Waage zu sein: Abgesehen von John F. Kennedy musste seitdem jeder Kandidat, der Präsident werden wollte, in diesem Bundesstaat gewinnen.

Carolyn Höfchen/ARTE Journal

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Erstellt: 23-10-12
Letzte Änderung: 05-11-12