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Die Spurensucher

Jeder hat eine Familie – und jede Familie hat ihre Geheimnisse.

Die Spurensucher

01/09/08

7 Tipps zur Spurensuche

Familienforschung ist spannend, macht aber auch viel Arbeit. Entscheidend für den Erfolg einer Spurensuche sind daher nicht so sehr Fachwissen und ein schneller Computer, sondern vor allem eine wirklich starke Motivation. Einfach nur mal so zu schauen, von wem man denn abstammt, mag anfangs noch Spaß machen, doch sobald die Recherche etwas mühsamer wird, verlieren die meisten die Lust und lassen es bleiben. Schade.

Tipp 1: Nehmen Sie ein leeres Blatt Papier und einen Stift. Formulieren Sie die Motivation für Ihre persönliche Spurensuche und schreiben Sie auch Ihr bisheriges Wissen über Ihre Familie in Stichworten auf. Sie werden sehen: 43 Minuten reichen.


Die Motivation auf Spurensuche zu gehen ist bei jedem eine andere. Viele möchten verstehen, woher sie und ihre Familie kommen oder von wem wem sie bestimmte Talente, die Haarfarbe oder andere Eigenschaften geerbt haben könnten. Andere spüren, dass der Kontakt zur eigenen Herkunft ein Wurzelwerk bilden kann, das sie in schwierigen Lebensphasen hält. Und es könnte ja auch sein, dass in 500 Jahren einer unserer Nachfahren gerne wissen möchte, wer wir waren. Doch schon unsere Enkel werden glücklich über die Spurensuche sein, das ist sicher!
 

Tipp 2: Hören Sie sich in der Verwandtschaft um. "Lebende" Quellen werden vor "toten" Quellen befragt.
 
Lebende Verwandte sind ein klarer Vorteil! Ihr Wissen ist direkt abrufbar, ohne lange Recherchen, ohne Termine und Gebühren und nicht selten in überraschendem Umfang. Bevor Sie sich also mit irgendetwas anderem beschäftigen, gar Bücher oder Dokumente wälzen oder in die Archive steigen, sollten Sie noch lebende Familienmitglieder ausfindig machen und mit ihnen reden. Ein Besuch bei der Verwandtschaft muss dabei nicht zu einem Verhör werden, er kann auch das Interesse der anderen wecken und Sie gewinnen Mitstreiter.
 

Tipp 3: Fertigen Sie für jede Person ein Manuskript (= lat.: manu scriptum = 'von Hand geschriebenes') der gesammelten Informationen an. Je besser Sie Ihre Geschichte im Kopf haben, desto leichter fällt Ihnen später die Recherche. Und desto eher ergeben sich Querverbindungen, die Sie nie erwartet hätten.

Die Besuche sind gemacht und viele Verwandte haben gefragt, warum Sie sich bloß für das "alte Zeug" interessieren. Aber Ihre klare Motivation (siehe Tipp 1) hat alle überzeugt. Jetzt heißt es, Ordnung in das Ganze zu bringen. Am besten eignen sich in dieser Phase Karteikarten. Klingt altmodisch, aber Ihr neu gewonnenes Wissen gelangt so "durch die schreibende Hand in den Kopf" – und da bleibt es dann auch. Dauert länger, hält aber auch länger (wie jeder Spickzettelschreiber Ihnen bestätigen wird).
Jeder lebende Verwandte und jeder Vorfahre bekommt eine Karteikarte. Dort tragen Sie den vollen Namen, den Geburtstag, den Geburtsort und alle anderen vorhandenen Daten ein (Taufe, Hochzeit, Schulabschluss, Führerscheinprüfung, Arbeitsbeginn usw.). Ergänzt wird das Ganze durch Anekdoten und persönliche Erinnerungen, z.B.: Tante Maria sagt, dass Onkel Fritz jeden Morgen ein rohes Ei in Rotwein verquirlte und es in einem Zug austrank!
 

Tipp 4: Benehmen Sie sich in einem Archiv respektvoll den Akten, dem Personal und Ihren Kollegen gegenüber. Nehmen Sie sich Zeit, seien Sie pünktlich und lassen Sie Ihren Kugelschreiber draußen! 
 
Manche Karteikarten sind nach den Besuchen bei der Verwandtschaft schon voll, auf anderen stehen nur Fragezeichen. Wie geht es weiter? Der nächste Schritt ist der erste ins Archiv. Und die Archive, die uns am nächsten sind, sind die Pfarr- und Gemeindearchive. Um den individuellen Aufbau dieser Archive zu verstehen, braucht man eine erste Hilfe. Am besten fragen Sie in der Pfarr- und Gemeindeverwaltung nach geeigneten Ansprechpartnern. Der Rest ist dann die eigene Arbeit, die übrigens sehr lange dauern kann. Oft scheint es kein Ergebnis zu geben, doch auch das ist Teil einer Spurensuche. So dringt man allmählich tiefer in die Geschichte vor, geht von den Pfarrarchiven bis zu den Landesarchiven und Spezialarchiven. Dabei sollte man sich mit den Gebräuchen eines jeden Archivs zuvor vertraut machen.
 

Tipp 5: Lassen Sie sich nicht verwirren. Machen Sie eine Ahnentafel, denn einen Stammbaum von sich können Sie erst erstellen, wenn Sie selbst schon viele Nachfahren haben. 
 
Nachdem alle Archive durchforscht sind, geht es an die Feinarbeit. Hierzu eignet sich der Computer am besten, für den es mittlerweile zahlreiche sehr brauchbare genealogische Programme gibt.
An diesem Punkt denken die meisten sogleich an einen "Stammbaum", doch das ist richtig gesehen falsch. Ein Stammbaum ist nämlich eigentlich – wissenschaftlich gesehen – eine Nachfahrentafel, die sich meist nur auf die namentragenden Männer beschränkt und die von einem weit entfernten Vorfahren abgeleitet wird. Wollen Sie jedoch alle Ihre Vorfahren dokumentieren, dann müssen Sie eine Ahnentafel erstellen, welche die weibliche (= kognatische) und männliche (= agnatische) Vorfahrenlinie umfasst.
Anders ausgedrückt: In der Ahnentafel stehen Sie unten allein und die Vorfahren verzweigen sich nach oben – wie ein "Vorfahren-Trichter" über viele Generationen, der schließlich bei Ihnen mündet. Sieht aus wie ein Stammbaum, ist aber eben keiner.
In der Nachfahrentafel steht der namengebende Ahne oben und es verzweigt sich nach unten, wo man sich selbst dann neben vielen anderen wiederfindet. Ist ein Stammbaum, sieht aber nicht so aus.
 

Tipp 6: Ihre Ahnentafel ist in dieser Phase wie ein Skelett. Bringen Sie „Fleisch auf die Knochen“ indem Sie Ihre Vorfahren in die historischen Zusammenhänge einbetten.
 
Die Ahnentafel ist erstellt und ausgedruckt. Ihre Spurensuche hat ein sichtbares Ergebnis. Was geschieht nun damit? Das Vergangene ist vergangen und Geschichte ist nur eine Interpretation unserer Vergangenheit. Nehmen Sie nun die "große Geschichte" und fügen Sie sie mit Ihren Vorfahren zusammen zu einer neuen Geschichte. Welche "berühmten" Menschen wurden z.B. am selben Tag geboren wie einer Ihrer Vorfahren? Da über diese Menschen oft Biographien vorliegen, erfahren Sie bei der Lektüre dieser Lebensläufe viel über die Zeitumstände. Ergänzen Sie das Bild durch die Alltagsgeschichte, indem Sie einfache Fragen stellen: Was hat Ihr Vorfahre eigentlich gegessen? Wie hat er geschlafen? Welche Räume seines Hauses waren beheizt? Hatte er überhaupt eins? Wie sah es mit der Hygiene aus? Was kann er von der Welt gewusst haben?
 

Tipp 7: Machen Sie ein Fest. Laden Sie Freunde und Verwandte ein und erzählen Sie von den unzähligen Zufällen und Verwicklungen, die dazu geführt haben, dass Sie alle zusammen sitzen und feiern können. 
 
Inzwischen haben Sie eine Geschichte von sich und Ihrer Herkunft, die erzählbar ist und aus einem Mikrokosmos heraus den Blick auf das Ganze werfen kann. Sie sind ein Teil vom Ganzen und wie Sie das sind, das ist nun erzählbar. Am Besten gehen Sie nun wieder zu den Verwandten und erzählen Ihnen von Ihrer Forschung. Machen Sie einen Familienabend: Oma backt den Lieblingskuchen, der Vater stellt das Bier kalt und die junge Generation darf auf dem Computer in der Ahnentafel surfen. Wenn Ihre innere Motivation stark war, dann werden Sie viele Geschichten zu erzählen haben. Und neue Geschichten werden plötzlich zum Vorschein kommen, neue Fragen, die einer Antwort harren. Eine neue Spurensuche beginnt.

Erstellt: 25-06-07
Letzte Änderung: 01-09-08