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Dream - 15/10/12

Van Dyke Parks

Der Mann verschanzt sich am liebsten im Studio, möglichst hinter einem Orchester. Dabei hat er musikalisch so viel auf dem Kerbholz, dass er’s eigentlich auch allein machen könnte.

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Van Dyke Parks hat „The Bare Necessities“ für Disney’s Dschungelbuch-Soundtrack arrangiert und Calypso entdeckt, als das Ding der Stunde noch Punk hieß. Auch mit Ry Cooder, Randy Newman und the Byrds war er im Studio. Sprich: auf seiner Akte steht: Musiklegende. Heute steht alles, was etwas auf sich hält Schlange, um sich ihre Songs von ihm arrangieren zu lassen. Neulich rief sogar Skrillex an. Natürlich hat Van Dyke Parks angenommen. Und Skrillex hyperaktiven Bässen mit einem 63-köpfigen Orchester eins draufgesetzt.
 
 
Gerade widmet er sich wieder eigenen Songs, veröffentlicht neue Singles und seine drei wichtigsten Solo-Alben „Song Cycle“, „Discover America“ und „Clang of the Yankee Reaper“ erscheinen noch einmal. Deshalb muss er auch doch mal wieder selbst raus auf die Bühne. Natürlich nicht ohne Orchester. Aber weil gerade seine legendären Alben neu aufgelegt werden, kann auch er sich nicht mehr länger im Studio verstecken.
 
Van Dyke Parks
Ich arbeite praktisch immer an Musik. Lange habe ich nur für andere Leute arrangiert. Und ganz ehrlich: ich liebe das! Mir gefällt es, unsichtbar zu sein. Ich bin ein Betamännchen, das so tut als sei es ein Alphamännchen. Das ist für mich sehr aufregend. Aber eines steht fest: eigentlich bin ich teilnehmender Beobachter.
 
So kann man das natürlich auch sehen. Dabei war Van Dyke Parks schon immer mittendrin: In den 50ern, als Kinderstar in Hollywood, in den 60ern als Musiker in Kalifornien.
 
Van Dyke Parks
Ich spielte in einem Café an der Strandpromenade von Hermosa Beach in Los Angeles. Eine riesige Espressomachine pfiff, Dichter schrieben auf ihren Schreibmaschinen. Das Ende der Beat Ära! Kunstwerke zu verkaufen! Gedichte wurden verfasst! Musik von globaler und lokaler Bedeutung geschrieben. Mit 20 Backstage mit den Gospel Pearls Cocktails trinken, das war wie Sartres Paris. Eine tolle Zeit.
 
Sein erster Job als Arrangeur war der Hit aus dem Dschungelbuch. Auch wenn man es dem Song nicht anhört, für Van Dyke Parks steckt dahinter eine tragische Geschichte.
 
Van Dyke Parks
Mein zweitältester Bruder war Vize-Konsul in Frankfurt und starb ganz plötzlich. Er war offenbar in Spionage verwickelt. Wir durften noch nicht mal seine Leiche identifizieren – Das war furchtbar – Der Komponist des Dschungel Buch Soundtracks bot mir und meinem anderen Bruder einen Job an, weil er wusste, dass wir Geld für schwarze Anzüge und ein Flugticket zum Grab unseres Bruders brauchten. Wenn es denn überhaupt unser Bruder war. – Ich war Arrangeur, ging ins Studio, nahm The Bare Necessities auf, bekam einen Scheck. Darauf winkte mir Mickey Mouse zu. Ich ging zur Bank, kaufte das Flugticket und brachte meinen Bruder unter die Erde. Das war mein erster Job in diesem Gaunergeschäft.
 
In Los Angeles feilte damals gerade ein anderer ambitionierter junger Musiker an einer neuen Platte: Brian Wilson, Mastermind der Beach Boys. Er wollte endlich weg vom Bikini- und Surfbrett-Image – und lieber eine Experimental-Platte aufnehmen.
 
 
Dafür holte er sich Hilfe von Van Dyke Parks. Schließlich war der in kalifornischen Hipsterkreisen als Supertexter und genialer Arrangeur bekannt.Die beiden schrieben „Smile“. Das vielleicht legendärste Album der Beach Boys überhaupt. Denn es wurde nie fertig. Weil den anderen Beach Boys und ihrem Plattenlabel Brian Wilsons neuer Sound zu durchgeknallt war und Van Dyke Parks Texte zu bekifft.
 
Van Dyke Parks        
Ich stand den anderen nicht nahe genug. Ich musste meine Songtexte verteidigen. Ich verstand sie ja selbst nicht. Mike Love sagte eines Tages zu mir: Erklär mir das mal: “Over and over the crow cries / uncover the corn field”. Brian Wilson und ich waren auf einem amerikanischen Gothictrip. Ich sagte: Ich weiß selbst nicht, was das bedeutet. Es ist auch nicht wichtig. Schmeißt es einfach weg. 
 
Deshalb machte Van Dyke Parks lieber erstmal sein eigenes Ding. Und verarbeitete seine Hollywood-Erfahrungen in eigenen Songs.
Als Ex-Kinderstar kannte er das schon. Nur leider trafen die Songs über das Hollywoodgift mal wieder nicht so ganz den Massengeschmack.
 
Van Dyke Parks
Ich bekam auf die Platte die gleiche Reaktion, wie auf alle meine Platten. Von den Kritikern gefeiert, aber ohne jede Publikumsresonanz. Ich glaube, das lag daran, dass ich nie aufgetreten bin. Ich blieb lieber im Hintergrund. Denn Ruhm gegenüber war ich immer vorsichtig. Ich habe mit angesehen, was er mit Leuten macht, die nicht aufpassen. Ruhm ist ein Killer. Ich wußte das und wollte es vermeiden. Ich wollte lieber im Studio arbeiten.
 
Da fühlt er sich auch heute noch am wohlsten. Am liebsten verschanzt er sich hinter einem ganzen Orchester. Oder bittet Leute wie Daniel Rossen von Grizzly Bear oder Robin Pecknold von den Fleet Foxes zu sich auf die Bühne.
 
Van Dyke Parks: „Black Jack Davy“
(Van Dyke Parks & Daniel Rossen & Robin Pecknold & Britten Sinfonia @ the Barbican Centre London)
 
Sonst so komponiert selbst oder nimmt Auftragsarbeiten an. Zum Beispiel von jungen Kollegen wie Joanna Newsom, Silverchair oder Skrillex. Die rufen ihn an, weil er ihre Songs nicht auseinandernimmt, sondern das Orchester drauf antworten lässt. Und mit diesem Geheimrezept ist der Meister der Avantgarde heute mitten im Musikolymp angekommen.

Tracklist

Jump - Van Dyke Parks & Britten Sinfonia (Warner)  
The Bare Necessities - Terry Gilkyson / Van Dyke Parks (Walt Disney)   
I Get Around - The Beach Boys (EMI )  
Heroes and Villains - The Beach Boys  
The All Golden - Van Dyke Parks (Bella Union/Cooperative)
Palm Desert - Van Dyke Parks ( Bella Union/Cooperative)
Vine Street - Van Dyke Parks & Britten Sinfonia (Bella Union/Cooperative)
Black Jack Davy - Van Dyke Parks/Robin Pecknold/Daniel Rossen & Britten Sinfonia (traditional Folk Song/kein Label)

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Freitag 19. Oktober 2012 um 02.15 Uhr
Keine Wiederholungen
(Deutschland, 2012, 52mn)
BR

Erstellt: 02-10-12
Letzte Änderung: 15-10-12