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1968

1968 - ARTE geht auf die Barrikaden! Themen-Schwerpunkt

1968

Schwerpunkt 1968 - 23/02/09

68 Fragen an... Eine virtuelle Gesprächsrunde mit 8 Protagonisten

Die Videoinstallation „68 Fragen an... Eine virtuelle Gesprächsrunde mit 8 Protagonisten“ eröffnet die Ausstellung „Die 68er - Kurzer Sommer, lange Wirkung“ im Historischen Museum Frankfurt. Darin diskutieren acht Protagonisten der 68er über diese bewegte Zeit und deren Auswirkungen.


Erinnerungsstück
(Windows Media 1'04)

Die Protagonisten erzählen ihre Erlebnisse
Kurzer Sommer - lange Wirkung
(Windows Media 2'08)

© TORERO Film 2008


Die Ausstellung „Die 68er - Kurzer Sommer, lange Wirkung“ im Historischen Museum Frankfurt eröffnen acht Personen, die im „Roten Jahrzehnt“ 1967–1977 (Gerd Koenen) aktiv hervorgetreten sind und die in der Öffentlichkeit mit der 68er Bewegung in Verbindung gebracht werden: Silvia Bovenschen, Daniel Cohn-Bendit, Martin Dannecker, Gretchen Dutschke-Klotz, Beate Klarsfeld, Barbara Köster, Bahman Nirumand und KD Wolff treffen sich im Jahr 2008 zu einem virtuellen Gespräch in der Videoinstallation „68 Fragen an... Eine virtuelle Gesprächsrunde mit 8 Protagonisten“, tauschen überlegte sowie emotionale, ja hitzige Argumente aus und reflektieren die damaligen Ereignisse und deren aktuelle Auswirkungen.

Sie alle waren in unterschiedlichen Zusammenhängen mit der 68er Bewegung verbunden und repräsentieren die Breite der damaligen Aufbrüche. Im Zentrum steht die Polyphonie der Meinungen und der Lebenserinnerungen. Im Gesprächsfluss wird die vielschichtige Erinnerungskultur der 68er sichtbar, die keiner Mastererzählung folgt, keiner Einzelmeinung alleinige Autorität verleiht, sondern die lebendige Diskussion um 1968 ins Zentrum stellt. Jede Person stellt sein/ihr persönliches Erinnerungsobjekt an die Zeit um 68 vor. Die unterschiedlichen Gegenstände und Kontexte, aus denen sie stammen, geben Einblick in die Heterogenität der Aufbrüche und die vielschichtige Erinnerungskultur von ’68.

Einen Standard-Lebenslauf der 68er gibt es nicht. Unter ihnen sind HochschulprofessorInnen, Investmentbanker, Taxifahrer, EigenheimbesitzerInnen und Mieter von Hinterhofbuden, langjährig Verheiratete wie auch mehrfach Geschiedene. „Gerade wegen dieser Vielfalt der Entwicklungen kann sich ja jeder ‚die 68er’ heraussuchen, denen er dann wahlweise Verbohrtheit oder Angepasstheit bescheinigt, verkniffene Verzichtsmoral oder Konsumismus. Oder Theoretiker eines neuen Generationenstreits schieben ihnen die Schuld für alles in die Schuhe, was demografisch schief gelaufen sei: Reformverweigerung, den Verfall der Familie.“ (Christiane Grefe)


Informationen zu den ZeitzeugInnen

Silvia Bovenschen
* 1946
• Politisierung durch die Ostermarschbewegung
• Studium der deutschen Literaturwissenschaft, Soziologie und Philosophie in
Frankfurt/Main
• 1968 Eintritt in den SDS und Mitbegründerin des ersten Weiberrates, der von einigen
Frauen des SDS in Frankfurt ins Leben gerufen wurde, um sich gegen die
Marginalisierung der Frauen im SDS zu wehren.
• 1977 Promotion mit einer Arbeit über die imaginierte Weiblichkeit in der Literatur.
• Seitdem Tätigkeit als Essayistin und freie Schriftstellerin

Daniel Cohn-Bendit
* 1945 in Frankreich
• Aufgewachsen in Frankreich, ab 1958 Schulbesuch in Deutschland, danach Rückkehr
nach Frankreich und Studium der Soziologie in Nanterre, wo er 1968 einer der
prominentesten Sprecher der Pariser Mai-Revolution wurde
• Ausweisung aus Frankreich und Engagement in der APO in Frankfurt/Main
• Mitglied der Gruppe Revolutionärer Kampf und Agitation von Arbeitern
• Erzieher in einem antiautoritären Kinderladen der Universität Frankfurt
• 1984 Eintritt in die Partei Die Grünen
• 1989 Dezernent für multikulturelle Angelegenheiten Magistrat der Stadt Frankfurt
• 1994 Wahl ins Europäische Parlament
• 2002 dort Co-Präsident der Grünen-Fraktion

Martin Dannecker
* 1942
• 1966 Studium der Philosophie, Soziologie und Psychologie in Frankfurt/Main
• 1970/71 Mitarbeit bei dem Film „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die
Situation, in der er lebt“ von Rosa von Praunheim
• 1974 Publikation der Studie „Der gewöhnliche Homosexuelle“ gemeinsam mit dem
Psychoanalytiker Reimut Reiche
• 1977 Mitbegründer des Instituts für Sexualwissenschaften der Universität in
Frankfurt/Main, wo er mit dem Forschungsschwerpunkt männliche Homosexualität
bis 2005 tätig war
• Zusammen mit Gunter Schmidt und Volkmar Sigusch Herausgeber der Buchreihe
„Beiträge zur Sexualforschung“, Redakteur und Herausgeber der Zeitschrift für
Sexualforschung

Gretchen Dutschke-Klotz
* 1942 in den USA
• Aufgewachsen in den USA, Studium der Philosophie und Theologie in Illinois
• Seit 1965 Partnerschaft mit Rudi Dutschke, Übersiedelung nach Deutschland,
Studium der Theologie in Hamburg
• 1966 Heirat mit Rudi Dutschke
• Aktivistin im SDS und Engagement in der Frauenbewegung
• 1979 nach Rudi Dutschkes Tod Rückkehr in die USA
Palma3. Ausstellungen zu Geschichte, Kultur und Gesellschaft. 3


Beate Klarsfeld
* 1939
• 1963 Heirat mit Serge Klarsfeld, dessen Vater in Auschwitz der Judenverfolgung zum
Opfer gefallen war. Gemeinsame Aufdeckungen nationalsozialistischer Gewalttaten
und unbehelligt lebender Täter wie Kurt Lischka, Alois Brunner, Klaus Barbie, Ernst
Ehlers, Kurt Asche
• Öffentliche Aktionen zur Aufdeckung der NS-Vergangenheit des Bundeskanzlers Kurt
Georg Kiesinger, etwa 1968 ihre bekannt gewordene Ohrfeige am CDU-Parteitag.
• 1971 gemeinsam mit ihrem Mann Entführungsversuch Kurt Lischka, um ihn an die
französische Justiz auszuliefern. Er wurde 1979 verurteilt.
• Aufdeckung der Verstrickung des FDP-Politikers Ernst Achenbach in die
Deportationen von Juden. Verhinderungen seiner Entsendung als deutscher Vertreter
bei der Europäischen Gemeinschaft

Barbara Köster
* 1946
• 1967 als Soziologiestudentin aus München nach Frankfurt am Main gekommen
• 1968 Eintritt in den SDS
• 1968 Beteiligung an der Besetzung des Instituts für Soziologie und Mitglied des
ersten Weiberrates
• 1969 Beteiligung an der Besetzung des Instituts für Sozialforschung
• Ab 1970 beim Revolutionären Kampf ein Jahr bei Opel Rüsselsheim Arbeit am
Fließband
• 1973 Gründung einer Frauen-WG und Mitglied des Frauenzentrums Frankfurt, wo
sie auch in der Abtreibungsberatung tätig war
• 1975 Mitorganisation von Busreisen in holländische Abtreibungskliniken
• seit 1982 Mitarbeit in der Frankfurter Frauenschule

Bahman Nirumand
*1936 im Iran
• Abitur in Deutschland, Studium der Germanistik, Philosophie und Iranistik in
München, Tübingen und Berlin
• Danach Rückkehr in den Iran, Dozent für Vergleichende Literaturwissenschaft an der
Universität Teheran sowie Tätigkeit als Schriftsteller und Journalist. Verfolgung
durch das Schah-Regime
• 1965 Flucht nach Deutschland
• 1967 Publikation seines Buches „Persien, Modell eines Entwicklungslandes oder Die
Diktatur der Freien Welt“, das großen Einfluss auf den Internationalismus der
Studentenbewegung hatte.
• 1979 Rückkehr in den Iran, mehrmalige Exilaufenthalte in Deutschland und
Frankreich

KD Wolff
* 1943
• Jura-Studium in Marburg, Freiburg und Frankfurt/Main
• 1965–1967 im Studentenparlament und im AStA
• 1967/68 Erster Vorsitzender des SDS
• 1968/69 studentischer Senator der Universität Frankfurt
• 1969 Rundreise durch die USA auf Einladung der Students for a Democratic Society
• 1969 Mitbegründer des März-Verlages
• 1970 Gründung seines Verlags Roter Stern
• Gründung seines Stroemfeld Verlags in Basel (1979) und Frankfurt/Main (1984)


Eine Produktion der Torero Film GbR Berlin

Ein Projekt des Historischen Museums





Erstellt: 18-04-08
Letzte Änderung: 23-02-09