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Metropolis

Das Kulturmagazin auf ARTE - Sonntag ab 16.45 Uhr

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Metropolis

Das Kulturmagazin auf ARTE - Sonntag ab 16.45 Uhr

Metropolis

12/04/12

Aktuell: Das Deutsche Theater sieht weiß und/oder Schwarz?

Samstag, 14. April 2012, um 17.30 Uhr (WH am 16. 4. 2012 um 23.50 Uhr)


Schwarz geschminkte, weiße Schauspieler auf der Theaterbühne. Wie wirkt das "Blackfacing" auf das Publikum und auch auf schwarze Schauspieler?

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Nur weil etwas nicht rassistisch gemeint ist, ist es dann auch nicht rassistisch? Gibt es eigentlich genügend schwarze Schauspieler in der deutschen Theaterlandschaft?

Gerade ist eine große Debatte entfacht. Sie begann mit dem Stück „Ich bin nicht Rappaport“ mit Didi Hallervorden, das im Februar in dem Berliner Schlosspark Theater aufgeführt wurde, besetzt mit dem weißen Schauspieler Joachim Bliese, der mit angemalten Körper einen Schwarzen spielt.
Momentan wird die Diskussion fortgeführt durch eine Aktion der Organisation „Bühnenwatch“, die gerade am deutschen Theater durchgeführt wurde: als während dem Stück „Unschuld“ (inszeniert von Michael Thalheimer) zwei Schauspieler, im Gesicht schwarz bemalt und mit übertrieben rot geschminkten Lippen, an den Bühnenrand treten, stehen 42 Zuschauer auf und verlassen kommentarlos den Saal.
Nach dem Stück verteilen die Aktivisten Flyer an die ZuschauerInnen: „Wir – selbst Schauspieler_innen Regieführende, Dramaturg_innen und andere Theater- und Kulturschaffende (weiße UND Schwarze) sprechen uns eindeutig gegen die Verwendung von Blackface aus!“

Das sogenannte „Blackface“ hat kolonialhistorischen Hintergrund und war unter anderem eine rassistische Praxis in den „Minstrel Shows“ in den USA - und, wird offenbar immer noch praktiziert: 2012, in Deutschland. Viele finden das rassistisch.

Doch es gibt, abgesehen von den etablierten Bühnen, eine Off-Theater-Szene, die bei dieser Thematik schon weiter ist: das sogenannte postmigrantische Theater. „Postmigrantisch“ bezeichnet die Migranten der zweiten und dritten Generation, die den Migrationsprozess nicht selbst erfahren haben, sich in ihrem Alltag und ihren Lebensentwürfen aber damit auseinandersetzen. Zum Beispiel das Berliner „Ballhaus Naunynstraße“ unter der Leitung der bekannten Theatermacherin Shermin Langhoff.
Hier werden Stücke aufgeführt, die sich grundsätzlich mit Identitäten und Lebenswelten auseinandersetzen, die längst zur deutschen Realität gehören, aber größtenteils keine Repräsentationen auf den etablierten Bühnen finden. Ein weiteres Beispiel ist das gefeierte Berliner afro-deutsche Theaterensemble „Label Noir“. Ehrenamtlich reisen sie durch Deutschland, aktuell mit dem selbstgeschriebenen Stück „Heimat, bittersüße Heimat.“ Nur zwei Beispiele von vielen, die zeigen: so geht’s doch auch!

Metropolis begleitet das Ensemble von „Label Noir“ und fragt nach: wie lebt es sich als schwarze/r Schauspieler/in in Deutschland?

Links:
http://labelnoir.net
www.ballhausnaunynstrasse.de

Sehen Sie hier exklusiv auf der Metropolis-Website das ungekürzte Interview mit Ulrich Khuon, dem Intendanten des Deutschen Theaters in Berlin, u.a. zur Blackfacing Debatte:

Autor /-in: Magnus Rosengarten und Susanne Kappesser

Erstellt: 10-04-12
Letzte Änderung: 12-04-12