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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

> Sendung vom 01. April 2012 > der Look: Angela Merkel

Ein Magazin von Claire Doutriaux

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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Karambolage 264 - 01/04/12

der Look: Angela Merkel

Anne Willi ist eine deutsch-französische Mode-Designerin. 2005 wurde sie beauftragt, ein paar Kleidungsstücke für die frischgebackene Bundeskanzlerin zu entwerfen. Für Karambolage blättert sie in ihren Skizzen.

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Guten Tag, ich heiße Anne Willi, ich bin Modedesignerin. Mich kontaktierte 2005 das Büro von Angela Merkel.

Sie ist eine Frau, bei der Modefragen nicht leicht sind. Sie ist vom Körperbau her eine Spur mollig - kurzer Hals. Garderobe, das spielt bei Frau Merkel eine Nebenrolle.

Mir ist aufgefallen: Der Ausschnitt ihres Kragens ist häufig sehr eng und zwängt sie daher ein in diesen sehr bunten Jacken. Besser sind, finde ich, kältere Farbtöne, also blaue, wassergrüne und graue. Ich wollte auch diese starke Fixierung auf den Blazer durch Tuniken mit V-Ausschnitt lockern. Also das zweifarbige Teil betont viel schöner den Ausschnitt. Dieses will bewusst Ausgehkleid und komfortabel miteinander verbinden: Dieser Kragen ist zugleich ein Schal.

Sie trägt diesen Blazer mit Knöpfen, weil im obersten ein Mikrochip ist, über den sie ständig mit ihrem Sicherheitssystem in Kontakt steht. Ja, man hat mir einen Knopf als Modell geschickt. Der Chip ist darin versteckt. Ich habe nach anderen Lösungen gesucht: Zum Beispiel dieses Modell einer Umhängeuhr mit Mikrochip, die am Hals getragen werden kann, und womit sie ihre Sicherheit hätte und zudem die Zeit wüsste. Ich fand, dass sie damit besonders verlässlich aussah. Ihr hat es gefallen, aber ihr Pressedienst hatte Bedenken, da die Uhr zu sehr suggerieren würde, dass sie keine Zeit zu verlieren hat und so ...

Eine wichtige Sache, die mir auffiel, sind Frau Merkels feinen Hände - schön geformt, aktiv. Ich wollte auch besonders ihre Unterarme akzentuieren, weil die Ärmel hochkrempeln sagt ja, hier zirkuliert eine Menge Energie. Dieser Entwurf zum Beispiel ist ein Abendkleid mit dreiviertel Ärmeln und einem zweifarbigen Tuch, es hebt den Teint und lässt die Arme frei oder eine Tunika wie hier... Klar, das ist weit von dem entfernt, was sie für gewöhnlich anzieht, aber ich hab’s versucht... Oder Jacken, die ein wenig kürzer geschnitten sind.

Gefallen hatte mir auch so ein Modell mit sehr hoher Taille ein bisschen Farbe soll die Schultern, aber nur minimal, markieren. Dass sie von dem dreiknöpfigen Blazer mit eng geschnittenem Kragen plötzlich den Look ändert hin zum Décolleté, das ihren Nabel zeigt... Ich finde das nicht so gut.

Ich wurde gebeten auch zwei neue Mäntel zu gestalten. Was ich entwarf: Zunächst einen Mantel mit asymetrisch wirkenden Formen. Besonders dabei ist der Knopf – dieser mit Mikrosender – sitzt oben einfach auf der Schulter. Das ist, finde ich, eine sehr schöne, dynamisch flotte Farbe, die ihr ganz besonders steht und die Wolle ist echt super. Ich habe mir gedacht, dass es interessant sei, Pastellmotive vorzuziehen statt uni. Das ist jetzt nur mal ein Beispiel, wie ein Detail den Blick verändern kann.

Ich habe in Berlin eine Menge dieser "Robracks" dabei gehabt, das sind Musterkataloge der Stoffe. Es war interessant, die Stoffe, die anders aussehen, auch noch auszuprobieren, weil sie keinen dominanten Effekt haben. Oder ganz floral. Aber ich vermute, für sie waren sie zu ungewöhnlich.

Es war vermutlich der Wille da, etwas weiter zu bringen, was aber unmöglich war. Ich meine, dass man für ihr Image sehr vorsichtig agiert und alles blockt.

Bild: cd

Erstellt: 30-03-12
Letzte Änderung: 11-04-12


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