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Kino auf ARTE - 19/03/12

An ihrer Seite

(Away from her)
Spielfilm, Kanada, 2006, ARD, 105 Min.
Regie: Sarah Polley, Drehbuch: Sarah Polley, nach einer Kurzgeschichte von Alice Munro, Kamera: Sean Jensen, Kostüme: Debra Hanson, Musik: Jonathan Goldsmith, Schnitt: David Wharnsby, Produzent: Daniel Iron, Simone Urdl, Jennifer Weiss, Ton: Jane Tattersall
Mit: Julie Christie (Fiona), Gordon Pinsent (Grant), Olympia Dukakis (Marian), Michael Murphy (Aubrey), Wendy Crewson (Madeleine)

Als Fiona an Alzheimer erkrankt, muss Grant nach 44 Ehejahren hilflos mit ansehen, wie die geliebte Frau ins Unbewusste driftet und die Erinnerung an ihr bisheriges glückliches Leben verliert. Über den schmerzlichen Verlust hinaus muss er sich der Frage stellen, ob er seinen eigenen Lebensabend alleine oder in neuer Begleitung verbringen will.



Grant und Fiona sind seit 44 Jahren glücklich verheiratet. Die Seitensprünge mit seinen jungen Studentinnen hat Fiona dem früheren Uniprofessor inzwischen verziehen. Seit seiner Emeritierung lebt das kultivierte Paar harmonisch in einem idyllischen Haus am See. Mit stummem Amüsement beobachtet Grant, wie die vergessliche Fiona nonchalant die Bratpfanne in den Eisschrank räumt und sich mit Notizzetteln über den Alltag hilft.
Doch als sie nach einem Ausflug im Schnee völlig die Orientierung verliert, diagnostiziert der Arzt rasch die Alzheimer-Krankheit. Bevor die Lebensumstände daheim unerträglich werden, weist Fiona sich gegen den Willen ihres Mannes selbst in ein Pflegeheim ein. Gemäß den Regeln der Institution darf Grant seine Frau einen Monat lang nicht besuchen. Ein schwerer Schritt für das Paar, das nie länger als einen Tag voneinander getrennt war.
Als Grant seine Frau endlich wiedersieht, scheint sie sich nicht mehr an ihn zu erinnern. Schlimmer noch: Sie konzentriert ihre ganze Zuneigung auf den demenzkranken Aubrey. Dennoch besucht Grant seine Frau täglich und wird so zum fassungslosen Zaungast ihrer neuen Liebe. Doch als Aubrey von seiner Ehefrau Marian aus dem Pflegeheim geholt wird, stürzt Fiona in eine lebensbedrohliche Depression. Grant nimmt mit der handfesten Marian Kontakt auf.

Durch ihre komplexen Frauenrollen in "Das süße Jenseits" von Atom Egoyan und "Mein Leben ohne mich" von Isabel Coixet avancierte Sarah Polley zum stillen Star des Arthouse-Kinos. Das Regiedebüt der Kanadierin "An ihrer Seite", nach einer Kurzgeschichte von Alice Munro, die von Ehe und Liebe erzählt, in die Alzheimer einbricht, ist nicht minder brillant. Feinfühlig umschifft sie Klischees der Darstellung von Alter und Verfall, Liebe und Sex. Der 76-jährige Gordon Pinsent spielt den Ehemann und dessen Reaktionen auf die Veränderung der geliebten Frau mit zurückhaltender und doch leidenschaftlicher Souveränität. Vor allem aber ist der Film eine Hommage an die britische Filmschönheit und Oscarpreisträgerin Julie Christie, die als Fiona im Schatten ihrer Krankheit, noch Würde, Kraft und Sinnlichkeit ausstrahlt. So reflektiert der Film nicht nur in poetischen Bildern den Zerfall einer Persönlichkeit durch Alzheimer, sondern handelt auch von der Natur der Liebe, des Vergessens und Loslassens. Bei den Academy-Awards 2008 wurde der Film in zwei Kategorien nominiert: für die beste Hauptdarstellerin (Julie Christie) und für das beste adaptierte Drehbuch (Sarah Polley). Julie Christie wurde als Tochter eines Teeplantagenbetreibers im indischen Chabua geboren. Die Schauspielerin ist das It-Girl der Swinging Sixties. Bereits für ihre erste große Filmrolle in "Darling" von John Schlesinger gewinnt sie 1965 ihren ersten Oscar und wird über Nacht in den Filmhimmel katapultiert. Im selben Jahr spielt sie die Lara in David Leans Verfilmung von "Doktor Schiwago", eine Rolle, die sie zunächst ausgeschlagen hatte. Die schöne Blonde gilt zu jener Zeit als der Typus der emanzipierten und selbstbewussten jungen Frau, und sie lässt sich nicht vom Filmgeschäft vereinnahmen, sondern wählt schon damals ihre Rollen sehr gezielt aus. Zu ihren großen Filmen zählen François Truffauts "Fahrenheit 451" (1966), Robert Altmans "McCabe und Mrs. Miller" (1971) und Nicolas Roegs "Wenn die Gondeln Trauer tragen" (1973). In jener Zeit ist sie mit Warren Beatty liiert, mit dem sie in mehreren Filmen gemeinsam auftritt. Nach dem Erfolg von "Der Himmel soll warten" (1978) wird es ruhiger um Julie Christie, sie wirkt vor allem in amerikanischen Autorenfilmen mit. Erst in den 90er Jahren kehrt sie wieder zurück und bekommt für "Liebesflüstern" (1997) ihre zweite Oscarnominierung. Nach einigen weiteren Produktionen spielt sie 2004 gleich in drei Blockbustern mit, unter anderem in "Troja" und "Harry Potter und der Gefangene von Askaban". 2010 war sie im Episodenfilm "New York, I Love You" zu sehen.

An ihrer Seite
Freitag 30. März 2012 um 14.40 Uhr
Keine Wiederholungen
(Kanada, 2006, 105mn)
ARD

Erstellt: 19-03-12
Letzte Änderung: 19-03-12