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09/01/12

Evolvers - Die Chakra-Rebellen - Tracks

Eine Reportage von France Swimberge

Eine neue Spezies von US-Aktivisten, haben den Meditations-Flashmob erfunden: Om, die Yogis komm’n!

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Im Oktober 2011 besetzt die Occupy-Bewegung das Stadtzentrum von Los Angeles. Ausgehend von New York und der Besetzung der Wall Street protestieren die selbsternannten "99%" gegen das eine Prozent der Bevölkerung, das unter sich das Vermögen des Landes aufteilt.
Die Bewegung, die am 17. September im Big Apple startet, hat inzwischen 900 amerikanische Städte erfasst und fordert mehr soziale Gerechtigkeit.

Die Keimzelle des Protests ist ein harter Kern von Aktivisten mit einer neuen Geheimwaffe: der Meditation. Sie nennen sich "Evolvers", die "Entwickler".
Ihr Credo: Systemveränderung durch Bündelung der seelischen Schwingungen!

Der "Meditations-Mob" ist ein Flashmob der neuen Generation. Einmal täglich findet er vor dem Rathaus von Los Angeles statt.



Lihana: "Wir müssen uns nur alle darüber im Klaren sein, dass wir in einem Boot sitzen, dass jedes atmende Lebewesen auf diesem Planeten eine grundlegende Energie in sich trägt – eine Lebensenergie, die uns alle vereint."

Nur ein paar Meter vom Rathaus in L.A. entfernt, haben die Evolvers ihr Hauptquartier bezogen. Dieses Haus wird von 17 Erwachsenen und fünf Kindern bewohnt – und von einem "Geist".

Baza Novic ist einer der Begründer der Evolvers-Bewegung. Der 36-jährige Ex-Soldat der US Army entsorgt zuerst seine Uniform, entdeckt dann die Esoterik für sich und wird Heiler für Arme und Veteranen. Zusammen mit seiner Freundin Erin, die für eine pazifistische Nicht-Regierungs-Organisation tätig ist, hat Baza eine Website aufgebaut, auf der sich 100.000 Personen tummeln.


Sie heißt "Reality Sandwich", nach einem Gedichtband des Sechzigerjahre-Aktivisten Allen Ginsberg und mixt Meditation, Schamanismus und Psychedelik mit Ökologie und Ökonomie.

Spirituelle Ruhepausen, komplizierte theoretische Abhandlungen oder Clips von Yogi-Rappern: Den Evolvers ist jedes Mittel recht, um das Bewusstsein zu erweitern. Sie sagen: Wer die Welt verändern will, muss erst mal bei sich selbst anfangen.




In den 70er Jahren wird der Israeli Uri Geller ein Star, als er Metallgegenstände angeblich allein durch die Kraft seines Geistes verbiegt.

Etwas früher, zu Hippie-Zeiten, begibt sich Amerikas Jugend auf die Reise ins Innere – mit uralten Riten und psychotropen Substanzen. Die Psychedelik begleitet die Gegenkultur und ihren Papst Timothy Leary, Neuropsychologe und aktiver Verfechter von LSD.

Er befürwortet die wissenschaftliche Nutzung der Droge, um das Bewusstsein zu erweitern. Für ihn steht am Ende dieser Reise in die Tiefen des Gehirns die Freiheit.



In den Siebzigern beginnt nach den Russen auch die US Army mit geheimen Experimenten zur militärischen Nutzung psychischer Phänomene - wie der Telepathie, der Meditation oder der Einnahme von Drogen.

Diese Dokumente waren bis vor kurzem unter Verschluss. 2009 erzählt der Film "Männer, die auf Ziegen starren" mit Jeff Bridges und George Clooney die wahre Geschichte des "First Earth Battallion" von 1979, einem ultrageheimen Kommando, das mit seinen Geisteskräften experimentiert.

Meditation liegt voll im Trend: David Lynch, aber auch Russell Simmons, Moby oder die Ex-Beatles sind große Fans von Maharishi Mahesh Yogi, Begründer der Transzendentalen Meditation und Ex-Guru der vier Pilzköpfe.

Als eine Art Meister Yoda gründet David Lynch sogar eine Stiftung, um die Lehre dieser Glücksforschung durch Gedankenkraft zu fördern. Sechs Millionen Menschen weltweit sollen wie er die Transzendentale Meditation für sich entdeckt haben, trotz der Tatsache, dass diese Glaubensrichtung oft mit einer Sekte gleichgesetzt wird.

Der 35jährige Grafiker Echo Robertson, besitzt zwar keine übermenschlichen Kräfte, hat sich mit den Evolvers aber seinen Herzenstraum erfüllt: Er lebt die Utopie mitten in L.A. Nach einer Jugend in der Drogenszene erhält Echo die Erleuchtung, als er das Saftfasten für sich entdeckt – eine Ernährung mit Säften, die ausschließlich aus rohen Zutaten hergestellt werden.

Diese im Mixer zubereiteten vollständigen Mahlzeiten konsumiert er manchmal einen Monat am Stück. Als selbsternannter Apostel von Mixturen aller Art vertreibt Brother Echo seine Saftmischungen und seinen spirituellen Rat als fliegender Händler unter der schützenden Hand von Shiva, dem Hindu-Gott des Glücks. Für Echo ist die spirituelle Weiterentwicklung ein Lebensstil.


Kameraman: Marjory Dejardin

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Dienstag 10. Januar 2012 um 05.00 Uhr
Keine Wiederholungen
(Frankreich, 2012, 52mn)
ARTE F

Erstellt: 21-12-11
Letzte Änderung: 09-01-12