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Kino-News

Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Kinostart 09. September 2004 - 03/10/04

Kleinruppin Forever

Die Ostalgie ist immer noch nicht ganz vorbei...


Ein Film von Carsten Fiebeler
 
Synopsis: Bremen 1985. Der gutaussehende 19-jährige Popper Tim (Tobias Schenke) ist angehender Tennis-Profi. Er liebt sich und seinen Top-Spin und die coolen Mädchen lieben ihn. Bei einem Tagesausflug in die DDR trifft er durch Zufall auf seinen Zwillingsbruder Ronnie (ebenfalls Tobias Schenke). Ronnie schlägt ihn ohnmächtig und flüchtet an seiner Stelle in den Westen. Tim muss im Osten ausharren, und alles ist ganz schrecklich für ihn – bis er seine große Liebe trifft...
 
Kritik: Warum nur fragt man sich, taugt die deutsch-deutsche Vergangenheit fast immer nur für Komödien? Von denen manche besser sind, manche schlechter, aber die besseren haben wir wohl schon alle gesehen. SONNENALLEE von Leander Haussmann hatte irgendwie Charme und gute jugendliche Darsteller, GOOD BYE LENIN! von Wofgang Becker schaffte es als Überraschungserfolg international zu reüssieren. Aber eine weitere Komödie, die überdies extrem konstruiert wirkt, und bei der man jede Pointe schon vorher erahnt, das hätte es wirklich nicht gebraucht.
 
Regisseur Carsten Fiebeler – der selbst 1965 in Zwickau in der DDR geboren wurde – setzt in seiner Verwechslungskomödie ganz auf den Zwillingseffekt. Das wird schon nach wenigen Minuten langweilig, aber egal, bis zum Ende reitet er darauf herum. Dabei reduziert er sowohl den Osten als auch den Westen auf gängige Klischees. Für Tim etwa heißt Glück, das richtige Lacoste-Polo-Shirt zur richtigen Vespa zu fahren. Was auch nervt: Lacoste ist einer der Hauptsponsoren des Films, und so werden die 80er Jahre Westpopper alle auf Krokodilträger reduziert, als ob es da nicht noch ein paar andere Labels gegeben hätte ...
 
Aber damit nicht genug: eine verheißungsvolle lebensbejahende Botschaft will der Regisseur seinem jungen Zielpublikum auch noch mitgeben. Deshalb darf der coole, aber eben auch gefühlskalte Tim in der heimeligen, bierseligen Atmosphäre der DDR sich zum ersten Mal so richtig mit Gefühlen verlieben, in das Ostmädel Jana. Er entdeckt dann dabei natürlich, dass Lacoste, Vespa und Tennis nicht alles ist. Am Ende dieser ganzen miesen Geschichte überlegt er dann tatsächlich, ob er freiwillig zurück in den Sozialismus gehen soll, und sein Stipendium an der Tennis-Akademie in Miami dafür an den Nagel hängen soll. Wie er sich entscheidet wird hier der Fairness wegen selbstverständlich nicht verraten.
 
Der Regisseur meint dazu: „Der Film kann auch als Metapher gesehen werden: nicht Status und Geld sind letztlich unsere höchste Sehnsucht, sondern Freundschaft und Liebe. Im Westen geht es oft um kalte Dinge und ich glaube gerade bei jungen Leuten wächst der Wunsch nach Romantik, nach dem puren Gefühl, sich wieder so richtig zu verlieben.“
 
Einziger wirklicher Lichtblick in dieser Anhäufung von unlustigen Witzen ist Michael Gwisdek. Er spielt den alleinerziehenden Adoptivvater Ronnies – einen merkwürdigen Kauz, der als Nachtwärter arbeitet, und von einem Beruf als Fotograf träumt. Gwisdek, der auch in GOOD BYE LENIN! zu sehen war gibt seiner Figur einen unwiderstehlichen Charme, und er ist auch der einzige im ganzen Osten, der wittert, dass mit dem ‚neuen’ Ronnie irgendwas nicht in Ordnung ist. Tims Freunde werden zum wahren Tim später sagen: „Wir haben uns gewundert was mit dir los war. Du hattest auf einmal so einen Scheiß Musikgeschmack und hast Kiwis mit Schale gegessen.“ Ha, ha, ha. Haben wir da alle herzlich gelacht.
 
Nana A.T.Rebhan
 
Deutschland 2003, 103 Minuten
Regie: Carsten Fiebeler
Mit Tobias Schenke, Anna Brüggemann, Michael Gwisdek

Erstellt: 07-09-04
Letzte Änderung: 03-10-04