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14/06/12

60 Jahre NME

Das dienstälteste Musikmagazin der Welt - der NME - wird in diesem Jahr 60 und ist von der Poprente ungefähr so weit entfernt wie Keith Richards - hat sich aber besser gehalten.

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London im Jahre 1952: Genau einen Monat nach Amtsantritt der Queen ereignet sich in Soho ein viel wichtigeres Ereignis – zumindest für die Popkultur. Die englische Musikszene entdeckt den Rock’n’Roll und bekommt endlich ihr eigenes Sprachrohr: Den New Musical Express, kurz NME.
 
Der berichtet als allererstes Blatt einmal die Woche über Bandgossip, die Charts, die besten Gitarrensaiten und die angesagtesten Clubs. – Ein völlig neues Zeitungs-Konzept, dass nebenbei den Musikjournalismus von heute erfand.
 
Nach ein paar seltsamen Schlagersänger- Berichten bestimmt der NME spätestens seit den 70ern in England what’s hot und what’s not. Autoren wie Nick Kent, Julie Burchill und Tony Parsons werden als embedded Musicjournos direkt an die Popfront geschickt – und sind bald fast so berühmt wie die, über die sie berichten.
 
Auch Pat Long hat sechs Jahre als NME-Redakteur gearbeitet. Und jetzt über die Geschichte des Magazins ein Buch geschrieben.
 
Pat Long
“Für eine ganze Generation, mich eingeschlossen, hat der NME quasi die kulturelle Bildung übernommen. Damals gab es noch kein Internet. Man konnte sich als Jugendlicher nirgendwo sonst über Musik, Filme, Serien, Kunst, Philosophie und sogar Politik informieren. Davon hat man in England im Alltag einfach nichts mitbekommen. Der NME war wie der coole ältere Bruder. Wie eine Schülerzeitung für das ganze Land.”
 
In seiner ereignisreichen Geschichte hat es sich diese „Schülerzeitung“ nicht nur mit Morrissey verscherzt und den Britpop-Krieg zwischen Blur und Oasis angezettelt, sondern auch so ziemlich über jeden geschrieben, der sich in England schon mal eine Gitarre umgehängt hat.
Für eine ganze Generation, mich eingeschlossen, hat der NME quasi die kulturelle Bildung übernommen. Damals gab es noch kein Internet. 
Bands stehen nach wie vor Schlange wenn die Mutter aller Musikmagazine zum Photoshooting ruft. Und das obwohl der NME selbst mit seinen absoluten Lieblingen nicht immer so behutsam umgeht.
 
Pat Long
“Beim NME ist das so wie bei den alten Römern. Wenn die Feldherren nach gewonner Schlacht auf ihren Streitwagen durch die Straßen fuhren und sich feiern ließen, gab es immer jemanden der hinter ihnen auf dem Wagen stand und ihnen ins Ohr flüsterte: ‘Du bist auch nur ein Mensch!’ Und genau das ist der Job des NME: Diesen ganzen albernen Rockstars zu sagen: ‘So großartig seid ihr nun auch wieder nicht!’”
 
Das hat auch Florence Welch zu spüren bekommen.
 
Florence Welch, Florence + the Machine
“Ich war dauernd auf der Titelseite. Sie haben mich total abgefeiert. Und dann kam diese .. naja .. sagen wir seeehr mittelprächtige Plattenkritik. Irgendwas über mich als psychomäßig durchgeknallter Krake auf der Bühne. Das stimmte vielleicht sogar ein bisschen. Ich hab’s jedenfalls nie zu Ende gelesen weil es mich unglaublich geärgert hat. Heute kann ich darüber lachen.”
 
Die NME-typischen Hypes und bitterbösen Plattenkritiken interessieren inzwischen allerdings nur noch ein Zehntel der ursprünglichen Leserschaft. Die Auflagen der Print-Ausgabe gehen seit Jahren zurück. Dafür hat sich der NME als Popkultur-Marke etabliert – vor allem Dank der NME-Website. Die ist mit 7 Millionen Usern pro Monat die größte Musikseite im Netz. Hier geht’s vor allem um eines: die schnelle Verbreitung von Musiknews und Gossip. Und das kommt definitiv nie aus der Mode!
 
Pat Long
„Bei der Recherche zu meinem Buch habe ich einen Brief gefunden. Da schrieb jemand: Sehr geehrte Redaktion, ich möchte mich beschweren. Früher war der NME viel besser. Das war 1953! Ein Jahr nach der ersten Ausgabe! Es ist also immer leicht zu sagen: ‚Der NME hat seine besten Zeiten hinter sich.’ Er ist einfach dann am besten, wenn man 17 ist und ihn neu entdeckt!“

  

Buch

 

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Mittwoch 27. Juni 2012 um 04.00 Uhr
Keine Wiederholungen
(Deutschland, 2012, 52mn)
WDR

Erstellt: 12-06-12
Letzte Änderung: 14-06-12