Schriftgröße: + -
Home > Europa erkunden > Frankreich - EU 2008 > Termine > 500 Köpfe randvoll mit Ideen

Frankreich - EU 2008

Die Ablehnung des EU-Vertrags durch die Iren und der Georgienkrieg bringen die politische Tagesordnung durcheinander.

Frankreich - EU 2008

31/12/08

500 Köpfe randvoll mit Ideen

„Paroles d'Européens“ in Nantes


Die Rendezvous der Europäer im Rahmen der französischen Ratspräsidentschaft hatten ein ehrgeiziges Ziel: ganz Europa sammelten einen Tag lang Ideen, wie die EU 2020 aussehen sollte. Am Ende lagen 24 Vorschläge auf dem Tisch. In einer Abstimmung wählten die Jugendlichen 12 Ideen aus und diskutierten diese mit dem französischen Staatssekretär für europäische Angelegenheiten Jean-Pierre Jouyet und dem EU-Rat der Weisen. In Lille und Marseille kamen die Jugendlichen kaum zu Wort. Erst im dritten Anlauf in Nantes ist ein echtes Miteinander gelungen.

Admir Rexha (25) und Anne-Marie Le (29) treten aus der Kongresshalle hinaus in die Herbstssonne. Zwei Tage lang haben sie ihre Energie einzig und allein auf die Zukunft Europas gerichtet. Sie wirken ein bisschen erschlagen, aber optimistisch. Vor wenigen Minuten wurden den EU-Verantwortlichen 12 Vorschläge für 2020 vorgestellt. Zu kurz und zu formell sei dies über die Bühne gegangen, bedauert Admir. Insgesamt aber ist er zufrieden: „Alle konnten tatsächlich mitmachen und unsere Idee ist angenommen worden, das ist super!“ Die Idee: Ein Bildungsprogramm zu Umweltthemen. Europaweit versteht sich. Schon in Grundschulen soll es ein Unterrichtsfach zu Nachhaltiger Entwicklung geben. Felipe Gonzales begrüßt die Idee. Kein Wunder, die Jugendlichen erledigen seinen Job. Der frühere spanische Ministerpräsident leitet heute den Rat der Weisen, der Ideen für die Zukunft der EU sammelt. Die jungen Teilnehmer haben eine Zukunft entworfen, in der nationale Interessen hinten angestellt werden. Anne-Marie ist positiv überrascht: „Der Wille ein gemeinsames Europa aufzubauen ist da, vielleicht mehr als vorher. Wir gehen hier raus und haben wirklich Lust auf etwas Gemeinsames.“ In den Ohren von Jean-Pierre Jouyet müssen solche Worte wie Musik klingen, eine wahrhaftige „Ode der Freude“. Keine Spur von Politikverdrossenheit. Gonzales sieht am Horizont schon „ein neues europäisches Bürgerbewusstsein auftauchen.“
Doch dieses Bewusstsein ist nicht vom Himmel gefallen. Anne-Marie und Admir haben am Tag zuvor im Workshop für „Nachhaltige Entwicklung“ über Ideen gebrütet. Schnell herrscht Einigkeit, dass die Zeit drängt. Die Klimakatastrophe steht vor der Tür. Bis 2020 ist noch viel zu tun. Europa muss Weltmeister in Sachen Nachhaltiger Entwicklung werden. Ein Bildungsprogramm soll das Umweltbewusststein stärken. Andere Teilnehmer werfen die Idee eines europaweiten Forschungszentrums und Netzwerks in die Runde. Beides könnte die besten Innovationen und Ideen bündeln, damit alle Mitgliedsstaaten davon profitieren. Dieser Einfall findet prominente Unterstützung. „Gemeinsame Forschung ist die Basis“ findet auch Catherine Chabaud, die sich zu den Workshop-Teilnehmern gesellt hat. Als erste Frau hat sie allein den Globus umsegelt hat. Heute ist sie eine Botschafterin für gute Ideen in Sachen Umweltschutz. Sogar das französische Umweltministerium hat die ehemalige Profiseglerin mit ins Boot geholt. Gerade arbeitet sie mit Hochdruck an einem ökologischen Schiff, das die Umwelt in keinster Weise belasten soll. Auch deswegen liegt ihr eine europaweite Forschung am Herzen. Chabaud lässt sich vom Enthusiasmus der Teilnehmer mitreißen und hat nur ein Bedauern – der Ideenaustausch war viel zu kurz.
Dass es in Nantes nicht nur bei einem Lippenbekenntnis für mehr Bürgernähe blieb, dafür hat das europäische Jugendparlament (www.eyp.de) gesorgt. Es hat den Veranstaltern tatkräftig unter die Arme gegriffen. Die jungen Abgeordneten haben es geschafft, dass tatsächlich Ideen zwischen den Jugendlichen und vor allem mit den EU-Politikern ausgetauscht wurden. Es ist auch sonst ihre Arbeit europäische Politik greifbar zu machen. Dies ist in Nantes gelungen. Für Anne-Marie ist nun die Frage: „wie es weitergeht, ob unsere Vorschläge in die Wege geleitet werden.“ Admir legt die Messlatte hoch: „Mal sehen, ob darüber in der Kommission abgestimmt wird.“ Ihre Augen richten sich nun auf Gonzales. Als Präsident des Rates der Weisen muss er dafür sorgen, dass die Ideen nicht in einer Schublade verschwinden.

Catherine Chabaud, ehem. Profiseglerin, Journalistin und Umweltaktivistin zu ihrem Engagement für Nachhaltige Entwicklung.
„Die nachhaltige Entwicklung ist ein außergewöhnliches Gesellschaftsprojekt. Es ist faszinierend und fordert die Kreativität der Menschen - für eine gute Sache. Für den Umweltschutz.“
„Ich vermittle Ideen und erzähle von Projekten. Das mache ich als Naturliebhaberin und Journalistin. Ich versuche Ideen zu verbreiten und hoffe, dass sie irgendwo Früchte tragen. Ich hoffe, dass eine gute Idee woanders genutzt wird.“
„Vor allem versuche ich etwas im Wassersport zu bewegen. Da kenne ich mich aus. Dieser Bereich ist faszinierend, weil es so viele Berufe gibt und er einen großen Einfluss auf die Umwelt hat. Ich bringe Industrie, Wassersportler, Verbände und Vereine zusammen, damit sie zusammen mehr erreichen. Je länger ich dabei bin, desto faszinierender finde ich diese Arbeit.“
Drei Vorschläge für Nachhaltige Entwicklung:
-Europäisches Bildungsprogramm zu Nachhaltiger Entwicklung, einsetzbar ab der Grundschule
-Vereinheitlichung der nationalen Mülltrennung auf EU-Ebene und Aufwertung des Abfalls
-Verpflichtung zu einem Gütesiegel auf allen Produkten. Es soll Aufschluss über die Umweltwirkung und den Produktlebenszyklus geben.



Rebecca Donauer


Erstellt: 13-10-08
Letzte Änderung: 31-12-08


+ aus Europa erkunden