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Kino-News

Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Im Gespräch mit...

Im Gespräch mit...

mit Regisseur Stefan Krohmer und Drehbuchautor Daniel Nocke:

Seit wann arbeiten der Drehbuchautor Daniel Nocke und der Regisseur Stefan Krohmer gemeinsam an der Entwicklung von Ideen und Stoffen?
Wir haben beide 1994 an der Filmakademie Baden-Württemberg zu studieren begonnen und waren dort in die gleichen Kurse eingeteilt. Wirklich kennen gelernt haben wir uns aber auf dem Fußballfeld. Wir haben bald unsere jeweiligen Vereinserfahrungen ausgetauscht und diese in den ersten gemeinsamen Kurzfilm DER TRAINER einfließen lassen. Von da an haben wir regelmäßig zusammen gearbeitet.

Wie kam Euch die Idee zu einer solchen Geschichte aus den 80er Jahren?
Wie beim TRAINER-Kurzfilm, haben wir uns an Situationen und Figuren erinnert, denen wir in unserem Leben begegnet sind, und stießen beim Thema „Skihütten-Urlaub“ auf biographische Gemeinsamkeiten. Der Zeitraum 82/83 schien uns für unsere Geschichte geeignet, weil er nicht nur wegen des Regierungswechsels und des letzten Aufbäumens der Friedensbewegung einen kleinen Einschnitt markiert. Auch der Europa-Pokal-Erfolg des HSV bildete den Höhe- und Endpunkt einer Ära. Ein Aspekt, der vor allem für Daniel wichtig war. Jedenfalls schien uns dieser Zeitraum sehr passend für eine Figur, die von bestimmten Ideen Abschied nehmen und erst einmal privat einen Neuanfang versuchen will. Die Skihütte war dabei ein guter Ort, um unseren Hauptcharakter noch einmal unerwartet mit Figuren zu konfrontieren, die teilweise noch sehr von den Strömungen des vorangegangenen Jahrzehntes geprägt sind, und solchen, denen das bereits vollkommen egal ist.

Seid ihr selbst in einem politisch motivierten Umfeld aufgewachsen, wie habt ihr diese Zeit erlebt?
Daniel: Ich war damals vierzehn und der Meinung, gegen Raketen-Stationierungen auf die Straße gehen und kritische Songs zur Gitarre singen zu sollen. Das hatte sicherlich mit dem Umfeld zu tun, in dem ich aufgewachsen bin. Aber es war schon deutlich, dass es dort und unter meinen Mitschülern bereits populärere Themen gab, und es wurde in den folgenden Jahren immer deutlicher.
Stefan: Ich war `83 zwölf Jahre alt und offen gesagt nur durch meine Mutter und ihre Freunde an der Friedensbewegung beteiligt. In der Zeit sind wir an Ostern immer mit dem Fahrrad auf die Schwäbische Alb nach Engstingen gefahren, wo angeblich Pershing-Sprengköpfe gelagert waren. Da die Demos, auf die ich gezerrt wurde, eher den Charakter eines Wochenendausflugs hatten, ergab sich zumindest immer auch die Chance für einen gepflegten Kick. Mein Umfeld war politisch - ich aber eher fußballerisch interessiert. Auf den Ostermärschen ließ sich das ganz gut in Einklang bringen und wahrscheinlich ist das richtige Bewußtsein auf diese Weise auch in mich reingesickert.

In welcher Rolle seht Ihr Euch selbst im Film?
Daniel: Obwohl ich vom Alter her eher Niklas entspreche, war ich (wenn überhaupt) eher der Lars-Typ (Ich habe einen Hütten-Urlaub mit der Volleyball-Gruppe meiner Mutter allerdings auch schon 1979 absolviert.) Auch wenn wir nicht genau auf die Kinder-Figuren passen, wollten wir ihre Perspektive natürlich im Film haben, und ich mag auch die Vorstellung, dass Lars zwanzig Jahre später diesen Urlaub verfilmt. Ich kann heute Züge vieler Figuren an mir entdecken, möchte mich aber besonders zu Wolfgang bekennen, der es als Identifikations-Figur vielleicht nicht bei allen Zuschauern leicht haben wird. Stefan: Wenn es da irgendeine Entsprechung gibt, war ich eher der Niklas Typ. Was jetzt aber nicht heißen soll, daß ich Daniel ständig unterdrücke. Aber ich habe in der Zeit andere Kinder unterdrückt - das stimmt.

Was bedeuten die 80er Jahre in musikalischer und sonstiger Hinsicht für Euch?
Daniel: Ich habe Anfang der 80er Jahre Udo Lindenberg gehört. Mein Verhältnis zu Udo hat im Laufe der Jahre die übliche Entwicklung genommen: Erst leistet man bedingungslose Gefolgschaft, schämt sich später dafür und entdeckt irgendwann aus der Distanz seine Verdienste wieder. Das entspricht etwa der Stimmung, die Knut am Ende des Films gegenüber den damaligen Zeiterscheinungen zum Ausdruck bringt, als er Ingo auffordert, sich nicht vollständig davon abzuwenden.
Stefan: Mein Verhältnis zur Musik der Jahre 80-83 ist ein viel zu sentimentales, als daß ich hier darüber sprechen könnte. Ich würde dann anfangen die Platten aufzulisten, die ich rückblickend für besonders wichtig und stilprägend halte. Eben all die Platten, in die ich damals als 13jähriger mein Geld investiert habe und die ich heute noch wie blöd höre. Allerdings, so viel will ich doch verraten, von Udo Lindenberg war keine dabei.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem Kameramann Benedict Neuenfels?
Stefan: Wir kannten Benedict bereits durch seine Dozenten-Tätigkeit an der Filmakademie Ludwisgburg, und ich hatte ihn dann über die Arbeit bei Dito Tsintsadzes LOST KILLERS näher kennengelernt. Schon bei der Entwicklung des Stoffes zu SIE HABEN KNUT hatten wir oft an Benedict gedacht, wenn es darum ging, uns nochmal vorzumachen, wie diese Typen reden und gestikulieren. Weil Benedict halt einer der wenigen ist, der die Diskussionskultur der 80er heute noch aufrecht erhält, hatten wir auch ernsthaft darüber nachgedacht, ihn für eine der Rollen zu besetzten. Daß er am Ende dann doch wieder nur hinter der Kamera stand, hat mit meiner Feigheit zu tun und damit, daß wir noch gute Alternativen hatten. Jedenfalls hat er durch die beschriebenen Qualitäten den Film noch von ganz anderen Seiten beleben können.


Ein Wort zu den Bereichen Kostüm und Ausstattung, um den spezifischen Look der 80er Jahre zu erzählen?
Stefan: Wir sind erstmal davon ausgegangen, daß sich das Lebensgefühl dieser Zeit am ehesten beschreiben läßt, indem man die Typen genau trifft - in ihrer Art zu Denken und ihrer Form der Kommunikation. Kostüm und Szenenbild sollten diesem Anspruch folgen, ohne dabei die 80er und ihre Merkmale zu sehr zu zelebrieren. Da Peter (der Produzent) in seiner unerschütterlichen Art selbstverständlich davon ausging, daß man die Skiklamotten und Requisiten aus der Zeit alle geschenkt bekommt, war der Posten in der Kalkulation denkbar gering ausgefallen.

Alle Beteiligten waren dazu angehalten, die Sachen aus ihrem Bekanntenkreis zusammenzutragen. Selbst die Regieassistentin war so freundlich, ihre tschechische Verwandschaft auszubeuten. Der Kostümbildnerin Silke Sommer ist es dann gelungen, aus diesem Berg von Altkleidern die vierzehn Schauspieler einzukleiden, ohne dabei unsere vorher entwickelten Konzepte zu durchkreuzen. Da wir in SIE HABEN KNUT kein ausgesprochen modebewußtes Milieu erzählen, ging es auch nicht so sehr darum, in irgendwelchen Life-Style Magazinen zu blättern, um herauszufinden, was damals angesagt war. Mit Ausnahme von Rolf, Sylvia und Niklas, bei denen wir auch äußerlich das Jahr 1983 genauer treffen wollten, sollte die Gruppe eher zeitloser und dadurch authentisch wirken.

Natürlich hatten wir neben unseren Erinnerungen auch viele Urlaubsfotos aus der Zeit, an denen wir uns orientieren konnten - auch was die Länge der Bärte anging. Mit dem alten Bauernhof hatten wir auch einen Ort gewählt, der heute noch so aussieht wie damals. Der Szenenbildner Thilo Mengler hat im Wesentlichen mit dem vorgefundenen Material gearbeitet. Er hat die Räume für die Vorstellungen der Kamera neu arrangiert, den Kachelofen wieder in Gang gesetzt und mit wenigen zusätzlichen Möbel-Elementen und Requisiten Zeitkolorit geschaffen.

Erstellt: 20-04-04
Letzte Änderung: 29-10-03


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