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ARTE Journal - 8. September 2010 - 08/09/10

Spaniens Bergbau: Chronik eines angekündigten Todes

Die Europäische Kommission beabsichtigt, die Schließung aller defizitären Kohle-Bergwerke vorzuziehen: Das Ende der EU-Subventionen ist nun für 2014 vorgesehen - und nicht wie ursprünglich angekündigt für 2022. In Deutschland und Spanien, den hauptsächlich betroffenen Ländern Europas, wächst nun die Sorge. Die spanischen Bergarbeiter, deren Lohnzahlungen seit Juli ausgeblieben sind, haben mit Protestaktionen begonnen.

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Streik unter Tage
Über 50 Bergarbeiter haben sich in ihrem Kohlebergwerk von Velilla del Río Carrión im Norden Spanien eingeschlossen – wo sie so lange wie nötig ausharren wollen. Die Kumpel fühlen sich in die Enge getrieben – nicht in 500 Meter Tiefe, wo sie seit einigen Tagen leben, sondern hinsichtlich ihrer Zukunft. Vor allem wollen sie ihren Lohn erhalten, der seit Juli aussteht. Die Verantwortlichen der Unión Minera del Norte, dem privaten Unternehmen, das die Mine betreibt, berufen sich auf die Streichung der Subventionen und dem Geldmangel, der sich daraus ergibt.

Die EU und die Zukunft des Bergbaus
Die Bergwerke sind von europäischen Subventionen abhängig. Der Steinkohlesektor, der insgesamt in der EU noch 97 000 Beschäftigte hat, profitiert von einer Ausnahmeregelung, die finanzielle Hilfen für den Abbau zulässt. Diese Sonderregelung läuft zum Ende des Jahres aus. Der Bergbau erlebt somit eine mehr als heikle Situation: Die Energieversorger kaufen keine spanische Kohle mehr, die als zu teuer angesehen wird im Verhältnis zu der in anderen Ländern wie Polen oder China abgebauten billigeren Kohle.

Fehlende Nachfrage
Die Bestellungen sinken seit einigen Monaten, und die nicht verbrauchte Kohle türmt sich vor den Minen in der Region Castilla–La Mancha auf. Dabei wird mit spanischer Kohle 25 Prozent des im Land verbrauchten Stroms produziert, von ihr hängen mehr als 8000 Arbeitsplätze in Spanien ab. Die Regierung von Asturien geht daher davon aus, dass die Kosten für das Abwickeln der Steinkohleindustrie „über denen für ihren Erhalt“ liegen werden. Der Verband der Bergbauregionen, in dem Vertreter der regionalen Regierungen von Asturien, Kastilien und León sitzen, fordert dagegen eine Fortführung der europäischen Subventionen für mindestens 10 Jahre. Dieses Ringen dürfte schwierig werden.

Das Image-Problem der Kohle
Nicht nur, dass die Kohle als Rohstoff nicht mehr wettbewerbsfähig ist, sie ist auch nicht mehr beliebt, denn saubere Energien sind gefragt. Das einstige schwarze Gold wird als zu umweltschädlich angesehen und zugunsten der Kernenergie, der Wasserkraft oder erneuerbarer Energien vernachlässigt. Für den spanischen Bergbau sieht die Zukunft ebenso düster aus wie für die beiden anderen Länder, deren Gruben von der EU subventioniert werden: das Ruhrgebiet in Deutschland und das Jiu-Tal in Rumänien. Die weltweite Kohleproduktion ist auf ein Minimum geschrumpft: Im Jahr 2008 stellte sie nur noch 2,5% der Weltproduktion dar. Die Europäische Union kauft über die Hälfte der von ihr benutzten Kohle für die Stromerzeugung im Ausland ein.


Weitere Streiks
2500 Arbeiter von privaten Bergbauunternehmen haben ebenfalls einen Streik begonnen – mit der Blockade von Straßen oder anderen auffälligen Aktionen in den verschiedenen Bergbauregionen Spaniens. Ziel der Streikenden ist es, bis zum 15. September durchzuhalten, dann steht das nächste Treffen mit dem spanischen Energieminister an. Doch die Kumpel dürften bereits wissen, dass ihre Zukunft düster aussieht.

Sandrine Mercier, 8. September 2010

Erstellt: 08-09-10
Letzte Änderung: 08-09-10