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ARTE Journal - Dossier - 20/02/12

Frankreichs neue Russland-Strategie

Zum ersten Mal seit seiner Wahl 2008 ist der russische Präsident Dmitrij Medwedjew zu Gast in Frankreich. Die dreitägige Visite gilt als Beginn einer neuen Partnerschaft.

Auf dem Programm stehen durchaus folgenreiche Themen: die Atompolitik des Iran. Hier will Paris einen neuen Verbündeten gewinnen. Da scheut das NATO-Mitglied Frankreich auch nicht vor dem Verkauf von vier hochmodernen Kriegsschiffen an den neuen Partner zurück. Schon ein einziger der Mistral-Hubschrauber-Träger könnte die Kräfteverhältnisse in der Ostsee entscheidend ändern. Das Geschäft wird in Osteuropa scharf kritisiert und ist deshalb noch nicht unter Dach und Fach.

Mit nach Hause nehmen kann Medwedjew dagegen einen Vertrag über Gaslieferungen an Frankreich. Außerdem gibt es eine russische Kooperation mit Alstom, dem Hersteller der französischen Hochgeschwindigkeitszüge. Selbst die Visa-Vergabe an Reisende beider Länder soll erleichtert werden.

Die neue französisch-russische Freundschaft strahlt auch in Sachen Kultur. Am Dienstag, dem 2. März, eröffneten die beiden Staatspräsidenten eine Ausstellung im Pariser Louvre – mit Schlüsselwerken russischer Kunst vom 9. Jahrhundert bis zur Zeit Peters des Großen. „Sainte Russie“ – „Heiliges Russland“ ist eines der Schlüsselereignisse des für 2010 ausgerufenen russisch-französischen Kulturjahres.

Die neue Kooperation hat aber nicht nur Freunde. Intellektuelle, Künstler, Journalisten und Verteidiger der Menschenrechte in beiden Ländern sehen elementare Fragen offen. Bei den offiziellen Treffen sind die Kunst- und Pressefreiheit in Russland, die ständige Verletzung von Menschenrechten und die Lage im Kaukasus kein Thema.

Deshalb hat sich das Off-Kollektiv mit einem Alternativ-Programm zum offiziellen Frankreich-Russland-Jahr zu Wort gemeldet. Dort kommen Vertreter der Zivilgesellschaft zu Wort. Die Off-Gruppe hat unweit des Louvre in der Galerie Nathalie Gaillard eine Gegenausstellung organisiert, die verfemte Gegenwartskunst russischer Künstler zeigt. Sie werden zugleich von konservativen Nationalisten und der russisch-orthodoxen Kirche unter Druck gesetzt, während die Museen Selbstzensur praktizieren.

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Erstellt: 02-03-10
Letzte Änderung: 20-02-12