
(Frankreich, 1928, 82mn)
ARTE F
Regie: Jean Epstein
Kamera: Goesta Kottula, Joseph Barthès, Louis Née, R. Tulle
Musik: Roch Havet
Schnitt: Nicolas Delbart
Darsteller: Ambroise Rouzic (Ambroise), François Morin (Kapitän der Pampero), Gibois (Arzt Lesenn), Jean-Marie Laot (Jean-Marie), Malgorn (Leuchtturmwärter), Pierre (Pierre)
Produktion: Société Genérale de films
Produzent: Serge Sandberg

Mütter, Mädchen, Frauen - die Bewohnerinnen von Ouessant sind es gewohnt, das Schlimmste zu erwarten, geht es um ihre "Seebären" auf offenem Meer. Denn die bretonische Küste ist rau und schroff, genauso wie die Menschen, denen Schicksalsschläge und Naturgewalten in die Gesichter gefurcht sind. In der Bretagne ticken die Uhren noch anders: Die Organisation der Tangfischer ist patriarchalisch, alle sind Brüder oder Vettern, der Erstgeborene hat das Sagen, und der älteste Bretone ist meistens auch der größte Dickschädel.
Mit seinem Stummfilm "Finis Terrae" erreicht Jean Epstein den Gipfel der künstlerischen Schaffensphase seiner "stillen Zeit". 1897 in Warschau geboren, gehört der Regisseur und Filmtheoretiker bald zur Gruppe der französischen Impressionisten um den Regisseur Louis Delluc. Nach verschiedenen Verfilmungen von Werken Georges Sands und dem Stummfilm "Der Untergang des Hauses Usher" (1928) nach Edgar Allan Poe wendet Epstein den Studios und der Zivilisation den Rücken zu: Er geht an den "Ursprung der Welt", in die Bretagne, verflucht die Avantgarde und postuliert den Realismus.
"Finis Terrae" berührt in vielerlei Hinsicht die Grenzen seines Genres. Zum einen stellt die extreme Natur die filmische Umsetzung auf eine harte Probe, zum anderen befindet sich das Werk in der Grauzone zwischen Dokumentar- und Spielfilm. Da Epsteins Ansicht nach professionelle Schauspieler nicht Seite an Seite mit dem brutal-authentischen Ozean spielen können, übernehmen die Einwohner der Insel selbst die Rollen des Films und stellen dar, was sie in Wirklichkeit sind: Tangfischer. Die Dramaturgie des Films fügt sich in den Rhythmus ihres Lebens, des Meeres und des Windes ein. Streng dokumentarisch vorgehend, realisiert Epstein so wortgetreu seine Maxime: "Kino ist Wahrheit, Erzählung ist Lüge."





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