Schriftgröße: + -
Home > Film > Kurzschluss

KurzSchluss

"KurzSchluss - Das Magazin" zeigt die neuesten Kurzfilme aus aller Welt - und wirft einen Blick hinter die Kulissen: mit Porträts, Drehberichten, aktuellen Festival- und Filmtipps und vielen spannenden Interviews.

> KurzSchluss > KurzSchluss

14/06/10

„A portrait of Keiichi Tanaami” -

Das Werk des japanischen Künstlers Keiichi Tanaami gibt es nun auf einer DVD und als Buch beim Verlag Chalet Pointu!

Chalet Pointu und CaRTe bLaNChe legen die erste französische DVD mit Filmen von Keiichi Tanaami vor, des Hexenmeisters des experimentellen Trickfilms und der japanischen Psychodelic Art. Entdecken Sie mit diesem Programm die Welt eines einzigartigen Künstlers, bei dem Animation gleichbedeutend ist mit Phantasie, Überschwang, Poesie und Erotik.

 

Die Box enthält 14 Meisterwerke, ausgewählt aus den insgesamt 60 Filmen, die Tanaami im Laufe von 30 Jahren geschaffen hat.

 

Dazu gibt es ein sehr schön gestaltetes Buch (116 Seiten) mit erstmals veröffentlichten Zeichnungen, die als Vorlagen für seine Filme dienten. Das Werk von Keiichi Tanaami wird von dem Schriftsteller, Film- und Theaterregisseur Shuji Terayama  vorgestellt; Keiichi Tanaami führt in jeden seiner 14 Kurzfilme ein.
Die Texte der Filme und des Buchs liegen in drei Sprachen vor: Japanisch, Englisch, Französisch.           


« A portrait of Keiichi Tanaami » - DVD mit 14 Filmen (1975-2009) + Buch (116 Seiten). Als Bonus ist der KurzSchluss-Beitrag vom 18.09.2009 zu sehen!

Unter der Lupe - Goldfish Fetish


Der bekannte deutsche Animationsfilmer Helmut Herbst kommentiert einige Werke des japanischen Künstlers Keiichi Tanaami, dessen Werke die japanische Pop-Art maßgeblich geprägt haben, unter anderem die Animation "Goldfish Fetish" (2002), deren psychedelischer Bilderrausch Tanaamis Werk auszeichnet.

Sehen Sie den TV-Beitrag online!




Biografie von Keiichi Tanaami

 

Keiichi Tanaami wurde 1936 als ältester Sohn eines Textilkaufmanns in Tokio geboren. Er war neun Jahre alt, als der große Luftangriff auf Tokio stattfand. Dieses traumatische Erlebnis prägte ihn tief, und später verschmolz der Künstler diese Eindrücke mit den Goldfischen seines Großvaters. Der Widerschein der Bombenblitze auf den Schuppen der Fische wurde zum Wahrzeichen seiner Arbeit. Tanaami zeichnete schon als Kind gern. Als Gymnasiast besuchte er oft Kazushi Hara, einen der berühmtesten Comicautoren der Nachkriegszeit, in seinem Atelier. Damals reifte in ihm der Wunsch, das Zeichnen zu seinem Beruf zu machen. Doch als Hara starb, verlagerte sich sein Interesse auf die illustrierten Alben, eine Szene, die von populären Künstlern wie Shigeru Komatsuzaki und Souji Yamakawa beherrscht war. Tanaami wollte an der Universität Kunst studieren, was jedoch am Widerstand der Familie scheiterte. Künstler wurden im damaligen Japan nur gering geschätzt. Allerdings waren die Eltern überzeugt, dass ein Design-Diplom nützlich sein könnte, und erlaubten schließlich dem Sohn, sich in der entsprechenden Fakultät der Musashino University of Art in Tokio einzuschreiben.  

Er hatte schon bald Erfolg und wurde 1958, obwohl erst im zweiten Studienjahr, mit der sehr angesehenen Auszeichnung des Japan Advertising Artists Club geehrt. Nach seinem Hochschulabschluss trat Tanaami in die große japanische Werbeagentur Hakuhodo ein. Aber schon kaum ein Jahr später schied er dort wieder aus, da er sich vor Aufträgen nicht mehr retten konnte.

In den 60er und 70er Jahren hatte er sich einen Ruf als Illustrator und Grafiker gemacht, und er galt Künstlern wie Tomio Miki und Ushio Shinohara als ebenbürtig. Letzterer war eine Schlüsselfigur des japanischen Neo-Dadaismus, einer der wichtigsten künstlerischen Strömungen im Japan der Nachkriegszeit. Keiichi Tanaami freundete sich mit Robert Rauschenberg und dem Kunstkritiker Michel Tapié an, als diese Japan besuchten.  

Mit seinen provozierenden und überaus farbenfrohen Zeichnungen, die zur Glanzzeit der Psychodelic und Pop Art erschienen, erntete Tanaami sowohl in Japan als auch im Ausland großen Beifall. Typische Arbeiten aus dieser Zeit wie seine Plattenhüllen für Rock Monkees und Jefferson Airplane oder das Poster „No More War“, das 1968 beim Wettbewerb für pazifistische Plakate der Zeitschrift „Avant-Garde“ den ersten Preis erhielt, stehen für den Durchbruch der Psychodelic und der Pop Art in Japan. 1975 wurde Tanaami erster Art Director der japanischen Ausgabe des „Playboy“.

1969 reiste Tanaami erstmals nach New York, wo er sich durch die neue, mit der Bürgerrechtsbewegung entstandene Kunstszene anregen ließ. Unter dem Eindruck der Experimentalfilme von Kenneth Anger, Jonas Mekas, Andy Warhol und des Comicautors Robert Crumb begann er selbst begeistert erste Filme zu drehen. Tanaamis gewagte und entschieden experimentellen Filme wurden weltweit auf Festivals und Ausstellungen gezeigt, u.a. bei den Internationalen Kurzfilmtagen in Oberhausen, auf dem Internationalen Animationsfilmfestival in Ottawa/Kanada, im Centre Pompidou in Paris, im MoMa in New York, auf dem internationalen Animationsfilmfestival in Hiroshima und dem Internationalen Filmfestival in Rotterdam. Das Kurzfilmfestival in Norwegen sowie das Internationale Trickfilmfestival in Stuttgart, wo der Künstler auch Jurymitglied war, veranstalteten  Tanaami-Retrospektiven.

1981 schwebte Tanaami wegen eines Lungenödems zwischen Leben und Tod. Von da an traten die asiatischen Symbole Drehkiefer, Kraniche und Elefanten in seinem Werk auf, die zunächst als durch die Krankheit verursachte Wahnvorstellungen interpretiert wurden, seitdem aber zentrale Elemente seines Schaffens sind.

Die 1999 in Tokio veranstaltete Ausstellung mit Werken des Künstlers seit 1960 wurde von der neuen, nach den 60er Jahren geborenen Künstlergeneration, darunter Yamataka Eye (BOREDOMS), Naohiro Ukawa und KAWS, begeistert aufgenommen.

Seit 2005 stellt Tanaami seine jüngsten Werke aus. Er bedient sich verschiedener Ausdrucksmittel wie Malerei, Skulptur, Film und Einrichtungsgegenstände, um seine Kindheitserinnerungen zu verarbeiten und seine Traumwelten zu gestalten. Die Werke mit klar erkennbaren Motiven – Goldfisch, Blitz, Drehkiefer, fantastische Architektur, Schülerinnen in Seemannsuniform – haben seinen internationalen Ruf begründet.

Seit 1991 unterrichtet Tanaami an der Kyoto University of Art and Design. Tabaimo ist einer der von ihm geförderten Künstler. Seine Werke sind bei NANZUKA UNDERGROUND (Tokio), ART&PUBLIC (Genf) und der Galerie Gebr. Lehmann (Berlin u. Dresden) erhältlich.

Erstellt: 14-06-10
Letzte Änderung: 14-06-10