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08/04/09

Mitumback

Eine Reportage von Andrea Bräu


Tracks auf dem Weg nach Afrika – zusammen mit ein paar Tonnen Altkleidern, in Afrika Mitumba genannt.

  • Mitumback

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Westeuropäer und ihre praktische Methode, Platz im Schrank zu schaffen. Klappe zu, fertig. Spitzenreiter sind die Deutschen: Sie entsorgen so jedes Jahr eine Dreiviertel Milliarde Altkleider. Ab da wandern die Klamotten um die halbe Welt: über große Verladehäfen geht’s nach Afrika oder Asien.
Drei Künstler aus Österreich sind ihren Altkleidern hinterher gereist, haben einen Teil davon zurückgekauft und wieder mit nach Europa gebracht. Aber nicht aus Nostalgie, sondern um zu zeigen, was Kleiderspenden in der globalisierten Welt anrichten. In die Container wandert das, was wirklich niemand mehr brauchen kann.

Markus Hafner: „Eben Karottenjeans, die dann in Afrika landen, wo ganze Kollektionen einfach ins utopische Kalkül produziert worden sind und bei uns keinen Abnehmer fanden, werden dann nach Afrika geliefert unter dem Aspekt der Hilfe. Allerdings, die Leute dort können damit genauso wenig anfangen wie wir, da die Mode sich nicht großartig unterscheidet von unserer. Weil die Leitbilder jetzt sind, und die Leitbilder auch bei uns wirken, genauso wie dort.
Die westliche Welt denkt, sie macht etwas Gutes, wenn sie nach Afrika Spenden liefert, und missversteht leider auch manchmal das, was Spenden betrifft, also was Hilfe auch betrifft, indem sie dann einfach Afrika als Dumping-Place benutzt, und Afrika ist kein Dumping-Place, weil die Leute können dort damit auch nichts anfangen.“

Miefige Altkleider als Kunstobjekte, als Symbole für eine globalisierte Welt. Was in den West-Ländern keiner mehr geschenkt will, ist in Afrika beinahe schon Luxus: Ein ausrangiertes T-Shirt aus dem Container kostet in Afrika ein Viertel des Monatslohns. Noch mehr haben sich die Menschen in Tansania gewundert, dass drei junge Europäer gekommen sind, ihre ausrangierten Klamotten zurückkaufen wollten und das Ganze auch noch gefilmt haben. Als Teil eines Kunstprojekts.

Markus Hafner: „Das Lustige war, dass sie uns unter dem Aspekt betrachtet haben, dass wir dort Business machen wollen. Offensichtlich ist es heute immer noch dieses postkoloniale Bild, was mitschwingt, vom Weißen, der dort hingeht, und mit seinem Geld um sich wirft, um sich die ganzen Reichtümer zu kaufen. Aber wenn wir ihnen dann erklärt haben, worum es uns geht, um diese Beleuchtung der Umstände von Globalisierung und diese lange Schlange und Kette, die sich da eben abzeichnet, wenn man sich anschaut, wie diese Produkte über den Planeten wandern, in einer steten Kette, dann weiß man oft nicht, wenn man sich die Sachen dann anzieht, was da dahinter steckt.

Nur Altkleider zurück nach Europa zu holen: Das war den Künstlern zu wenig. Deshalb entwarfen sie spezielle Labels, und ließen sie in Afrika nähen. Mit diesen Labels veredeln sie jetzt die mitgebrachten Altkleider. Re-Fetischisieren nennen sie das.

Markus Hafner: „Wir haben dieses Label auch transferiert, in der Richtung, dass wir sagen: das Logo, das dazu dient, diese Stücke von allen anderen zu unterscheiden, eben Unikate, die hergestellt werden, nicht unter maschinalisierten Bedingungen, die künstlerisch auch als Unikate durchgehen, und unser Ansatz war es, durch Unikation und Unikat-Erzeugung neue Exquisität und neue Eleganz und neue Exklusivität auch zu erzeugen.“

Aus alten Fetzen werden coole Designer-Stücke: So sehen es die Künstler. Die meisten Kunden zahlen trotzdem nur einen Flohmarkt-Preis. Hier sind Altkleider einfach wenig wert, im Gegensatz zu Afrika.
Die Altkleider verändern den gesamten einheimischen Markt: Manche Fabriken müssen schließen, andere versuchen, in ihren Stoffen die Motive des Westens aufzunehmen. So entstehen zum Beispiel Stoffe mit bizarren Kameramustern.

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Samstag 18. April 2009 um 00.50 Uhr
Keine Wiederholungen
(Deutschland, 2009, 52mn)
BR

Erstellt: Mon Mar 30 00:00:00 CEST 2009
Letzte Änderung: Wed Apr 08 16:43:49 CEST 2009