Kritik: Bereits nach wenigen Minuten hat die kleine Blechkiste Wall-E es geschafft, dass wir sie in unser Herz geschlossen haben. Tag für Tag rollt der kleine Roboter durch eine von Müll überquellende Welt, in der menschliches Leben unmöglich geworden ist. Er fiepst und seufzt und startet mit dem vollmundigen Geräusch, mit dem auch Apple Computer sich hochfahren. Regisseur Andrew Stanton besitzt jahrelange Erfahrung im Animieren von emotionalen und tiefgründigen Charakteren. Für sein Regiedebüt FINDET NEMO (2003) wurde er mit dem Oscar für den Besten Animationsfilm ausgezeichnet. Für Wall-E konzentrierte er sich ganz auf dessen liebevoll blickende Augen, die stark an den sehnsüchtigen Blick E.T.s (1982) erinnern, wenn er wehmütig seufzte: "Nach Hause telefonieren." Doch abgesehen von dieser kleinen Reminiszenz ist der Film ganz und gar ein Werk des neuen Jahrtausends, ein Science Fiction mit einer großartigen Liebesgeschichte, kombiniert mit düsterer Gesellschaftskritik.
Wahrscheinlich gab es noch nie zuvor einen Disneyfilm, der die Zukunft der Menschheit in so düsteren Farben schildert. Nach 700 Jahren, die sie sich in dem Raumschiff "Axiom" aufgehalten haben, sind die Exemplare menschlicher Gattung so verfettet, dass sie nicht mehr laufen können, denn ihr Rückgrat hat sich zurückgebildet. 24 Stunden lang sausen sie auf Schwebesesseln die Schnellstrassen des Raumschiffes entlang und werden dabei permanent unterhalten. Sämtlich sind sie zu Konsumidioten degeneriert, die Flüssignahrung zu sich nehmen und denen die neueste Trendfarbe durch Lautsprecherstimmen eingetrichtert wird.
Wie schon in FINDET NEMO lässt Regisseur und Drehbuchautor Stanton eine kleine Figur Großes vollbringen. Durch seine unermessliche Liebe zu EVE gelingt es ihm schließlich, die Menschen zur Rückkehr auf ihren Planeten zu bewegen, und diese beginnen mit einer neuen Zivilisation.

"WALL-E – Der Letzte räumt die Erde auf"
USA 2008, 91 Min.
Regie: Andrew Stanton
Mit Markus Maria Profitlich, Timmo Niesner, Luise Helm, Joachim Kerzel

EVE besticht in ihrem Design durch ihre Eleganz und Schlichtheit. Sie wirkt wie aus einer anderen Welt, schwebt schwerelos vor sich hin in ihrem stromlinienförmigen glänzenden Design, an dem kein anderer als Apple Chefdesigner Jonathan Ive beteiligt war. So bildet sie einen großartigen Kontrast zu Wall-E mit seinen verrosteten und schmutzigen Antriebsketten im aseptischen Raumschiff, dem ständig ein kleiner Bordcomputer hinterher putzt. Doch Wall-E besitzt, wovon andere in diesem Film nur träumen können: Er ist ein Roboter mit Herzensbildung, was natürlich eigentlich ein Defekt ist. Zu Beginn sieht er sich immer wieder ein altes Video des Musicals HELLO DOLLY an, und besonders eine Szene begeistert ihn: Der singende Mann hält die singende Frau an der Hand, ein Zeichen seiner Zuneigung und Liebe. Das will auch Wall-E. Als er EVE begegnet, ist es - nach 700 Jahren der Einsamkeit - sein größtes Bestreben, sie an der Hand zu halten. Doch das ist alles andere als einfach, denn sie schwebt ihm erst davon und ist dann plötzlich und unwiderruflich deaktiviert. Doch Bangen und Hoffen hilft, und irgendwann dürfen sich Wall-E und EVE an der Hand halten. Dies ist eine der schönsten Liebesszenen der Filmgeschichte überhaupt.
Nana A.T. Rebhan






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