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Berlinale 2009

Verfolgen Sie vom 05. bis 15. Februar mit ARTE und arte.tv das Tagesgeschehen eines der bedeutendsten Filmfestivals der Welt.

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Berlinale 2009

Berlinale 2009 - Offizieller Wettbewerb - 16/02/09

La Teta Asustada (The Milk of Sorrow)

Ein Film von Claudia Llosa


( Arte Bewertung: 4 ) ‘La teta asustada’ – ‘die Milch des Leids’ nennen die peruanischen Indianer eine rätselhafte, per Muttermilch übertragene Krankheit, die ausschließlich Opfer des zurückliegenden Bürgerkrieges befällt.

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Synopsis: Lima, heute: Nach dem Tod ihrer vom Bürgerkrieg seelisch und körperlich gezeichneten Mutter will Fausta sie in ihrem Heimatdorf beerdigen. Doch dafür fehlt das Geld. Gegen ihre Krankheit - die ‘Milch des Leids’ – ankämpfend, nimmt sie eine Anstellung als Hausmädchen bei einer berühmten Pianistin an.

Kritik: Was die alte Indianerin in der ersten Einstellung von „La Teta Asustada“ am Ende ihres Lebens vor sich hinsingt, ist an Grausamkeit kaum zu überbieten: In der Inkasprache Quechua erinnert sie sich an einen Überfall, der ihrem Mann das Leben gekostet und sie traumatisiert hat. Auch ihre Tochter Fausta (Magaly Solier), die seit ihrer Flucht bei ihrem Onkel und dessen Familie in einem Elendsviertel von Lima untergekommen ist, ist vom Leid der Mutter gezeichnet – in Form einer Krankheit, die bei den Indianern „Milch des Leids“ genannt wird – von Mord und Vergewaltigung vergiftete Milch also. Nasenbluten und Ohnmachtsanfälle sind die Symptome; hinzu kommt Faustas lähmende Angst, sich unter Menschen zu begeben. Eine große Kartoffel in ihrer Vagina soll verhindern, dass ihr das gleiche widerfährt, wie damals ihrer Mutter.

La Teta Asustada/ The Milk of Sorrow
Ein Film von Claudia Llosa
(Peru/Spanien, 2009, 94’)
Mit : Magaly Solier, Marino Ballón, Susi Sánchez
Wettbewerb
Regisseurin Claudia Llosa bringt anders als die Ärzte der Hauptstadt ihrer Hauptfigur und ihrem „Aberglauben“ großes Verständnis entgegen. In der Tradition des magischen Realismus wagt sich die Nichte von Schriftsteller-Titan Mario Vargas Llosa an einen Versuch der Versöhnung der Peruaner mit ihrer Vergangenheit. Von 1980 bis 2000 nämlich kostete der von beiden Seiten mit äußerster Brutalität geführte Bürgerkrieg zwischen Regierungstruppen und Paramilitärs auf der einen und der maoistischen Guerilla-Organisation „Leuchtender Pfad“ auf der anderen Seite mindestens 70 000 Menschen das Leben, von unzähligen anderen Grausamkeiten ganz zu schweigen. Llosa benutzt dazu nicht den erhobenen – politischen - Zeigefinger, sondern folgt seiner Protagonistin auf Schritt und Tritt in ihre von der alten Inka-Kultur geprägte Gedankenwelt, wonach eine Tochter ihre Mutter nach ihrem Tod in ihr Heimat zurückbringen muss, um die alte Ordnung wiederherstellen.

Feinfühlig und großartig bebildert zeigt Llosa, wie eng im lateinamerikanischen Alltag die Symbiose von Leben und Tod nach wie vor ist. Eine Art „Nest“ seien beide für den Menschen, erläutert die Regisseurin auf der Pressekonferenz. Wie Fausta dann in der Folge dieses Nest gegen alle inneren und äußeren Widerstände zu bereiten versucht und dabei singend gegen ihr Lebensgift ankämpft, ist berührend, aber nie kitischig anzusehen. Denn anstatt die eher skurrilen Seiten des magischen Realismus südamerikanischer Machart auszubeuten, kontrastriert Llosa die poetische Innenwelt ihrer Protagonistin zusätzlich mit dokumentarischen Aufnahmen von Beerdigungs- und Hochzeitsritualen, die vom Schmerz und vom Glück der einfachen Leute in den Slums von Lima erzählen. Diese ungebrochene Verbundenheit mit Traditionen, Naturritualen und vorchristlichem Glauben wirkt wie eine Kraftquelle, die letztendlich den Sieg über die Irgnoranz der Oberschicht und über die „Milch des Leids“ davontragen kann.

Martin Rosefeldt
Die ARTE Sterne vermitteln Ihnen einen schnellen Überblick zu den besprochenen Filmen und zu den Bewertungen durch unsere Journalisten.

Erstellt: 13-02-09
Letzte Änderung: 16-02-09