Freitag, 11. November 2011 um 05.00 Uhr
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Literaturland
(Frankreich, 2011, 52mn)
ARTE F
Regie: Christophe Charrier
Autor: Mazarine Pingeot
Die Literatur eines Landes spiegelt auch immer dessen politische Lage und gesellschaftliche Situation wider. Die Dokumentation nähert sich Deutschland, seiner Hauptstadt und insbesondere seiner Literatur in der Art eines Reisetagebuches. Die Reisende, Mazarine Pingeot, besucht Deutschland als neugierige junge Frau, die sich die Literatur des fremden Landes durch Begegnungen mit dessen Autoren erschließen will.
Literatur entführt den Leser in unbekannte Regionen. Oft bereitet sie besser auf ferne Länder vor als jeder Reiseführer, denn sie suggeriert Gerüche, vermittelt Stimmungen und ordnet Landschaften und Bräuche in Zusammenhänge ein. Die Dokumentation nähert sich der deutschen Literatur über ihre Akteure: Schriftsteller, Journalisten und Verleger. In Gesprächen vor Ort erläutern sie Wurzeln und Inspirationsquellen des literarischen Schaffens, das einen Schlüssel zum Verständnis ihres Landes liefert.
Die Reisende Mazarine Pingeot trifft deutsche Autoren an den Orten, die sie besonders lieben oder die sie zu ihrem Schaffen inspirieren. Berlin ist dabei häufig im Bild, denn dort wohnen die meisten der befragten Schriftsteller. Sie fährt von Nord nach Süd, von Ost nach West und macht auch einen Abstecher nach Weimar.
Dabei stellt sie die Autoren vor und lässt jeweils wichtige biografische oder historische Informationen einfließen, liest Auszüge aus den Romanen ihrer Interviewpartner, kommentiert die Begegnungen und zieht ihre Schlüsse daraus.
Die Schriftsteller, die Mazarine Pingeot trifft, sind Christa Wolf, Christoph Hein, Reinhard Jirgl, Ingo Schulze, Julia Franck und Feridun Zaimoglu.
Christa Wolf feierte 1961 ihr Debüt mit ihrer "Moskauer Novelle". Seitdem wurde sie durch zahlreiche Auszeichnungen geehrt, zuletzt für ihren 2010 erschienenen Roman "Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud". Als eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen der Gegenwart und Repräsentantin der Literatur der DDR wurden ihre Werke in zahlreiche Sprachen übersetzt.
Christoph Hein ist der diesjährige Träger des Gerty-Spies-Literaturpreises für literarische Arbeiten zu gesellschaftspolitischen Themen. Als Autor vieler bekannter Romane, Novellen, Dramen und Essays wurde er seit seinem Durchbruch mit "Einladung zum Lever Bourgeoise" im Jahr 1980 mit weiteren renommierten Literaturpreisen ausgezeichnet.
Reinhard Jirgl gehörte schon in den 80er Jahren zu den Autoren der DDR, die mit experimentellen Formen in ihren Texten spielten. Auch heute noch zeichnet er sich durch seinen ganz eigenen Umgang mit Schreibung und Lautmalerei aus. Sein Werk wurde zuletzt 2010 mit dem Georg-Büchner-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung prämiert.
Ingo Schulze arbeitete zunächst als Dramaturg und Journalist, bevor er 1995 mit den Erzählungen "33 Augenblicke des Glücks" bekannt und mit dem Alfred-Döblin-Förderpreis und dem Ernst-Willner-Preis des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs ausgezeichnet wurde. So wie seine Erfahrungen während eines Aufenthalts in St. Petersburg in diese Erzählungen mit einflossen, so finden sich in seinem 2010 veröffentlichtem Erzählband "Orangen und Engel. Italienische Skizzen" Spuren seines Stipendienaufenthalts in Rom.
Das erfolgreichste Werk von Julia Franck ist der 2007 erschienene Roman "Die Mittagsfrau", der mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet und in 32 Sprachen übersetzt wurde. Ihr neuester Roman, "Rücken an Rücken" erschien in diesem Jahr. Besonders gelobt wird die Bildhaftigkeit und Sinnlichkeit ihrer Texte.
Der deutsch-türkische Autor Feridun Zaimoglu erregte 1995 mit seinem Erzählband "Kanak Spak" Aufmerksamkeit, in welchem er die Sprache junger türkischstämmiger Männer porträtiert. Sein Roman "Abschaum" wurde 2004 unter dem Titel "Kanak Attack" verfilmt, einen seiner größten Erfolge feierte er mit "Leyla" im Jahr 2006. Seine Werke zeichnen sich durch die kritische Beobachtung unserer multikulturellen Gesellschaft aus.