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Parsifal (1/2)

Live aus dem Festspielhaus Bayreuth.

Samstag, 11. August 2012 um 17.15 Uhr

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Parsifal (1/2)
(Deutschland, 2012, 194mn)
BR
Darsteller: Detlef Roth (Amfortas), Diógenes Randes (Titurel), Kwangchul Youn (Gurnemanz), Burkhard Fritz (Parsifal), Thomas Jesatko (Klingsor), Susan Maclean (Kundry), Arnold Bezuyen (1. Gralsritter), Christian Tschelebiew (2. Gralsritter), Julia Borchert (1. Knappe), Ulrike Helzel (2. Knappe), Clemens Bieber (3. Knappe), Willem Van der Heyden (4. Knappe), Julia Borchert (Klingsors Zaubermädchen), Martina Rüping (Klingsors Zaubermädchen), Carola Guber (Klingsors Zaubermädchen), Christiane Kohl (Klingsors Zaubermädchen), Jutta Maria Böhnert (Klingsors Zaubermädchen), Ulrike Helzel (Klingsors Zaubermädchen), Simone Schröder (Altsolo)
Chorleiter: Eberhard Friedrich
Kostüme: Gesine Völlm
Dirigent: Philippe Jordan
Komponist: Richard Wagner
Ausstattung: Heike Scheele
Dramaturgie: Alexander Meier-Dörzenbach
Licht: Ulrich Niepel
Inszenierung: Stefan Herheim
Orchester: Orchester der Bayreuther Festspiele
Moderation: Annette Gerlach
Fernsehregie: Marc Schütrumpf
Video: Momme Hinrichs,Torge Møller

16:9 (Breitbildformat) Nativ HD

Auch in diesem Jahr überträgt ARTE wieder eine Oper live aus dem Festspielhaus Bayreuth: Stefan Herheims gefeierte Aufführung von Richard Wagners "Parsifal" unter der musikalischen Leitung des 37-jährigen Stardirigenten Philippe Jordan, derzeit Musikdirektor an der Pariser Oper. Stefan Herheims Bayreuther Inszenierung des "Parsifal" wurde im Jahr ihrer Premiere 2008 von der Zeitschrift "Opernwelt" zur "Aufführung des Jahres" gewählt und auch danach mehrfach mit Preisen ausgezeichnet.

"Hat Wagner je etwas besser gemacht?" orakelte Friedrich Nietzsche, der spätere radikale Antiwagnerianer über Richard Wagners "Parsifal" kurz nach dessen Uraufführung in Bayreuth. "Parsifal" ist Richard Wagners letztes Bühnenwerk. Wagner titulierte es als "Bühnenweihfestspiel" und verfügte, dass es nur im Rahmen der Bayreuther Festspiele zur Aufführung kommen dürfe, um seinen feierlich religiösen Charakter nicht durch Repertoireaufführungen an kleineren Bühnen zu gefährden.
Die Uraufführung von "Parsifal" fand am 26. Juli 1882 im Rahmen der zweiten Festspiele von Bayreuth statt, ein halbes Jahr vor dem Tod des Komponisten. König Ludwig II. stellte eigens den Chor und das Orchester der Münchner Hofoper zur Verfügung. Die Oper bildet den singulären Schlussstein im Lebenswerk des großen deutschen Opernkomponisten. Denn in ihr finden sich Gedanken zusammengeführt und vertieft, die Wagner bereits in früheren Werken angelegt hatte. So erweist sich die Handlung des "Parsifal" als ein Verschmelzen verschiedener mittelalterlicher Sagenkreise, die bereits für die Opern "Tannhäuser" und "Lohengrin" konstitutiv waren. Und auch in der Musik des "Parsifal" finden sich Parallelen zu "Tannhäuser" und "Lohengrin", sowohl im Grundcharakter ihres Ausdrucksgehalts als auch in der diatonisch-chromatischen Struktur ihrer Leitmotivik. Zu den musikalischen Glanzpunkten des Werks zählen die Blumenmädchenszenen, der Karfreitagszauber und die weihevoll-mystische Schlussszene mit den verklärenden Gralsthemen.
Die Handlung von Wagners Bühnenweihfestspiel geht auf den mittelhochdeutschen Versroman "Parzival" von Wolfram von Eschenbach aus dem frühen 13. Jahrhundert zurück. Im Mittelpunkt steht der Gral, die heilige Schale, in der am Karfreitag das Blut des gekreuzigten Christus aufgefangen wurde. Der Gral wird von den Rittern der Gralsburg als Heiligtum verehrt und gehütet. Jedes Mal, wenn er bei der Feier des heiligen Abendmahls enthüllt wird, gewinnen die Ritter Kraft und Stärke aus ihm für ihre segensreichen Taten. Auch hüten die Gralsritter den heiligen Speer, mit dem einst Christus am Kreuz die Wunde zugefügt wurde.
Feind der Gralsritter ist Klingsor, der als Unwürdiger vor Zeiten aus ihrer Gemeinschaft ausgeschlossen wurde und aus Rache ein Zauberschloss errichtet hat, in dem das Zauberweib Kundry, das unter seinem Banne steht, Ritter, die sich dem Schloss nähern, mit erotischen Künsten zu verführen sucht. Den Anfechtungen Kundrys hielten viele Ritter nicht stand, so dass eines Tages Amfortas, der Sohn des Gralskönigs Titurel, bewaffnet mit dem heiligen Speer den Kampf mit Klingsor aufnimmt. Doch auch Amfortas lässt sich von der geheimnisvollen Frau verführen und verliert den Kampf. Klingsor entreißt Amfortas den Speer und fügt ihm eine Wunde zu, die nicht heilen will solange der Speer im Besitz von Klingsor ist und die sich immer wieder schmerzvoll öffnet, wenn der heilige Gral enthüllt wird. Deshalb will Amfortas den Gral, entgegen dem Willen seiner Ritter, nicht mehr enthüllen.
Parsifal, der "reine Tor", ein Knabe, der unter der Obhut seiner Mutter Herzeleide im Wald ohne Kontakt zur Außenwelt aufgewachsen ist und nicht weiß, woher er kommt und wer sein Vater ist, wird es sein, der, nach einem langen Entwicklungsprozess welterfahren und "durch Mitleid wissend" geworden, zum Helden wird, den Verführungskünsten von Kundry widersteht und Klingsor besiegt. Klingsor schleudert zwar den Speer auf ihn, doch dieser bleibt über seinem Haupte schweben. In der Erkenntnis, dass die Überwindung der Sinnlichkeit Erlösung bringt, schlägt er mit dem Speer das Zeichen des Kreuzes, wodurch Klingsors Macht zerbricht. Von den Gralsrittern sehnlichst erwartet schließt er mit dem zurückgewonnenen Speer die Wunde von Amfortas und enthüllt als neuer Gralskönig den Rittern den Gral. Aus der Höhe schwebt eine weiße Taube als Zeichen göttlicher Gnade auf ihn herab.

In den Hauptrollen sind Detlef Roth (Amfortas), Diógenes Randes (Titurel), Kwangchul Youn (Gurnemanz), Burkhard Fritz (Parsifal), Thomas Jesatko (Klingsor) und Susan Maclean (Kundry) zu erleben.
Als Musikdirektor der Pariser Oper zählt Philippe Jordan mit seinen 37 Jahren zu den talentiertesten und etabliertesten Dirigenten seiner Generation. Seine Karriere als Kapellmeister begann 1994/95 am Stadttheater Ulm. Von 1998 bis 2001 war Philippe Jordan Assistent von Daniel Barenboim an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin. Von 2001 bis 2004 war er Chefdirigent des Grazer Opernhauses und des Grazer Philharmonischen Orchesters. In dieser Zeit debütierte er bei einigen der wichtigsten internationalen Opernhäuser und Festivals, unter anderem am Festspielhaus Baden-Baden mit "Tannhäuser". Von 2006 bis 2010 war Philippe Jordan Principal Guest Conductor an der Berliner Staatsoper Unter den Linden. Als Konzertdirigent arbeitete Philippe Jordan unter anderem mit den Berliner Philharmonikern, den Wiener Philharmonikern, der Staatskapelle Berlin, den Wiener Symphonikern und vielen weiteren international renommierten Klangkörpern. In der Saison 2008/09 hat Philippe Jordan am Opernhaus Zürich Wagners "Ring des Nibelungen" (Regie: Robert Wilson) dirigiert und als Konzertdirigent an der Mailänder Scala debütiert. Höhepunkt der laufenden Saison ist die zweite Hälfte des neuen "Ring"-Zyklus' an der Opéra National de Paris. In der kommenden Spielzeit debütiert Philippe Jordan an der Mailänder Scala mit "Der Rosenkavalier".

Die Bücherauswahl:

Stephan Mösch : Weihe, Werkstatt, Wirklichkeit. Wagners Parsifal in Bayreuth 1882-1933, Bärenreiter/ Metzler Verlag 2009, ISBN: 978-3-7618-2050-6
Die vorliegende Studie verbindet Werk-, Institutions-, Kultur- und Ideengeschichte und versucht, dem komplexen Gebilde „Aufführung“ so nahe wie möglich zu kommen. Ausgewertet werden dazu viele und zum Teil unveröffentlichte Quellen. Hermann Levi, dem Dirigenten der Uraufführung, und den Erfahrungen, die er als Jude in Bayreuth machen musste, ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Ein ausführlicher Dokumentations-Teil beschließt das Buch, darin unter anderem Brief- und Notendokumente aus Archiven in Bayreuth, München und Wien.

Antonia Goldhammer: Weißt du, was du sahst? Stefan Herheims Bayreuther Parsifal als Metatheater, Deutscher Kunstverlag 2011 , ISBN: 978-3-422-07058-5
Herheims Parsifal-Inszenierung provoziert und verzaubert zugleich. Die komplexe mythologische Symbolik, die Reflexion von Rezeptionshistorie und Erlösungssehnsucht (in der deutschen Geschichte) vereinen sich zu einem unzählige Fragen aufwerfenden Theatererlebnis. Das Buch gibt durch ausführliche Analysen der theatralen Methoden Antworten auf diese Fragen.