Cai Jiang, ist Farmer und Großgrundbesitzer, und er sammelt Kunst. Er ist reich – sehr reich und kann verwirklichen, wovon andere nicht zu träumen wagen: Sein Traum ist eine Großstadt in der Wüste der Inneren Mongolei.
Erst vor wenigen Jahren wurden hier Bodenschätze entdeckt, so dass die Innere Mongolei heute das zweithöchste Pro-Kopf-Einkommen Chinas - nach Shanghai - aufweist.
Bislang war diese Provinz der Inneren Mongolei eine vergessene Region im Riesenreich China. Noch vor wenigen Jahren standen hier ausschließlich Jurten.
Nun wird gut 500 Kilometer westlich von Peking die neue Millionenstadt entstehen: Das Projekt „Ordos 100“ ist bereits im Entstehen. Geplant ist eine vorbildliche Stadt mit anspruchsvoller Architektur.
Cai Jiang hatte zunächst die weltweit bekannten Schweizer Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron eingeladen. Seit dem "Vogelnest", dem Neubau des Olympiastadions in Peking, sind sie Superstars in China. Sie wählten 100 internationale Architekten für ihn aus, die individuelle Entwürfe liefern sollen. Erste Treffen in der Mongolei haben bereits stattgefunden.
Ebenso wie beim „Vogelnest“ wird der inzwischen weltweit bekannte Künstler und Architekt
Ai Weiwei beteiligt sein. Er lacht herzhaft, wenn die europäischen Kollegen Jurten-ähnliche Bauten vorschlagen. Denn, so sagt Ai Weiwei, die wahren Nomaden sind doch heutzutage nicht mehr die Bewohner der Inneren Mongolei, sondern die Architekten, auf der Suche nach Aufträgen und reizvollen Aufgaben.
Doch das ist nicht ohne Brisanz: Denn in Europa wird heftig darüber gestritten, ob sich internationale Architekten in China engagieren sollen oder nicht. Von den 100 Architekten, die nun in Ordos bauen werden, ist bisher niemand abgesprungen. Das Kunstmuseum ist als erstes - neben einigen Atelierhäusern – fertig gestellt worden, eine Konzerthalle und die Universität folgen. Die Stadt scheint so etwas wie eine Idealstadt zu werden, und man meint, die von der Parteizentrale ausgerufenen "neue Harmonie" in der Gesellschaft Gestalt annehmen zu sehen. Arm und Reich leben zusammen, Ökologie hat Raum neben dem ökonomischen Streben. Ob das gelingt?
Internetwww.ordos100.comwww.herzogdemeuron-film.comIst ein Hinweis auf den Dokumentarfilm über das Olympiastadion von Peking. Es wurde von Herzog und de Meuron gebaut, die die Architekten des Projektes "Ordos 100" ausgewählt haben. Beim Olympiastadion wie bei Ordos 100 ist der chin. Künstler und Architekt Ai Weiwei einbezogen.