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Berlinale 2005 - Panorama - 18/02/05

2 oder 3 Dinge, die ich über ihn weiß

Ein Film von Malte Ludin


Dokumentation des Filmemachers über seinen Vater - einen SS Mann

Synopsis: Der 60-jährige Regisseur Malte Ludin hat einen sehr persönlichen Dokumentarfilm gedreht, in der es um die Auseinandersetzung seiner Familie mit der Schuldfrage des Vaters geht: Hanns Elard Ludin ist Nationalsozialist der ersten Stunde. 1933 wird er SA-Obergruppenführer, 1941 „Bevollmächtigter Minister des Großdeutschen Reiches in der Slowakei“. Nach Kriegsende wird er wegen maßgeblicher Beteiligung an der Deportation slowakischer Juden hingerichtet.

Kritik:Vater war ein Widerstandskämpfer“ sagt Erla, Hanns Ludins Frau nach dem Krieg. Die Kinder und später die Enkel glauben dies. Doch gleichzeitig weiß sie, dass ihr Mann den Geburtstag des Führers noch feierte, als die amerikanischen GI’s schon anrückten.

Malte Ludin setzt sich mit dem doppelten Vaterbild auseinander, das bis heute in der Familie herrscht. Einerseits gibt es die fröhlichen Kindheitserinnerungen und andererseits wurde das Familienoberhaupt im Dezember 1947 hingerichtet. „Unschuldig“, glauben die Schwestern bis heute. Sehr direkt konfrontiert Malte Ludin seine ältere Schwester mit der Schuld des Vaters, der die Deportation slowakischer Juden zu verantworten hat. Diese lebt heute im Schwabenland und töpfert gern. Vor laufender Kamera flüchtet sie sich in immer obstrusere Erklärungsversuche: „Da ist eben Krieg, Maltechen“ sagt sie, und nutzt die Verniedlichungsform des Namens als sei ihr 60-jähriger Bruder ein kleiner Junge, der dies noch nicht versteht: „da ist eben Krieg. Da wird eben geschossen und dann werden die Leute ermordet. Das geschah im Zuge von Partisanenerschießungen.“ Und warum stieg Vater nicht aus? War er wahnsinnig? „Nein. Er wollte nicht feige sein, und zu Ende bringen, was dort seine Aufgabe war.“

Malte Ludin wagte sich erst nach dem Tod seiner Mutter 1997 sich an das Projekt heran, das bereits lange Zeit in seinem Kopf herumspukte: „Vermutlich wäre ich bestimmte Konflikte zu ihren Lebzeiten weniger frontal angegangen, weil sonst die Gefahr bestanden hätte, die Familie zu sprengen.“ Dieses Risiko besteht immer noch, seine Schwestern haben den Film bislang nicht gesehen, und er beinhaltet genügend Sprengstoff. Nach Bratislava, zum Grab des Vaters wollte keiner mitkommen, Malte fuhr schließlich alleine hin. „Ich habe bei deinem Film mitgemacht, weil ich glaubte, noch etwas für Vater tun zu können“ sagt ihm die eine Schwester, die immer noch fest von der Unschuld ihres Vaters überzeugt ist.

2 oder 3 Dinge, die ich über ihn weiß ist eine mutige Annäherung an einen toten Punkt in der Familie Ludin, der von Generation an Generation weitergegeben wird. Endlich – durch das Darüberreden der Schuld des Vaters, gelingt eine neue Perspektive auf die Geschichte. Neffe Fabian, der zu Beginn der Dreharbeiten der Meinung war, sein Opa sei ein „Widerstandskämpfer“, entwickelt auf Grund der Dokumente einen ganz anderen Blick auf die Dinge: „Man tut meinem Großvater Hanns Ludin ja gar keinen Gefallen, wenn man versucht, ihn vorauseilend zu entlasten. Er stand ja ohne Umschweife zu dem, was er tat.“ In der Tat - im Dezember 1947 ging er ohne Protest in den Tod.

Nana A.T. Rebhan
2 oder 3 Dinge, die ich über ihn weiß
Deutschland 2005, 87 Min.
Regie: Malte Ludin
Mit der Familie Ludin
Panorama

Erstellt: 18-02-05
Letzte Änderung: 18-02-05