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Themenabend: Der Erste Weltkrieg - 28/07/04

1914 - 1918: Der moderne Krieg

Freitag, 30. Juli 2004 um 22.15 Uhr


Dokumentation von Mathias Haentjes, Heinrich Billstein
Deutschland 2004, Erstausstrahlung, 90 Min.

"Man bekämpfte sich, aber man sah sich nicht. Das war nicht wie in den Kriegen alter Zeiten, in denen manchmal Mann gegen Mann gekämpft wurde." Der 107-jährige französische Veteran Georges Ullmann erinnert sich an den Kampf auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs. Eine Erfahrung, die Millionen von jungen Männern an allen Fronten zwischen 1914 und 1918 machen mussten. Als vor 90 Jahren die Armeen Europas in den Krieg ziehen, der dann der Erste Weltkrieg wird, rechnet niemand damit, dass dieser Konflikt mehr als vier Jahre dauern wird. Da nach ein paar Monaten auf allen Seiten die Munition knapp wird, beginnt eine gigantische Mobilisierung industrieller und intellektueller Ressourcen. Die deutsche chemische Industrie, die französische Autoindustrie, Stahlwerke, Elektrofirmen, Werften wandeln sich zu Rüstungsunternehmen. Der Industrieführer Walter Rathenau und der Wissenschaftler Fritz Haber in Deutschland, der Politiker Albert Thomas und der Industrielle Louis Renault in Frankreich werden zu Schlüsselfiguren der Kriegswirtschaft. Der eigenen Seite endlich den entscheidenden Vorteil im Stellungskrieg zu verschaffen - das ist das Ziel aller Anstrengungen. Auf den Meeren tobt der Kampf um die Rohstoffe. Maschinen wie Flugzeug, Panzer und Auto erobern das Schlachtfeld. Neue chemische Kampfstoffe wie das Gas werden nach der Rezeptur der Wissenschaftler von der Industrie fronttauglich gemacht. Die Massenfertigung von Granaten und Minen, der Einsatz von Maschinengewehren und Flammenwerfern macht aus dem Krieg ein technisiertes Sterben, geplant an den grünen Tischen der Erfinder und Strategen. 66 Millionen Soldaten werden ins Feld geschickt. Mehr als 15 Millionen sterben in diesem großen Krieg, unter ihnen fast sechs Millionen Zivilisten. Das Leid von Hunderttausenden wird zur Rechengröße in der Ökonomie des Krieges. "Maximales Blutbad zu minimalen Kosten", wie es der Philosoph Bertrand Russel formuliert hat.

In der 90-minütigen Dokumentation fügen sich bisher unbekanntes Archivmaterial und Interviews mit Zeitzeugen im Alter zwischen 100 und 110 Jahren aus Frankreich, Großbritannien, Belgien und Deutschland zu einem eindrucksvollen Blick auf eine der schrecklichsten Epochen des 20. Jahrhunderts.

Bildnachweis:
Französische Soldaten klettern während der Schlacht um die ostfranzösische Stadt Verdun zu einem Angriff aus ihren Schützengräben. Die Stadt wurde im November 1916 von den Franzosen zurückerobert.
Bildrechte: WDR / (c) dpa

Erstellt: 16-07-04
Letzte Änderung: 28-07-04