Kritik: Dieser Film ist auf den ersten Blick böse und politisch völlig unkorrekt. Dennoch hat er bereits diverse Preise auf Festivals gewonnen, etwa bei den Nordischen Filmtagen in Lübeck, in Karlovy Vary und in Turin. Wie kann das sein? Geschickt stellt Die Kunst des Negativen Denkens den Behinderten Geirr in den Mittelpunkt. Ein seit seinem Motorradunfall zynisch gewordener Typ, der skrupellos alle Vorurteile gegen Behinderte ausspricht, die vielleicht auch der Zuschauer insgeheim hat. „Nimm deinen Haufen von Idioten und verschwindet in eure Anstalt!“ ruft er ihnen zur Begrüßung zu und sprüht dabei den Inhalt eines Feuerlöschers auf den Besuch. Ingvild sagt er: "Ich mag Frauen nicht, die mit Krüppeln zusammen sind."
Geirr gelingt es innerhalb kürzester Zeit, die auf positives Denken getrimmte vierköpfige Truppe, die von der eisernen Therapeutin Tori angeführt wird, auf die Abwege seines negativen Denkens zu führen. Nach wenigen Stunden schon überlegen diese gemeinsam, wer denn von ihnen "am Schlechtesten dran" sei und wollen sich dabei gegenseitig übertrumpfen. Ein fahrbarer Lift im Haus versinnbildlicht die "Hochs" und "Tiefs", die die einzelnen Gruppenmitglieder in dieser Nacht haben. Immer wieder fahren sie nach oben und dann wieder nach unten. Da gibt es etwa die hübsche blonde Marte, die gelähmt ist, seit ihr Freund sie beim Klettern nicht richtig gesichert hat und sie abgestürzt ist. Ihr Mann Gard kümmert sich um sie, ist mit ihr in der Therapiegruppe, geplagt von Selbstvorwürfen. Asbjorn redet nicht mehr seit seinem Schlaganfall und Lillemoor leidet eigentlich "nur" an Depression, trägt aber eine Halskrause.
Die Kunst des Negativen Denkens ist nicht nur unterhaltsam und witzig in der Art und Weise, wie die Therapiebestrebungen Toris nach und nach torpediert werden. Die einzelnen Protagonisten sind jeder für sich auch ernst zunehmende, interessante und gut geschriebene Charaktere. Die Gruppe bleibt über Nacht in der Villa von Geirr (die dieser vom Geld der Versicherung gekauft hat - er war sehr gut versichert), und sie erleben die wohl anarchistischste Nacht ihres Lebens. Da werden Rollstühle umgekippt, Behinderte krabbeln am Boden entlang, halten sich den Revolver beim Russischen Roulette an den Kopf, die beiden gestressten Ehepartner Ingvild und Gard fallen übereinander her und haben wilden Sex, und zwar so laut, dass alle sie hören können, und teures Mobiliar wird zerstört. Vorher hat Geirr der Gruppentherapeutin Tori einen richtig harten Schlag ins Gesicht verpasst (Wer hat sich dies nicht insgeheim schon immer mal gewünscht - ein Faustschlag mitten ins Gesicht eines Gutmenschen). Danach flüchtet Tori und ihre Schäfchen wollen lieber in der Villa des Bösen bleiben.

79 Min.
Regie: Brad Breien
Mit Fridjov Saheim, Kjersti Holmen, Marian Ottesen, Henrik Mestad, Kirsti Eline Torhaug

Doch erstaunlicherweise blühen am nächsten Morgen die Blumen des Bösen ganz wunderbar, und bis auf den ein oder anderen Schädel hat die Direktheit von Geirrs "Therapie" durchaus positive Auswirkungen. Die Kunst des Negativen Denkens funktioniert erfolgreich nach den alten Regeln der Komödie, die es im Film schon seit der Stummfilmzeit gibt. Ein Prinzip wird gesetzt, das des "positiven Denkens" in der Gruppe von Tori, das anschließend von Geirr voller Lust nach und nach zerstört wird. Das selbst gehäkelte Kotzbeutelchen, das für verbales Auskotzen gedacht ist und das Tori allen Gruppenmitgliedern reicht, wird natürlich auch gründlich missbraucht.






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