Kritik: Glawogger beginnt seine Filme mit Musik. Nicht nur die fiktiven, auch seine Dokumentarfilme. Die Musik im Kopf nimmt ihn mit auf die Reise, die diesmal ganz besonders bunt, schräg und skurril ausgefallen ist. Gut gewählt der Titel, denn "Contact High" versucht den Zuschauer allein durch das Sehen des Films in einen Rauschzustand zu versetzen - und es gelingt ihm. Auch wenn es nicht wissenschaftlich erwiesen ist, meint man doch, das Gefühl des High-Seins könne von einem beispielsweise Bekifften auf einen nüchternen Zeitgenossen überspringen, als eine Art emphatischer Effekt vielleicht. Im Film selbst jedenfalls funktioniert dies zwischen den Freunden Max und Johann.
"Contact High" spielt mit dieser Idee auch auf dramaturgischer Ebene. Er beginnt als schräges Roadmovie und driftet nach und nach immer weiter ab von der Realität. In Polen etwa, wenn sich Max und Johann in ihr Zimmer der seltsamen Pension einquartiert haben, verwundert es nicht, dass am nächsten Tag auf einmal alles winzig ist: Die Dusche ist so klein geworden, dass man damit nur noch Hände waschen kann. Kurz darauf laufen die beiden zu den Klängen von Captain Beefhearts "Mirror Man" auf die Straße und müssen feststellen, dass sich das ganze Leben um sie herum auf einmal rückwärts abspielt.

Österreich/Deutschland/England/Spanien/Polen 2009, 95 Min.
Regie: Michael Glawogger
Mit Michael Ostrowski, Raimund Wallisch, Detlev Buck, Georg Friedrich, Pia Hierzegger

Aus großen Pötten kreiseln lustig bunte Haschblümchen, verbotene Früchtchen und die polnischen Polizisten haben Schweinenasen wie in den Comics von Robert Crumb. Aber auch da, wo es noch real zugeht, ist Glawoggers psychedelisches Roadmovie überzeugend: Detlev Buck feiert seinen Auftritt als blond gefärbte, streng gescheitelte Schwulette in bester "Tom of Finland"- Manier: Er ist Besitzer einer Autowerkstatt, in der sich seine Boys lasziv in halboffenen, lilafarbenen, knallengen Overalls räkeln, um eins zu werden mit ihren heißen Motoren. Aber natürlich kommen auch Frauenfantasien nicht zu kurz. Als Max und Johann in Poland auf Drogen tanzen gehen, haben sie wilde Visionen von Girls mit gierigen, wilden Hundeköpfen.
Es ist hier wie mit allen guten Drogenkomödien: Lässt man sich ein auf die Reise, wird man reichlich belohnt und verlässt beschwingt und munter das Kino. Bleibt man analytisch nüchtern, hat man immerhin noch den guten Soundtrack von Captain Beefheart über Tiefschwarz, Calexiko, The Sonics bis zu Sven Regener, großartige Schauspieler, u.a. Michael Ostrowski, Raimund Wallisch, Detlev Buck, Georg Friedrich und Pia Hierzegger, über die man sich freuen kann, und viele unterhaltsame Referenzen an Tarantinos „Pulp Fiction“.
Nana A.T. Rebhan






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