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Berlinale Live! - 21/02/06

18. Februar

Teddy - Geburtstag unterm Regenbogen

Der TEDDY wird 20 und mit ihm ein einzigartiges Stück Filmgeschichte. Bis heute ist die Berlinale das einzige große Filmfestival der Welt, das einen schwul-lesbisch-transidentischen Preis vergibt. Was 1987 in einem kleinen Buchladen in Eigeninitiative aus politischem Engagement geboren und 1992 erstmalig von der Festivalleitung offiziell anerkannt wurde, ist mittlerweile zu einer angesehenen Auszeichnung geworden. Ohne falschen Stolz können die Macher des TEDDY behaupten, einen nicht unwesentlichen Teil an Karrieren von damals unbekannten Regisseuren wie Gus van Sant oder Pedro Almodóvar beigetragen zu haben. Zur Feier des runden Geburtstages wurden 37 Film-Highlights der letzten zwei Dekaden gezeigt, beinahe ebenso viele queere Filme liefen in sämtlichen Sektionen der Berlinale 2006.

Am Freitag abend fand die Jubiläumszeremonie im Berliner E-Werk statt und bot einige Überraschungen. Durch den Abend führten Panorama-Urgestein Wieland Speck und Margaret von Schiller. Insgesamt fünfmal wurde das dicke Ralf König-Tierchen verliehen. Zwar gab es dabei erneut einige Pannen, aber im Gegensatz zu den Vorjahren war diese Verleihungsgala eine Wohltat. Der erste Preis des Abends, verliehen an den besten Kurzfilm, ging an Maryam Keshavarz für ihr Werk „El dia que morí“. In der Kategorie Bester Dokumentarfilm gewann „Au-delà de la haine“ von Olivier Meyrou. Der Regisseur war zum Zeitpunkt der Preisvergabe leider abhanden gekommen, konnte aber gegen Ende der Veranstaltung seinen TEDDY für die ergreifende Dokumentation über die Trauerarbeit einer Familie, deren Sohn aufgrund seiner Homosexualität von drei Skinheads getötet wurde, doch noch in Empfang nehmen. Eine weitere Überraschung war der Gewinner des TEDDYs für den Besten Spielfilm. Denn mit Auraeus Solitos „Ang Pagdadalaga ni Maximo Oliveros“ setzt sich nicht nur ein Außenseiter-Debüt durch, sondern wird auch die Sektion 14plus, in welcher der Film zu sehen war, als hochwertige Erweiterung des Festivals gewürdigt. Weitere Preisträger waren „Combat“ von Patrick Carpentier und „Paper Dolls“ von Tomer Heymann.

Das Rahmenprogramm bildeten unter anderem die männliche Vanessa Mae, David Garrett, und Gay Icon Nina Hagen, die sich diesmal von ihrer etwas ruhigeren Seite präsentierte. Festivalleiter und Wirbelwind mit Hut Dieter Kosslick kam noch in voller Montur in den Saal gerauscht, um, geständig unvorbereitet, seine Glückwünsche zum Jubiläum zu überbringen. Im Anschluss an den offiziellen Teil wurde dann ausgelassen und gender-übergreifend gefeiert.

Der TEDDY hat hart um seine Existenz gekämpft, je nach politischer Lage der Nation lief es mal besser, mal schwieriger. Doch der Einsatz hat sich gelohnt. Trotzdem bleibt bei aller Geburtstagsfreude und Sympathie eigentlich zu hoffen, dass er nicht mehr allzu lange nötig sein wird. Vielmehr wäre es zu wünschen, dass die Filme unabhängig von sexueller Identität rezipiert werden und jegliche Geschlechtlichkeit unter dem Aspekt der Normalität betrachtet wird. Bis dahin ist es leider noch immer ein steiniger Weg, aber man kann ja hoffen...

Cornelis Hähnel & Jutta Klocke


  • Spekulationen in Gold und Silber

Mit Requiem von Hans-Christian Schmid lief gestern der mit Spannung erwartete letzte deutsche Wettbewerbsbeitrag. Er komplettierte damit auch die Liste der 19 Anwärter für den Goldenen Bären und eröffnet so das lustige hypothetische Raten um die diesjährigen Gewinner. Die Favoriten werden hitzig diskutiert, die eigenen Hitlisten gerecht in Regie-, Darsteller- und Technikpreise eingeteilt. Man findet anscheinend wieder Zeit zum Sprechen, die Tage, in denen sich die geistige Aufnahmefähigkeit und Kritik nur in Sternen, Punkten und sonstigen Symbolen geäußert hat, ist überwunden, und objektive Argumente kommen wieder zum Einsatz.

Sämtliche Rankings werden ein letztes Mal abgeglichen, zufrieden abgenickt, beleidigt verworfen oder kritisch hinterfragt. Hält der Siegeszug des deutschen Films an, ist die Entscheidung erneut politisch geprägt, gesellt sich der Goldene Bär in die Riege der Berlinale-Veteranen oder begibt sich erneut ein Außenseiter auf den Siegeszug und vor allen Dingen: Haben wir den Chabrol-Beitrag nicht schon mal gesehen? Wir sind gespannt, was die Jury um Charlotte Rampling heute abend ab 19 Uhr an welchen Film vergibt.

Cornelis Hähnel

Erstellt: 18-02-06
Letzte Änderung: 21-02-06