
Im Jahr 1934 hatte der Ingenieur Ferdinand Porsche den Auftrag erhalten, innerhalb von zehn Monaten den Prototyp eines solchen Automobils zu konstruieren. Bereits 1936 fuhren die ersten Testwagen. Porsche arbeitete weiter fieberhaft an seiner Entwicklung, und so entstand bald jenes Auto, das nach dem Zweiten Weltkrieg als „VW Käfer“ Automobilgeschichte schreiben sollte.
"Mythos Autobahn": Nicht mehr als ein Gerücht
Doch zunächst legten die mittlerweile 30 Versuchswagen zusammen 2,4 Millionen Kilometer zurück. Eines dieser Versuchsautos ist auf der Fotografie zu sehen. Der Fahrer steht lässig neben dem Wagen, seinen Blick hat er in das Innere gerichtet, so als wäre er schon der stolze Besitzer. Propagandistisch geschickt ist im Hintergrund ein neu erbauter Autobahnabschnitt zu sehen, bereit, die motorisierten Massen aufzunehmen. Der „Mythos Autobahn“ war ein weiterer Baustein, der Bevölkerung das Gefühl des steten Aufschwungs zu ermitteln. Dass Hitler die Autobahn „erfunden“ hat, ist ein Gerücht, das sich bis heute hartnäckig hält. Doch weit gefehlt: Die erste „Nur-Autostraße“ wurde bereits 1924 in Italien dem Verkehr übergeben, und in Deutschland brauchten die Nationalsozialisten lediglich bereits vorhandene Pläne umsetzen. Ende 1938 konnten insgesamt 3000 Kilometer befahren werden. Dass dieses Autobahnnetz wenig zusammenhängend war, störte Hitler nicht. Für den Diktator war der propagandistische Effekt der Autobahn wichtiger als deren realer Nutzwert.
Autos aus der „Kraft-durch-Freude-Stadt“
Dies galt in gleichem Maße für die vermeintliche Motorisierung der Massen. Auch die Serienproduktion des „Volkswagens“ wurde mit großem Propagandaaufwand in Szene gesetzt. Allerdings hieß die kugelförmige Konstruktion Porsches damals noch nicht „Käfer“, sondern „Kraft-durch-Freude-Wagen“. „Kraft durch Freude“ war eine nationalsozialistische Organisation, die nur ein Ziel hatte: die Deutschen abzulenken und mit vordergründig harmlosen Vergnügungen für das Regime zu gewinnen. „Kraft durch Freude“ organisierte Reisen, Kegelabende, Teenachmittage… Und unter der Federführung von „Kraft durch Freude“ sollte auch das Auto für die Massen produziert werden. Am 26. Mai 1938 legten Hitler und Reichsorganisationsleiter Robert Ley den Grundstein für den Bau der Fabrik, in welcher der „KdF-Wagen“ produziert sollte. In unmittelbarer des Werks wurde eine neue Stadt gegründet, in der Wohnraum für 80.000 Menschen geschaffen wurde: „Kraft-durch-Freude-Stadt“ nannten die Nationalsozialisten ihre Gründung. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt in „Wolfsburg“ umbenannt, nach einer in der Nähe gelegenen mittelalterlichen Burg. Finanziert wurde dieser gewaltige Kraftakt unter anderem mit dem Geld, das die Nationalsozialisten durch den Verkauf des beschlagnahmten Gewerkschaftsvermögens erlöst hatten.
Vorrang für Militärfahrzeuge
Als im Oktober 1938 die Serienproduktion des „KdF-Wagens“ begann, träumten viele Deutsche von dem billigen Automobil, das ihnen bald gehören würde. Doch Adolf Hitler hatte einen ganz anderen Traum: Längst arbeitete er auf einen rassistischen Weltanschauungskrieg hin, und in den modernen Fabrikhallen der „KdF-Stadt“ rollten nur wenige „Volkswagen“ vom Band. Absoluten Vorrang hatte nun der Bau von Militärfahrzeugen. Daran mussten sich während des Zweiten Weltkriegs auch zahlreiche Zwangsarbeiter aus ganz Europa beteiligen.
Uwe A. Oster






per E-Mail verschicken
RSS
Facebook
Twitter

