Analysten und Politiker rechneten mit einer massiven Enthaltung der Bürger bei den Europawahlen vom 4. zum 7. Juni 2009. Ihre Prognose hat sich leider bewahrheitet. Die Wahlkampagne war kurz und ziemlich freudlos, wie es uns auch die Beiträge dieser Ausgabe zeigen, die dieses Mal aus
Irland,
Spanien,
Italien,
Frankreich,
Belgien, der
Tschechischen Republik,
Polen und
Deutschland kommen. Nur zu oft wurden jene großen Aufgaben beiseite gelassen, mit denen die Europäische Union und das direkt gewählte Parlament in den nächsten fünf Jahren konfrontiert sein werden. Im Internet, allerdings, gab es zahlreiche Initiativen um den Bürgern die wahren Herausforderungen dieser Wahlen näher zu bringen, wie zum Beispiel die interaktive Plattform von ARTE
„27 und ich“ oder
EUdebate2009 von Cafebabel.
Der Blog „L'Europe en débat“ hat ebenfalls von der Neugier der User profitieren können. Anfang Juni hat der Blog 400.000 gesehene Internetseiten verzeichnet, alleine 350.000 nachdem das Dossier „Europawahlen und öffentliche Meinung“ online gestellt wurde. Dieses Resultat zeigt, dass es sehr wohl einen Platz für die Behandlung von europäischen Fragen gibt, solange ein soziales Netzwerk dazu bereit ist sich die neuen Kommunikationsmöglichkeiten des Web 2.0 zunutzen zu machen.
Doch wie Philippe Perchoc von Nouvelle Europe in seinem letzten Notizblock, welcher sieben Wochen lang die
Ereignisse auf der Plattform „27 und ich“ verfolgt und kommentiert hat, richtig anmerkt, ist diese Dichotomie zwischen all dem was im Web passiert und dem, was gleichzeitig nicht auf politischer Ebene geschieht, ebenso besorgniserregend wie die niedrige Wahlbeteiligung. Denn „
es wurden ganze Debattenzonen geschaffen, ohne sich jemals auszutauschen“. So kommt er auch zu einem Schluss, der uns alle betrifft: „
So lange es in der Realität keine politischen Herausforderungen gibt, bringt der Button 'Kommentieren' im Internet gar nichts.“
Deswegen sollten wir auch in Zukunft die Ambition haben auf diesem Blog die Funktion „Kommentieren“ zu verwenden. Nur so können wir an jener öffentlichen Debatte auf kontinentaler Ebene teilnehmen, die Europa derzeit so dringend nötig hat. Denn es wäre falsch ein Europa zu akzeptieren, das ein Drittel seiner Bevölkerung aufgrund seiner Armut ausschließt und dessen politische Institutionen gleichzeitig ihre einzige Legitimität aus einer Wahl ziehen, an der nur 40% der Europäer teilgenommen haben.
Claire A. Poinsignon Europareferentin
ARTE France
c-poinsignon@artefrance.fr
Luis Bouza GarcíaAkademischer Assistent
Projektkoordinator zwischen beiden Europakollegs
Europakolleg
Standort Brügge
An dieser Ausgabe haben teilgenommen:
Luis Bouza Garcia (Spanien)
Sigrid Brettel (Deutschland)
Agnieszka Cianciara (Polen)
Geoffrey Grandjean (Belgien)
Alexander Knetig (Tschechische Republik)
Matthew Krasa (Irland)
Elisa Molino (Italien)
Mathieu Rousselin (Frankreich)
Übersetzung: Sprachservice ARTE GEIE
Bildmaterial: Luis Bouza Garcia
Überarbeitung und Veröffentlichung der deutschen Fassung: Tatjana Marwinski.