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Interaktive Entdeckunsreise

Im Jahr 2005 jährt sich der Todestag des Regisseurs Louis Malle zum 10. Mal. Aus diesem Anlass hat ARTE ihm und seinem cineastischen Meisterwerk, das mit einer (...)

Interaktive Entdeckunsreise

01/09/08

Fahrstuhl zum Schafott

Julien Tavernier bringt den Ehemann seiner Geliebten Florence um. Der perfekte Mord, hätte Julien nicht ein verräterisches Indiz vergessen. Um es zu beseitigen, kehrt er zum Tatort zurück - und bleibt dort im Fahrstuhl stecken. ARTE zeigt diesen Film innerhalb einer Sendereihe zum 10. Todestag des französischen Filmemachers Louis Malle, einem der wichtigsten Vertreter der Nouvelle Vague.

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Eigentlich ist der Plan perfekt: Julien Tavernier erschießt seinen Chef, den Ehemann seiner Geliebten Florence, nach Dienstschluss in dessen Büro und lässt die Tat wie einen Selbstmord aussehen. Doch kaum auf der Straße fällt ihm auf, dass er ein verräterisches Indiz hinterlassen hat. Unbemerkt stiehlt er sich zurück in das abendlich verlassene Bürogebäude - und bleibt dort im Fahrstuhl stecken. Während Florence auf der Suche nach Julien verzweifelt durch das nächtliche Paris irrt, stiehlt ein junges Paar das Auto des Mörders. Die abenteuerliche Spritztour der beiden endet in einem Hotel, wo sie unter dem Namen Julien Tavernier ein Zimmer anmieten und sich mit einem deutschen Ehepaar anfreunden. Als das Diebespaar sich in der Nacht unbemerkt mit deren Wagen davonmachen will, wird es von den Deutschen überrascht. Im Affekt erschießt der Autodieb das Ehepaar mit einem Revolver, den er in Juliens Auto gefunden hat, und flüchtet mit seiner Freundin. Die Folgen sind für alle fatal. Aus dem Aufzug befreit, kann sich Julien zwar am nächsten Morgen heimlich aus dem Gebäude schleichen, weiß aber nicht, dass die Polizei ihn bereits sucht: Der Mörder wird eines Mordes verdächtigt, den er gar nicht begangen hat.

Mit seinem Regiedebüt "Fahrstuhl zum Schafott" gelang dem seinerzeit erst 24 Jahre alten Louis Malle gleich zu Beginn seiner Karriere ein Meisterwerk der französischen Nouvelle Vague. Der Thriller verbindet Elemente des "film noir" und des amerikanischen Gangsterfilms zu einer düster-poetischen Studie über Schuld und Sühne, Liebe und Misstrauen, Zufall und Schicksal. In Frankreich feierte Louis Malles Erstlingsfilm mit Jeanne Moreau - die in ihrer Rolle als Florence Carala über Nacht berühmt wurde - und Maurice Ronet überwältigende Erfolge und wurde mit dem Prix Louis Delluc als künstlerisch bedeutendster französischer Film des Jahres 1957 ausgezeichnet. "Fahrstuhl zum Schafott" zeichnet sich nicht nur durch atmosphärisch dichte Schwarz-Weiß-Bilder, sondern auch durch das einprägsame Spiel seiner Darsteller und die improvisierte Jazzmusik von Miles Davis aus, die den Szenen ihren besonderen Charakter verleiht. Der Film bringt die Sehnsucht nach einem erhofften, aber nicht erreichten Lebensgefühl zum Ausdruck, das sich in den Worten wiederfindet, die die junge Moreau in der Rolle der Florence ihrem Liebhaber zuflüstert: "...Wir werden frei sein, es muss sein." Obwohl Louis Malle zu den wichtigsten Vertretern der Nouvelle Vague gehört, galt er, der "Macher", der die filmische Praxis stets der Theorie vorzog, unter den französischen Regisseuren seiner Zeit stets als Außenseiter. So brach Malle 1953 sein Studium an der Filmhochschule in Paris ab, um den Tiefseeforscher Jacques-Yves Cousteau als Kameramann und Assistent auf eine zweijährige Forschungsreise zu begleiten, während das gemeinschaftliche Oscar-gekrönte Werk "Die Schweigende Welt" (1956) entstand. Seinem Aufsehen erregenden Debüt "Fahrstuhl zum Schafott" folgten weitere bedeutende Filme wie "Die Liebenden" (1958), "Zazie dans le métro" (1960) und "Privatleben" (1962). Nach einigen Kurzfilmen drehte Malle 1965 in Mexiko die erfolgreiche Satire "Viva Maria" mit Jeanne Moreau und Brigitte Bardot. Die bis Mitte der 70er Jahre entstandenen Filme zeigen Malle als vielseitigen Regisseur, der sich scheinbar mühelos zwischen den Genres bewegt, stets auf der Suche nach dem angemessenen filmischen Ausdruck. Immer wiederkehrende Themen und Motive seiner Filme dieser Zeit sind Einsamkeit und Verzweiflung, das Gefangensein in den Normen der Gesellschaft, die Verlogenheit der Bourgeoisie, aber auch Tabuverletzungen und Liebe. Ende der 70er Jahre arbeitete Malle zunehmend in den USA für die Paramount Studios. Doch nicht der Glamour Hollywoods lockte ihn, sondern die Widersprüche des großen, weiten Landes. Bereits sein erster US-Film "Pretty Baby" (1978) mit Brooke Shields, der sich mit dem Thema der Kinderprostitution befasst, wurde zum internationalen Erfolg. Es folgten weitere in den USA produzierte Filme wie "Atlantic City" (1980) mit der damals noch unbekannten Susan Sarandon, "Alamo Bay" (1985) und "Gottes eigenes Land" (1986). Einer seiner größten und persönlichsten Filme wurde das Drama "Auf Wiedersehen, Kinder" (1987), das die eindrückliche Geschichte der Freundschaft zwischen einem Internatsschüler und seinem jüdischen Klassenkameraden im Frankreich des Jahres 1944 erzählt und das mit drei Césars in den Kategorien Regie, Drehbuch und Bester Film ausgezeichnet wurde. Dieser Film, wie auch eine seiner späteren Arbeiten, "Eine Komödie im Mai" (1990), werden innerhalb des Zyklus auf ARTE zu sehen sein. Louis Malle starb 1995, ohne sein letztes Projekt, eine Dokumentation über Marlene Dietrich, realisiert zu haben.


Wiederholung am 7. November um 1.05 Uhr und am 15. November um 15.15 Uhr
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(Ascenseur pour l'échafaud)
Spielfilm, Frankreich 1957, Synchronfassung, ARTE F, Schwarz-Weiß, 86 Min.
Regie: Louis Malle; Buch: Louis Malle, Roger Nimier; Kamera: Henri Decaë; Schnitt: Léonide Azar; Ton: Raymond Gauguier; Musik: Miles Davis; Produzent: Jean Thuillier; Produktion: Nouvelles Editions de Films
Mit: Jeanne Moreau - (Florence Carala), Maurice Ronet - (Julien Tavernier), Georges Poujouly - (Louis), Yori Bertin - (Veronique), Jean Wall - (Simon Carala), Elga Andersen - (Madame Bencker), Sylviane Aisenstein - (Sekretärin), Micheline Bona - (Geneviève), Gérard Darrieu - (Maurice), Ivàn Petrovich - (Horst Bencker), Lino Ventura - (Inspektor Cherier), Jacqueline Staup - (Anna)

Erstellt: 27-10-05
Letzte Änderung: 01-09-08