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Sergej Eisenstein: "Oktober"

Ein Film als Objekt der politischen Zensur.

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Sergej Eisenstein: "Oktober"

Ein Film als Objekt der politischen Zensur.

Sergej Eisenstein: "Oktober"

Titel der deutschen Erstfassung von Oktober: "Zehn Tage, die die Welt erschütterten" - 09/02/12

Das Premierenkino Tauentzien-Palast

Schöneberg, Tauentzienstraße 19a Ecke Nürnberger Straße 57-59.


Zur deutschen Uraufführung von 10 Tage, die die Welt erschütterten, Or

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Die bereits im Vorfeld sensationell in der Presse angekündigte deutsche Premiere von 10 Tage, die die Welt erschütterten fand am Montag, den 2. April 1928, im Tauentzien-Palast in Berlin statt - knapp zwei Wochen nach der Moskauer Uraufführung.

Zu dem Kino-Ereignis 1928 hatten die deutsche Verleihfirma Prometheus und Ludwig Klopfer, der Direktor des Tauentzien-Palastes, geladen. Der Theaterbesitzer verehrte Eisenstein sehr und setzte viel daran, ihn und die Zehn Tage, die die Welt erschütterten für sein Kino zu gewinnen. Klopfer war in der damaligen Szene bekannt und verfügte über gute Kontakte zu Presse und Zensur.

Zur Premiere versammelte sich die zeitgenössische Prominenz, darunter Vertreter der Politik und Behörden, der Kulturwelt sowie Schauspieler und die gesammelte In- und Auslandspresse: Keiner wollte sich das neue Werk von Sergeij Eisenstein entgehen lassen, der mit dem Film Panzerkreuzer Potemkin bekannt geworden war. Umso weniger, da Eisenstein selbst seine Anwesenheit bei der deutschen Uraufführung im Vorfeld zunächst zugesagt hatte, dann aber jedoch nicht teilnahm.

Ein 70 Mann großes Orchester begleitete den Film, hierfür wurde das Kinoorchester extra vergrößert. Edmund Meisel, der auch die Begleitmusik zu Zehn Tage, die die Welt erschütterten komponiert hatte, dirigierte die Aufführung höchstpersönlich.
Entsprechend groß waren die Erwartungen. Die Probenarbeit zur Musik verzögerte sich allerdings stark, da sich die Prometheus erst relativ spät für den Tauentzien-Palast als Aufführungsort entschieden hatte.

Das populäre Lichtspieltheater stand in der Tauentzienstraße 19a Ecke Nürnberger Straße 57-59. Er war als prunkvolles Premierenkino in der Verlängerung des Kurfürstendammes in Berlin bekannt und bot damals ca. 1076 Kinogängern Platz. Das Kino war 1912/13 nach Plänen von Johann Emil Schaudt erbaut worden, der auch Architekt des KaDeWe war. (Die Ausstattung blieb bis zum Umbau 1930 durch Gustav Neuenstein weitestgehend unverändert; im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude zerstört. Heute befindet sich dort das Geschäft Peek & Cloppenburg, Tauentzienstrasse 19.)

1928 wurde nach einigen Kontroversen mit den Behörden endlich eine großflächige Lichtwerbung möglich. Auf den Fotos zur Berliner Aufführung erkennt man, wie durch die werbewirksame Lichtarchitektur die bislang verborgene Dimension des Gebäudes offenbart werden konnte.

Auch hier war es Ludwig Klopfer, der sich stark um eine eindrucksvolle und werbewirksame Reklame bemühte.

Um der Vorführung von 10 Tage, die die Welt erschütterten den entsprechenden Rahmen zu bieten, dekorierte man den Kino-Palast sehr festlich und richtete ihn für eine große Gala-Premiere her. Die Zeitungen berichteten bereits im Vorfeld, dass der Film vier bis sechs Wochen laufen würde, für damalige Maßstäbe eine lange Zeitspanne. Wegen der starken Nachfrage eröffnete das Kino bereits eine Woche früher als üblich den Vorverkauf.

Die Reaktionen auf die Berliner Uraufführung sehen Sie hier.


Literatur:
  • Boeger, Peter: „Architektur der Lichtspieltheater in Berlin. Bauten und Projekte 1919 – 1930“. Berlin, 1993, S. 36-38.
  • Hänsel, Sylvaine; Schmitt, Angelika (Hg.): Kinoarchitektur in Berlin 1895-1995. S. 151 u. 162/163.
  • Sudendorf, Werner: „Revolte Im Orchestergraben. Zur Biographie Edmund Meisels“. In ders. (Hg.): Der Stummfilmmusiker Edmund Meisel. Kinematograph Nr. 1, Frankfurt am Main 1984. S. 5-37.
  • Aus Briefen Edmund Meisels an S. M. Eisenstein“. In Sudendorf, Werner (Hg.): Der Stummfilmmusiker Edmund Meisel. Kinematograph Nr. 1, Frankfurt am Main 1984. S. 75-90.




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Oktober (Oktjabr)
(UdSSR 1927/28) – Länge: 116’
Regie und Buch: Sergej Eisenstein, Grigori Aleksandrow
Kamera: Eduard Tissé
Musik: Edmund Meisel
Musikbearbeitung: Bernd Thewes (i. A. von ZDF/ARTE)
Einspielung: Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Dirigent: Frank Strobel
Live Aufführung am 10.02.2012, 21:00 Uhr im Friedrichstadt-Palast Berlin
Fernsehausstrahlung am 15.02.2012, 23:00 Uhr auf ARTE

Erstellt: 23-01-12
Letzte Änderung: 09-02-12