Gestern war es also wieder soweit – der Potsdamer Platz füllte sich langsam mit Leben, Kameras wurden rund um den Zoo-Palast postiert, Passanten rempelten mit dicht hinter ein Programmheft geklemmtem Gesicht aneinander, das trockene Wetter schlug pünktlich um in Kälte und nasse Schneeflocken. Im Presse-Zentrum setzte beim Anblick der sich durch die Flure windenden Warteschlange gleich die Unruhe ein, die einen wohl die nächsten neun Tage begleiten wird. Es ist diese ständige Vermutung, zu spät dran zu sein oder gerade womöglich etwas besseres zu verpassen.Wo noch am Nachmittag Spanplatten zusammengezimmert wurden, breitete sich am Abend der rote Teppich aus, auf dem mit Sigourney Weaver und Alan Rickman die Stars der Wettbewerbseröffnung entlangspazierten. Wurde ihr Film Snow Cake vom Publikum positiv aufgenommen, erhitzen sich die Gemüter an weitaus profaneren Themen. Vor allem die Akkreditierungsbänder sorgten dank einer schlecht schließenden Schnalle, wegen der schon so mancher Festivalbesucher sein Ausweiskärtchen verloren hat, für Aufruhr. Immerhin hat so aber wenigstens der penetrante Parfumduft des Bandes einen Sinn bekommen: Auf der Suche nach dem Ausweis sollten die Verzweifelten einfach der Fährte des seifigen Geruchs folgen. Schließlich gilt es ja keine Zeit zu verlieren – der Terminplan ist voll, und die ausgewählte Vorführung hat sicher schon vor drei Minuten angefangen...
Jutta Klocke






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