Im Jahre 1434 war der portugiesische Kapitän Gill Eanes mit 15 Männern und einem ungeheuerlichen Auftrag unterwegs nach Süden. Er sollte das Meer der Finsternis bezwingen, die Grenzen der Welt überwinden, das Unbekannte ergründen. Dort, wo noch nie ein Mensch gewesen war, sollte er nach legendären Reichtümern und Verbündeten suchen. "Wagt das Äußerste, passiert endlich Kap Bojador", so lautete der Befehl Heinrichs. Gefährlicher Auftrag
Kap Bojador, das war die gefürchtete Landzunge an der Küste der Westsahara. Die Männer hatten Angst. Noch nie soll es einem Seefahrer gelungen sein, dieses Kap zu passieren und lebend zurückzukehren. Man erzählte von spanischen und italienischen Galeeren, die dort verschollen waren. Von zu Schlamm eingedickter See, in der teuflische Ungeheuer lauerten. Am Kap Bojador sei man der Sonne so nah, dass die menschliche Haut verkohle, und von blutrotem Meer berichteten Seefahrer, die sich nicht weiter vorgewagt hatten.
Prinz Heinrich trieb seine Männer an die Grenzen, weil er Verbündete im Kampf gegen die Mauren suchte. Er wollte die Welt von den Andersgläubigen befreien. Jenseits der Wüste der Sahara hoffte er die unbekannten Verbündeten zu finden. Im Jahr 1415 landete eine Armada von 200 portugiesischen Schiffen an der nordafrikanischen Küste. Die maurische Stadt Ceuta war ihr Ziel. Heinrich führte den ersten Landungstrupp an und kämpfte an vorderster Front. Nur einen Tag und eine Nacht tobten die erbitterten Kämpfe, dann fiel die maurische Handelsmetropole und wurde von den Portugiesen besetzt. Der Kampf gegen die Mauren galt den christlichen Herrschern der iberischen Halbinsel als von Gott gewollter Auftrag. Strategisch perfekter Ort
Der 21-jährige Heinrich wurde für seinen mutigen Einsatz von seinem Vater, König Joao, zum Ritter geschlagen, zum Gouverneur der Algarve ernannt und mit einem ansehnlichen Einkommen belohnt. An der Küste ließ sich Prinz Heinrich in Sagres nieder. Die Algarve ist der südwestlichste Punkt Europas und sollte sich als idealer Ausgangspunkt für seine kühnen Pläne erweisen.
An der Küste in der Nähe von Sagres hatte Prinz Heinrich seine Villa do Infante errichtet. Es war ein strategisch perfekter Ort, denn als Drehscheibe der Seefahrer zwischen Mittelmeer und Atlantik war Sagres auch ein Sammelbecken des Wissens über fremde Länder jener Zeit. Seit der Schlacht um Ceuta war Heinrich begierig auf jede Information über das mysteriöse Afrika und die unbekannte Welt jenseits der Sahara.
"Ameisen, so groß wie Katzen"
Den Portugiesen fielen in der eroberten Stadt Ceuta unvorstellbare Reichtümer in die Hände. Schatzkammern, bis an die Decke mit Gold und Diamanten gefüllt. Heinrich war geblendet von all dem Reichtum. In einer alten Schrift heißt es, in Afrika gebe es Ameisen, die so groß wie Katzen seien und die an einem großen Fluss Gold aus dem Boden graben und zu großen Türmen aufhäufen würden. Und Händler berichteten, dass Gold und Edelsteine mit den Karawanen durch die Sahara kommen, aus dem Herzen Afrikas.
Doch für die Christen war das Meer des Sandes unbezwingbar. Es war das Reich der Mauren. Aber jenseits der Sahara vermutete Heinrich auch das sagenhafte Priesterreich des Johannes, das angeblich reichste Königtum der Welt, doch keiner fand bisher das geheimnisvolle Reich. Für Heinrich entstand ein Bild von Afrika, voll von Mythen und Legenden. Ein unbekanntes Land, das er zum Ruhme Portugals entdecken wollte. Wenn nicht durch die Wüste, dann über das Meer.© ZDF/Axel Engstfeld Filmproduktion





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